© Jabrail Baschanov

Sport
08/28/2021

Profiboxer Mansur Elsaev: Ein Flüchtling träumt vom WM-Titel

Mansur Elsaev verteidigt heute seinen WBC-Asia Titel im Gym23 in Wien. Der KURIER sprach vorab mit dem Boxer über sein Leben.

von Silvana Strieder

20 Minuten vor dem geplanten Interview klingelt es an der Tür. Im Flur steht ein Mann mit haselnussbraunen Augen und einem herzlichen Lächeln. "Guten Morgen, ich bin’s, Mansur, der Boxer", sagt der Zufrühkommer. Erst am zweiten Blick erkennt man die dunklen Ringe unter den Augen – nicht etwa vom Boxen, sondern von einer arbeitsreichen Nacht. "Am Wochenende bin ich Türsteher. Die Schicht war früher fertig, deshalb bin ich direkt hergefahren", sagt Mansur Elsaev.

Boxen, Billa, Bars

Zwei bis drei Mal am Tag trainiert der 30-jährige Tschetschene in Wien. Neben dem Türstehen arbeitete er bis Anfang 2017 parallel dazu als Mitarbeiter einer Billa-Filiale.

"Ich mag das Türstehen nicht, da kommt immer irgendein Depperter daher, und ich muss mich immer zurückhalten. Es ist nicht meine Art, jemanden zu schlagen."

Außer natürlich im Ring. Dort ist der Profiboxer ungeschlagen und konnte unter Trainer Isaak Kosashvili zehn Kämpfe mit K. o. gewinnen. Irgendwann möchte er sich nur noch auf seinen Sport konzentrieren.

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Große Ziele

"Ich muss Weltmeister werden!", sagt Elsaev und betont, dass er gegen jeden boxen will, der besser ist als er. In der Weltrangliste stehen noch 20 Kämpfer zwischen ihm und dem Weltmeisterschaftsgürtel (Stand: 27. August).

Am Samstag muss Elsaev aber erst einmal seinen WBC-Asia-Titel im Halbschwergewicht (bis 79,4 Kilo) gegen den Bulgaren Yosko Stoychev im Gym23 in Wien verteidigen (live auf ORF Sport+ ab 20.15 Uhr).

Für Österreich bei den Olympischen Spielen zu boxen, war einmal sein Traum, doch seit Jahren wartet Elsaev auf die Staatsbürgerschaft. "Als Boxer ist man in Österreich leider uninteressant." Dennoch ist er froh, hier zu sein. "Wien ist die schönste Stadt der Welt – nur hier will ich mit meiner Familie leben."

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Tage des Krieges

Wunderschön ist laut ihm auch sein Geburtsland Tschetschenien, doch Perspektiven gibt es dort kaum. Mit fünf Jahren erlebte er den ersten Krieg. Der Einmarsch der Soldaten ist ihm in Erinnerung geblieben. Um die Jahrtausendwende begann der nächste Krieg, und Elsaev war schockiert von der Brutalität, die auch sein Dorf erfasst hatte.

"Ich habe alles gesehen, die Straßen waren übersät von Leichen. Das war wirklich schlimm. Aber das hat mich auch innerlich stark gemacht." In Tschetschenien besuchen die Kinder in den Schulen Ringen. "Dort sind alle Kämpfer", erzählt Elsaev. "Wir haben das im Blut."

Zukunft im Ring

Erst 2004, nach seiner Flucht, kam Mansur Elsaev in Österreich durch einen Freund zum Boxen. "Ich wollte nur zuschauen. Boxen fand ich damals schrecklich. Nasenbruch und Blut, das wollte ich nicht." Doch Elsaev fand Gefallen am Faustkampf, und drei Monate nach dem ersten Training wurde er österreichischer (Jugend-)Meister. "Ich bin keiner, der viel Aufmerksamkeit braucht. Ich möchte gesund bleiben, das ist das größte Geschenk. Und ich freue mich, meine Familie zu sehen, das ist wichtig."

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