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Interview
12/10/2021

Gerhard Berger zum Formel-1-Finale: "Den Gegner destabilisieren"

Der Tiroler hält einen weiteren Crash von Hamilton und Verstappen für nicht ausgeschlossen. Was ihn an dem Duell fasziniert und welchen Stellenwert der Titel für Freund Dietrich Mateschitz hätte.

von Philipp Albrechtsberger

Gerhard Berger war in der Formel 1 Pilot, Teamchef, Rennstallbesitzer, und er ist bis heute Österreichs letzter Grand-Prix-Sieger. Dem WM-Finale in Abu Dhabi am Sonntag (14 Uhr) blickt der 62-jährige Tiroler, der aktuell im Rennsport das Deutsche Tourenwagen Masters leitet, gespannt und voller Vorfreude entgegen.

KURIER: Herr Berger, die wichtigste Frage gleich zu Beginn: Wer wird Formel-1- Weltmeister, Max Verstappen oder Lewis Hamilton?

Gerhard Berger: Zur Freude der Fans und der Formel 1 ist die Meisterschaft offen. Fakt ist: Es gehen zwei Top-Fahrer punktegleich ins Finale. Die bisherigen Rennen sind extrem eng gewesen, im letzten Rennen hat die Führung alle zehn Runden gewechselt. Darüber hinaus spielen bei einem Sieg viele Faktoren eine Rolle, die nicht ausgeschlossen werden können – sei es ein Crash, technisches Versagen oder die Kommunikation im Team. Daher wäre es unseriös, sich auf einen der beiden festzulegen.

Die aktuelle Form spricht für Hamilton. Wie viel macht das Momentum im Motorsport aus? Was spricht für Verstappen?

Bis vor Kurzem hätte ich noch gesagt, dass Max die besseren Nerven hat. Aber bei den letzten Rennen hat man gesehen, dass beide Fahrer Nerven aus Stahl haben und mit dem enormen Druck sehr gut umgehen können.

Hätten Sie im Sommer mit so einer dramatischen Wendung noch gerechnet, haben Sie noch an ein Comeback von Hamilton geglaubt?

Ja, ich habe Hamilton und Mercedes nie abgeschrieben. Sie sind nicht nur mit allen nötigen Ressourcen ausgestattet, sondern auch sehr clevere Köpfe. Mir war immer klar, dass es ein Kampf bis zum Schluss wird.

Der WM-Titelkampf wurde zuletzt immer intensiver, kontrovers diskutiert wurden einige Manöver, vor allem von Verstappen. Hat er es übertrieben?

Nein. Beide Fahrer sind außergewöhnliche Talente und Sportler mit Ehrgeiz und Ellenbogen. Sowohl Verstappen als auch Hamilton haben die Regeln strapaziert. Eine Meisterschaft in der Formel 1 gewinnt man nur, wenn man ans Limit geht. Das gilt für das Team ebenso wie für die Fahrer.

Bei Red Bull heizen auch zusätzlich Helmut Marko, Christian Horner und Verstappen-Vater Jos die Stimmung an. Sie waren selbst Teamchef und Rennfahrer – wie förderlich oder hinderlich ist das in so einem intensiven Duell für den Piloten selbst?

Egal ob Red Bull oder Mercedes – in diesem Duell ziehen ausschließlich Top-Leute die Fäden: technisch, fahrerisch, mental oder im Management. Alle Beteiligten ziehen alle Register, um den Gegner zu destabilisieren. Das macht die Meisterschaft auch hinter den Kulissen so interessant.

Sie kennen Dietrich Mateschitz gut. Sollte Verstappen den Titel holen, welchen Stellenwert hätte der in der Teamhistorie, verglichen auch mit dem Premierentitel 2010 von Sebastian Vettel?

Didi Mateschitz ist ein Sportsmann, für den jeder Titel ein erreichtes Ziel ist, das ihm Freude bereitet. Ich bin überzeugt, dass dieser Titel aber nicht nur für Red Bull, sondern auch für Mercedes einen besonderen Stellenwert haben wird. Denn die Seriengewinne in den vergangenen Jahren waren relativ einfach zu holen.

Das Medieninteresse an dem Duell ist enorm. Wird dieser Showdown die Formel 1 nachhaltig befeuern?

Ja, der spannende Meisterschaftskampf in dieser schwierigen Pandemiezeit hat echte Begeisterung entfacht und die Formel 1 bei den Motorsportfans wieder ins Zentrum des Interesses gerückt. Ich gehe davon aus, dass dieses Duell sogar ein Startschuss für eine noch größere Reichweite der Formel 1 sein kann. Ich denke dabei zum Beispiel an den US-amerikanischen Markt. Und auch wir, die DTM, können und wollen dadurch profitieren.

Inwiefern?

Ein Meisterschaftskampf in der Qualität und Härte zieht nicht nur die Fans mit, sondern färbt positiv auf den gesamten Motorsport ab.

Wie optimistisch blicken Sie der neuen DTM-Saison entgegen?

Wir hatten dieses Jahr eine starke Saison, in der die Meisterschaft  – wie in der Formel 1  – erst im letzten Rennen entschieden wurde. Genau das wollen die Fans auch sehen. Wenn ich mir die aktuellen Einschreibungen in der DTM ansehe, sind wir auf einem guten Weg in eine spannende Saison, mit starken Teams und einer großen Herstellervielfalt in der Startaufstellung.

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