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Halbzeit auf der Überholspur: Die Formel-1-Bilanz zur Sommerpause

Die Fabriken schließen, Mitarbeiter und Piloten werden in den Urlaub geschickt. Während so viele Fans wie noch nie an die Rennstrecken strömten, kritisieren die Fahrer die Rennserie scharf.
Das Formel-1-Feld wird in Ungarn von zwei McLaren in die erste Kurve geführt

Die Formel 1 geht in die Sommerpause. Es ist Urlaub. Die Teams und ihre Antriebshersteller müssen ihre Fabriken für mindestens 14 Tage zusperren, das ist in den Regeln der Rennserie vorgeschrieben. Eine Halbzeitbilanz.

Der Aufsteiger

Dass Kimi Antonelli Talent hat, war klar. Dennoch glaubte man vor Saisonbeginn bei Mercedes eher an einen Weltmeister George Russell. Doch der Teenager aus Italien stellt seinen Teamkollegen in den Schatten. Sechs von elf Rennen hat der 19-Jährige gewonnen. Die Folge ist die klare Führung in der Weltmeisterschaft. Sollte Antonelli tatsächlich zum Titel rasen, wäre er der mit Abstand jüngste Weltmeister der Geschichte. Noch hält diese Bestmarke Sebastian Vettel, der 2010 23 Jahre und 134 Tage alt war.

Hungarian Grand Prix

Erschöpft, aber vorne: WM-Leader Kimi Antonelli.

Der Pechvogel

„So eine Saison habe ich in meiner gesamten Karriere noch nie erlebt“, stöhnte George Russell nach dem Rennen in Ungarn. „Ich bin gar nicht mehr enttäuscht. Denn wenn mich das alles enttäuschen würde, wäre ich jeden einzelnen Tag der Woche enttäuscht.“ Mehrmals in dieser Saison wurde der 28-jährige Brite durch technische Defekte zurückgeworfen. In Budapest passierte das Malheur schon beim Erlöschen der Startampel. Teamchef Toto Wolff sprach seinen Fahrer danach von jeder Schuld frei und sah das Problem ausschließlich bei der Technik.

Der Publikumsmagnet

Die Fans fahren auf die Formel 1 ab wie nie zuvor. Nahezu an jedem Rennwochenende werden neue Besucherrekorde verkündet. Der Einstieg des US-Medienkonzerns Liberty Media hat die schwächelnde Formel 1 wieder auf die Überholspur gebracht. Dank einer Social-Media-Offensive stieg der Umsatz innerhalb weniger Jahre von 2 Milliarden Dollar (2019) auf 3,9 Milliarden im Vorjahr. Vor allem bei jungen, weiblichen Fans steigt das Interesse enorm. Die neue Begeisterung rund um die Formel 1 schlägt sich auch bei den Europarennen in den Zuschauerzahlen (über das gesamte Wochenende gerechnet) nieder: Die Rennen in Silverstone (564.000), Spa (400.000), Spielberg (320.000) und Budapest (310.000) waren ausverkauft.

Der Flucher

Immer dann, wenn sein Red-Bull-Bolide nicht richtig vom Fleck kommt, kommt Max Verstappen ordentlich auf Touren. Die Funksprüche des Niederländers sind legendär: „Lasst uns das Auto in Rente schicken!“, fluchte er etwa beim Grand Prix in China. „Was für ein Witz! Was für ein Witz! Was für ein Scheiß-Wochenende!“, entfuhr es dem Niederländer in Budapest. In der WM liegt der 28-Jährige als Sechster bereits 110 Punkte hinter Antonelli zurück.

Der Aufreger

Mit der Saison 2026 erlebte die Formel 1 einen Neustart. Der Batterie-Anteil an den Antrieben bekam eine enorme Bedeutung. Die Rennen sind für die Fans attraktiv, es gibt viele Überholmanöver. Doch bei den 22 Fahrern kommt das Reglement gar nicht gut an. Nicht das Fahrkönnen der Piloten sei bei Rad-an-Rad-Duellen ausschlaggebend, sondern der Ladezustand der Hybrid-Systeme. Die aktuellen Motoren-Regeln sollen noch bis 2030 gelten. Danach ist eine Rückkehr zu V8-Motoren mit kleineren Hybridsystemen wahrscheinlich.

Die Regelhüter

Den strengen Blicken der Rennkommissare entgeht nichts, die FIA fährt eine Null-Toleranz-Politik und bestraft jeden, der auch nur minimal gegen die Verkehrsregeln verstößt. Lewis Hamilton wurde in Budapest in der Boxengasse statt der erlaubten 80 km/h mit 80,1 geblitzt – 5 Sekunden Strafe. Es war für den siebenfachen Weltmeister nicht die erste selbst verschuldete Bestrafung in diesem Jahr. Ohne diese Eigenfehler wäre der Rückstand auf WM-Leader Kimi Antonelli (50 Punkte) heute deutlich geringer.

Die Montagsautos

Als Montagsautos werden jene Fahrzeuge umgangssprachlich gerne bezeichnet, bei denen immer etwas kaputt wird. Genau in solchen Autos sitzen die leidgeprüften Piloten von Aston Martin und Cadillac. Fernando Alonso und Lance Stroll kommen mit ihren Aston-Martin-Boliden nur sehr langsam in Fahrt und verzeichneten gemeinsam elf Ausfälle. Valtteri Bottas und Sergio Perez brachten die Rennautos von Formel-1-Neuling Cadillac zehn Mal nicht ins Ziel.

Die Neuen

Die Neueinsteiger von Audi liefern eine anständige Premierensaison ab. In Ungarn konnte man zum dritten Mal in Serie in die Punkteränge fahren. Erstmals war es auch Nico Hülkenberg, der anschreiben konnte.

Der Bröckel-Asphalt

Glamour, Glanz, Gloria – dafür steht seit jeher Monte Carlo, das alljährliche Hochamt der Formel 1, bei dem es gefühlt seit Jahren kein richtiges Überholmanöver mehr gab. Dafür durften heuer bei der Prozession der Rennautos ungewöhnliche Unfälle bestaunt werden. Und schuld war der bröckelnde Asphalt in der berühmten Rascasse-Kurve. Die Löcher in der Rennstrecke wurden ausgerechnet Lokalmatador Charles Leclerc zum Verhängnis, der mit seinem Ferrari in die Leitplanken rutschte. „Ich werde dafür nicht die Schuld übernehmen“, ärgerte sich der Monegasse.

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