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Sport
05/13/2021

Wenn Frauen 119 Jahre lang auf ein Radrennen warten müssen

2022 startet die Tour de France der Damen. In anderen Sportarten brauchten Frauen ähnlich lang, um ins Rampenlicht zu kommen.

von Florian Plavec, Silvana Strieder

119 Jahre nach der ersten Ausgabe der Tour de France werden auch Frauen wieder ihr Rennen haben. Dies gab Tour-Renndirektor Christian Prudhomme in einem Interview mit dem Guardian bekannt. 

Ganz neu ist die Idee einer Tour de France für Frauen nicht. Von 1984 bis 2009 fand das Pendant zur Tour de France der Männer statt. Diese war jedoch ein wirtschaftliches Desaster und wurde wieder eingestellt. Tour-Renndirektor Christian Prudhomme wolle aus den Fehlern lernen: „Die Herausforderung besteht darin, ein Rennen zu starten, das 100 Jahre lang leben kann. Deshalb möchten wir das Damen-Rennen nach der Herrentour machen, damit die Mehrheit der Fernsehkanäle auch darüber berichtet.“

Tour de France Preparations

Emanzipation mit Hindernissen

Verworfen wurde also der Plan, das Damen-Rennen parallel zur Herren-Tour zu veranstalten, mit kürzeren Etappen aber denselben Zielorten.

Nicht ganz 119 Jahre aber ähnlich lang dauerte es in anderen Sportarten, bis Frauen endlich gleichberechtigt an Bewerben teilnehmen konnten. Vom Marathon bis hin zum Fußball oder Skispringen. Sportlerinnen hatten es lange nicht leicht, eine Chance zu bekommen.

  • MARATHON

Bis in die 1970er-Jahre ist Frauen die Teilnahme am Marathonlauf verboten. Doch eine junge amerikanische Studentin widersetzt sich. 1967 meldet sich Kathrine Switzer  unter „K. V. Switzer“ für den Boston-Marathon an. Nach einigen Kilometer sieht der Renndirektor die laufende 20-Jährige und versucht, ihr die Startnummer abzureißen. Doch Switzers Freund, der Hammerwerfer Tom Miller rammt den Mann zur Seite. Die Bilder der Aktion gehen um die Welt. 1984 ist der Marathon der Frauen dann erstmals olympisch.

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  • SKISPRINGEN

Noch in den 1990er-Jahren ist Gian-Franco Kasper, der Generalsekretär der FIS überzeugt, dass Skispringen für Frauen schädlich sei. Schließlich zerstöre die Wucht des Aufsprungs die Gebärmutter. Im Jahr 2003 fliegt die Tirolerin Daniela Iraschko-Stolz als erste Frau an die 200-Meter-Marke – ohne körperliche Schäden zu erleiden. 2009 findet die erste WM der Damen statt, seit 2014 in Sotschi springen die Damen auch bei Olympia.

  • BOXEN

Frauenboxen gibt es in Wien schon in der Zwischenkriegszeit. Im Vordergrund stehen aber die Belustigung der Zuschauer und ein starker Varieté-Charakter. Erst gegen Ende des Jahrhunderts werden erste WM-Kämpfe organisiert. Olympisch ist Frauenboxen seit den Spielen in London 2012 – exakt 108 Jahre nach den ersten olympischen Boxkämpfen der Männer. 

  • FUSSBALL

In England und Deutschland ist Frauen das Fußballspielen bis 1970 (!) verboten. Doch im Zuge der Emanzipationsbewegung der 68er-Generation ist der Sport nicht zu stoppen, der Aufschwung des Frauenfußballs geht einher mit neuem weiblichem Selbstbewusstsein. In Österreich wird die Liga 1972 gegründet, aber erst 1982 anerkannt. Mit der EM 2017 erlebt Frauenfußball einen Boom in Österreich, das Halbfinale gegen Dänemark verfolgen 1,3 Millionen Zuschauer im ORF.

  • NORDISCHE KOMBINATION

Während Biathletinnen und Langläuferinnen schon längst Teil der Sportwelt sind, gibt es erst seit 2020/21 einen Weltcup der nordischen Kombiniererinnen. Eine Aufnahme ins olympische Programm für Peking 2022 wird vom IOC allerdings abgelehnt.

  • RADSPORT

Von 1984 bis 2009 schon einmal versucht, aber gescheitert. "Aus rechtlichen Gründen durfte damals der Name Tour nicht mehr verwendet werden", sagt Klaus Kabasser, der sportliche Leiter des österreichischen Frauen-Nationalteams. "Daraufhin wurde der Spitzname der Tour de France der Männer – Grande Boucle – der offizielle Name des Frauen-Rennens." Im letzten  Austragungsjahr gewann Christiane Soeder, Österreichs erfolgreichste Radrennfahrerin, zwei Etappen.

Bei der Damen-Tour 2022  könnten auch drei Österreicherinnen starten: Kathrin und Christina Schweinberger, sowie Sarah Rijkes. Den Männern gleichgestellt sind die Rad-Damen seit heuer in Österreich, sagt Kabasser: "Es gibt erstmals für Frauen die sogenannte Bundesliga, wie bei den Männern mit gleichen Preisgeldern. Und auch die Tour de France  2022 ist wieder ein Schritt Richtung  Emanzipation."

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