© REUTERS/HAMAD I MOHAMMED

Sport Motorsport
12/14/2021

Team Verstappen oder Team Hamilton? Der Sieger ist die Formel 1

Das WM-Finale spaltet die Anhänger von Weltmeister Max Verstappen und Lewis Hamilton. Die Entscheidung polarisiert auch außerhalb der Renngemeinde.

von Philipp Albrechtsberger

Der letzte Satz an diesem langen Formel-1-Sonntag in Abu Dhabi muss die Geschlagenen von Mercedes noch einmal besonders hart getroffen haben. Er kam aus dem Mund von Christian Horner, dem neuen Weltmeister-Teamchef von Red Bull: „Es war Niki Lauda, der sich immer für den Leitsatz stark gemacht hat – lasst die Piloten fahren.“

Ausgerechnet Niki Lauda, die verstorbene Rennfahrerinstanz und der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende des Mercedes-Teams, wurde vom Erzfeind zitiert, nachdem die Silberpfeile mit juristischer Hilfe versucht hatten, die Weltmeisterschaft am grünen Tisch und damit abseits vom grauen Asphalt noch einmal umzudrehen.

Die finale Entscheidung

Ein verbaler Konter blieb aus. In der Wüste herrschte Eiszeit nach der vielleicht denkwürdigsten WM-Entscheidung in der langen Geschichte der Formel 1. Max Verstappen war zu seinem Premieren-Titel gerast und hatte dabei im Duell mit Lewis Hamilton in der letzten Runde die Entscheidung herbeigeführt. Das Glück des Tüchtigen saß ebenfalls mit im Cockpit, und auch die Entscheidungen der Rennleitung spielten dem 24-jährigen Niederländer im finalen WM-Poker in die Karten.

Eine letzte Wende?

Genau dagegen legte Mercedes Protest ein. Erfolglos. Vorerst. Ein weiteres Nachspiel ist nicht ausgeschlossen. Das deutsche Werksteam unter der Führung des Österreichers Toto Wolff hat bis Donnerstag Zeit, in Berufung zu gehen.

Damit scheint der finale Akt in diesem Drama noch nicht geschrieben. Auch deshalb hat dieses Duell der Ausnahmekönner und der Generationen nicht nur Benzinbrüder rund um den Globus in den Bann gezogen. Die alte Formel 1, in der Affären und Kontroversen nicht gerade selten sind, war wieder etwas mehr als nur „deppert im Kreis fahren“ (wieder: Zitat Niki Lauda). Verstappen oder Hamilton? Red Bull oder Mercedes? Gerecht oder unfair? Jeder scheint dazu eine Meinung zu haben, wer diese letzten Minuten und Kurven im Rennjahr live sah, und wer hörte, wie verzweifelt der siebenfache Weltmeister Hamilton am Funk klagte und wie ratlos sein sonst so souverän wirkender Ingenieur antwortete.

Ein finaler Höhepunkt

Dabei sind die Positionen längst bezogen. Während die Niederländer die Sternstunde von Verstappen unter die Top 4 der größten sportlichen Leistungen des Landes (EM-Sieg der Fußballer, Wimbledon-Triumph, Tour-de-France-Gesamtsieg) reihten, ortete man auf der britischen Insel falsches Spiel: „Der größte Höhepunkt wurde erwartet. So gab die Formel 1 der Welt, was sie wollte. Aber indem sie das tat, schien der Sport das Konzept von Fairness, Gerechtigkeit und Chancengleichheit umzukehren“, kommentierte die Daily Mail.

Den Höhepunkt wollten sich weltweit Millionen nicht entgehen lassen, in Großbritannien war der WM-Showdown sogar ins Free-TV gehoben worden. Der ORF meldete mit 1,1 Millionen Sehern die beste Grand-Prix-Quote seit dem Jahr 2000. Damit ist nicht nur Verstappen der große Gewinner dieses Rennjahres, sondern auch die Formel 1 selbst.

Die Frage ist allerdings, wie lange man dieses intensive Duell, diese filmreife Feindschaft ausschlachten wird können. Denn eines hat dieser Grand Prix von Abu Dhabi dann auch wieder gezeigt: In diesem verrückten WM-Drehbuch stammten ein paar – entscheidende – Seiten aus einem viel zu kompliziert gewordenen Regelwerk.

Wembley-Tor,  1966 (Fußball)
Tor oder kein Tor im WM-Finale für England gegen Deutschland (4:2)?

Karl Schranz, 1972 (Olympia)
Der Skistar  wird vom IOC  wegen Werbeverstößen ausgeschlossen 

Diego Maradona, 1986 (Fußball)
Im WM-Viertelfinale traf der Argentinier mit der „Hand Gottes“

Hermann Maier, 1997 (Ski)
Der Star schnallt die Skier zu früh ab – Disqualifikation statt RTL-Sieg

Novak Djokovic, 2020 (Tennis)
Der Serbe schießt bei den US Open  eine Linienrichterin ab – Disqualifikation

Simon Ammann, 2010 (Skisprung)
Doppel-Olympiasieg dank neuartiger Bindung. Alle Proteste scheitern

Annemarie Moser-Pröll, 1977 (Ski)
Disqualifikation, weil der Rennanzug nicht durchlässig genug ist

Christian Mayrleb, 2000 (Fußball)
Skandaltor nach Fairplay-Outeinwurf. Stronach setzt Neuaustragung durch

Stefan Kießling, 2013 (Phantomtor)
Der Deutsche köpfelt daneben, der Ball fliegt durch ein Loch hinten ins Tor

Gunnar Prokop, 2009, Handball
Der Trainer rammt eine Spielerin  vom Gegner und verhindert ein Tor

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