Unser Plan für den Weg an die Weltspitze im Doppeltennis
Turniersieg in Brisbane: Lucas Miedler und Francisco Cabral
Nach den Australian Open ist immer die Zeit, das erste Mal in der Saison Bilanz zu ziehen. Meine Ergebnisse im Jänner 2026 waren eigentlich gut: Titel beim ATP-Turnier in Brisbane, Semifinale beim ATP-Turnier in Auckland, zweite Runde bei den Australian Open – gesamt 430 ATP-Punkte. Vor einem Jahr hätte ich das blind unterschrieben. Dass wir dieses Jahr als Team damit nicht zufrieden sind, zeigt, dass wir weit gekommen sind, aber eben noch nicht am Ziel sind.
Zur Einordnung: Vor einem Jahr pendelte ich im Doppel-Ranking zwischen 45 und 55 der Welt. Nach einem guten Jahr 2025 stehe ich auf Rang 23 und damit so gut wie nie zuvor. Das bedeutet aber auch, dass für mich eine neue Zeitrechnung beginnt: Zwischen 50 und 23 in der ATP-Rangliste liegen 900 Punkte. Um es von 23 aus in die Top 10 zu schaffen, benötige ich über 3.000 zusätzliche Punkte. Stand heute habe ich circa 2.800 Punkte. Mathematisch muss man daher kein Kaiser sein, um zu verstehen, dass ich für einen Einzug in die Top 10 im Vergleich zu 2025 meine Punkte mehr als verdoppeln muss. Das ist nur mit Erfolgen bei großen Turnieren (Grand Slams, Masters 1000) möglich.
Unser Ziel ist, das ATP-Finale der besten 8 Teams der Welt zu erreichen. Das heißt, wir müssen alles auf die großen Turniere ausrichten – inklusive Anpassung der Turnierplanung mit bewussten Pausen, Verstärkung des Umfelds mit neuem Athletiktrainer, Ausweitung der Zusammenarbeit mit Performance/Mental-Coaches von neuro11 sowie die Fortsetzung der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Wolfgang Thiem als Head Coach und Luis Faria als Touring Coach.
Von meinem Gefühl her hatte ich damit eine perfekte Vorbereitung. Dass es dann trotzdem in Australien „nur“ für Runde zwei gereicht hat, kann schon ratlos machen. In Brisbane im Finale haben wir noch die Nr. 1 der Welt geschlagen, in Melbourne dann verdient gegen die Nr. 50 verloren. In dem Fall haben wir nicht unser 100%-Level abrufen können. Die Luft ist in der Weltspitze zu dünn und 90% reichen nicht. Trotzdem bin ich überzeugt, dass wir das Level haben, um auch auf den größten Bühnen groß aufzuspielen. Das haben wir bereits in Paris (Semifinale beim Masters 1000) gezeigt.
Unsere nächste Chance sind die ATP Masters 1000 in Indian Wells und Miami. Da werden wir wieder voll angreifen. Davor geht es zum Davis Cup in Japan. Ich freue mich sehr auf die Zeit mit dem Team, insbesondere auch darauf, den Jungen bei allen Aktivitäten neben dem Platz (Kartenspielen, Snooker und Golfen) die Grenzen aufzuzeigen. Auf dem Platz wollen wir als KURIER Davis Cup Team die unglaubliche Geschichte von 2025 wiederholen und ins Finale nach Bologna einziehen. Zur Vorbereitung bleiben Alex (Erler) und ich in Australien, trainieren gemeinsam und fliegen dann direkt nach Tokio.
Auf geht’s!
Lucas Miedler ist Weltklasse-Doppelspieler aus Österreich und kommentiert wichtige Tennisevents für den KURIER.
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