++ HANDOUT/ARCHIVBILD ++ KARATE: BETTINA PLANK

© KARATE AUSTRIA/MARTIN KREMSER / MARTIN KREMSER

Sport
08/05/2021

Karateka Plank vor Olympia-Debüt und Abschied: "Ich war fertig und leer"

Bettina Plank ist Österreichs erste und einzige Karateka bei den Olympischen Spielen: "Es ist sehr bedauerlich."

von Silvana Strieder

Ein Olympia-Debüt und ein Abschied zugleich: Nach den Spielen in Tokio verschwindet die japanische Kampfsportart Karate wieder aus dem Programm. Für Bettina Plank sind es deshalb einzigartige Momente. Heute startet die 29-jährige Vorarlbergerin (ab 10 Uhr MESZ/live ORF1) in der Klasse bis 55 kg.

Dem KURIER hat die European-Games-Gewinnerin von 2019 vor den Spielen Einblicke in ihr Leben gewährt.

KURIER: Sie haben Karate mit neun Jahren begonnen?

Bettina Plank: Ja. Als Kind habe ich Skifahren und Ballett ausprobiert und Violine gespielt. Mein Vater hat mich dann gefragt, ob ich nicht einmal Kampfsport ausprobieren will. Er hat mich zum Karate gebracht, und das hat mir sofort total gefallen.

Für alle, die Karate zum ersten Mal anschauen, was müssen sie darüber wissen?

Im Karate gibt es zwei Disziplinen, das Kata und das Kumite. Kata heißt übersetzt Form. Da zeigt man Techniken vor ohne einen Gegner im Unterschied zum Kumite, das heißt Freikampf. Es ist eine Sportart, die mit großem Respekt und Wertschätzung verbunden ist, was mir sehr gefällt. Man versucht, auch den Kindern schon die Werte zu vermitteln.

Wie wichtig war Ihr erster Trainer Dragan Leiler?

Er hat mich bis 21 begleitet und war eine sehr wichtige Bezugsperson. Er hat mir sehr viel beigebracht und den Weg in den Leistungssport und 2016 ins Nationalteam geebnet.

Warum sind Sie von Vorarlberg nach Linz gezogen?

Aus sporttechnischen Gründen, weil mir der Verband einen hauptberuflichen Trainer zur Verfügung gestellt hat, der mit mir die nächsten wichtigen Trainingsschritte für meine Karriere setzte. Dragan war super, aber im Leistungssport ist ein anderes Trainingspensum nötig.

ÖOC EINKLEIDUNG TEAM AUSTRIA

Wie wichtig ist die Familie auf Ihrem sportlichen Weg?

Meine Familie ist für mich extrem wichtig. Als Kind mussten sie mich oft einbremsen. Sie waren nie leistungs- oder erfolgsbezogen, eher genau das Gegenteil. Das Wichtigste war immer die Schule. Der Sport war nie an erster Stelle, und das war in der Jugend für mich das Druckmittel. Zuerst musste die Schule passen, dann durfte ich ins Karate-Training.

Und die Ausbildung?

Das Sportgymnasium setzte die ersten Schritte in Richtung Leistungssport. Das nächste Wichtige war das Bundesheer. Nach der Matura wurde ich als Leistungssportlerin aufgenommen. Ich bin abgesichert, und ohne das Bundesheer könnte ich Karate nicht machen. Nebenbei habe ich an der FH Linz soziale Arbeit studiert. Es war eine sehr herausfordernde Zeit.

Wie ging es Ihnen mit der Olympia-Qualifikation?

Wir wissen seit 2016, dass Karate olympisch ist, und seit 2018 läuft die Quali. Das waren jetzt gute drei Jahre, und es war eine Achterbahn der Gefühle. Es waren Enttäuschungen und Verletzungen dabei. 2019 schaute es  gut aus, mich zu qualifizieren. Dann kam Corona dazwischen. Es war umso schwerer, danach wieder an die Form anzuschließen. Ich hab’ 2021 zwei Kämpfe vermasselt und bin im Ranking von Position vier auf 14 gefallen. Es war hart, zu sehen, dass die Arbeit von drei Jahren innerhalb von zwei Kämpfen weg war. Dennoch konnte ich mich qualifizieren. 

Wie groß war Ihre Freude? 

Am Anfang hab’ ich mich nicht richtig gefreut, es ist einfach ein anderes Gefühl, das Ticket beim Wettkampf zu lösen. Ich war emotional fertig und leer. Nach ein paar Tagen, als ich das alles verarbeitet hatte, konnte ich mich erst darüber freuen und bekam wieder neue Energie. 

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Karate ist nur in diesem Jahr bei den Spielen vorgesehen, wie geht es Ihnen damit?

Es ist noch so irreal, dass unsere Sportart olympisch ist und das nur einmal. Es ist sehr bedauerlich, vor allem für unsere Jugend. Wir haben jetzt erfahren, wie es ist, olympisch zu sein. Es wird weitergehen, halt anders. 

Was machen Sie, um vom Sport einmal abzuschalten?

Zum Bachelor-Abschluss hab’ ich  von meiner Mama eine Nähmaschine bekommen und im letzten halben Jahr ein Nähprojekt gestartet. Ich hatte meinen Kopf voll mit Sportdingen und war froh, dass ich dadurch einmal mit etwas Anderem beschäftigt war. Meine ersten Werke waren Geld- und Kosmetiktaschen und sogar ein T-Shirt. 

Worauf freuen Sie sich in Tokio am meisten? 

Auf alles, besonders meinen Kampf. Alles wird neu sein, wird spannend, aufregend. Ich freue mich auf alle gedrückten Daumen.

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