Schmähbruder mit eindeutigem Idol: Alex Kristan

© Winheim Wolfgang

Winheims Tagebuch
08/22/2021

Nur beim Teamchef kennt Kabarettist Alex Kristan keinen Spaß

Das Nationalteam habe ein "Riesenpotenzial", findet der Comedian. Das gilt es im September für neun Punkte zu nutzen.

von Wolfgang Winheim

141.000 Follower allein auf Facebook. Der ehemalige Admira-U-14-Kicker Alex Kristan ist 35 Jahre danach populärer geworden als die meisten Spieler, die es im Gegensatz zu ihm in die Bundesliga gebracht haben.

Pandemie, Naturkatastrophen, Afghanistan – in Krisenzeiten wie diesen sehnt sich der Mensch nach Doping für die Lachmuskeln. Das garantiert Kabarettist Kristan mit Parodien speziell von Kickerprominenz, deren Opfer bislang nie beleidigt reagierten. Admira-Trainer Andreas Herzog häkerlt Kristan in Anspielung auf dessen überschaubare frühere Admira-„Karriere“ vielmehr grinsend retour.

Humorbefreit wirkt der begnadete Stimmenimitator Kristan, 49, nur ...

... wenn ihn beim Wiener Neudorfer High Noon (= Juxkickerl um 12 Uhr mittags jeden Mittwoch mit alten Fußballern) der vom unter Liga-Spielern einst beliebtesten Schiedsrichter zum runderneuerten ORF-Regelexperten gewordene Thomas Steiner in Pressball-Duellen gnadenlos rammt;

... oder wenn Kristan die vorrangig auf Torsicherung bedachte Taktik von ÖFB-Teamchef Franco Foda missfällt, wie er das vor der EM bei TV-Auftritten deutlich kundtat.

Auch bei der EM hat Kristan erst das Spiel gegen Italien überzeugt, in dem seinem Liebling Marko Arnautovic ein Tor aberkannt wurde. Und in Hinblick auf die in 455 Tagen startende WM in Katar meint der Schmähbruder voller Ernst: „Das Team hat Riesenpotenzial für mehr als nur Quali-Spiele.“

Noch aber sollten, ehe es in Kopenhagen gegen den überlegenen Gruppenersten Dänemark zu bestehen gilt, die nächsten drei Qualifikationspartien in Moldau, in Israel und im Wiener Happel-Stadion gegen Schottland gewonnen werden. Wird das Neun-Punkte-Ziel in der ersten Septemberwoche verfehlt, wäre der gute EM-Eindruck rasch vergessen und würden Teamchef-Diskussionen wieder aufflammen.

Zumal einige Landespräsidenten – zumindest vor der EM – ohnehin ähnlich kritischer Meinung über Foda wie Kristan waren.

Einen allgemeine Akzeptanz auslösenden Foda-Nachfolger zu finden, ist zur Zeit unrealistisch. Ob Adi Hütter (Gladbach), Oliver Glasner (Frankfurt), Ralph Hasenhüttl (Southampton) oder Ferencvaros-Coach Peter Stöger – alle haben top honorierte Verträge im Ausland. Und die Ex-Teamchefs mit Córdoba-Vergangenheit wiederum sind nicht nur altersbedingt kein Thema mehr.

Pepi Hickersberger, 73, spielt nur noch Golf in Marbella, während Herbert Prohaska, 66, und Jesolo-Langzeiturlauber Hans Krankl, 68, ihre Analysten- bzw. Entertainer-Rolle schon seit Jahren ungleich lieber ist und sie nie mehr mit Trainern tauschen würden.

Evergrey Krankl ist des Kabarettisten liebstes Medium, pardon die für ihn dankbarste Figur. Oder wie Johann K. alias Alex K. sagen würde: „Alles andere ist primär.“

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