© VIA REUTERS/SPUTNIK

Sport

Von FIFA bis FIS: Sportfreund Putin ist zum Zuschauen verdammt

Die russische Invasion in der Ukraine zog historische Konsequenzen im Weltsport nach sich. Der KURIER fasst zusammen.

von Karoline Krause-Sandner

05/11/2022, 03:00 AM

27-mal war Russland Eishockey-Weltmeister. In dem riesigen Land gibt es Abertausende Eishockey-Fans, der berĂŒhmteste ist Wladimir Putin. Der PrĂ€sident ist nicht nur gerne bei wichtigen Spielen live dabei, er geht auch selbst aufs Eis. Dass Russland bei Olympia in Peking das Finale gegen Finnland verloren hat, tat richtig weh.

Dass nun der Rekordweltmeister bei der am Freitag beginnenden WM in Finnland nicht dabei sein darf, ist nur ein Teil einer Reihe von im Weltsport einzigartigen Entscheidungen. Etliche internationale VerbĂ€nde haben russische Teams, russische Athletinnen, russische Ausrichter und russische Sponsoren aus den Wettbewerben ausgeschlossen – und damit nicht nur von einem großen Geld-Topf. Die AusschlĂŒsse setzen Russlands PrĂ€sidenten Wladimir Putin unter Druck.

"Russland hat den Ehrgeiz der Sowjetunion geerbt, eine große Sportmacht sein zu wollen", sagt Jutta Braun vom Zentrum fĂŒr Zeithistorische Forschung im Potsdam. Insofern habe das durchaus eine Wirkung. "Aber bei aller Bedeutung des Sports", sagt Braun, "treffen die massiven Wirtschaftssanktionen sicherlich hĂ€rter".

Dennoch: Sportfreund Putin werde so zunehmend isoliert. Auf den Sport als "Vehikel der nationalen Selbstdarstellung" könne er sich nun nicht mehr verlassen, meinte dazu kĂŒrzlich der deutsche Sportwissenschaftler JĂŒrgen Mittag.

Der KURIER gibt einen Überblick, um das Ausmaß greifbar zu machen:

IOC (Internationales Olympisches Komitee)

Wenige Tage nach dem Einmarsch der russischen Armee in der Ukraine am 24. Februar empfahl das IOC unter internationalem Druck eine ungewöhnlich harte Haltung: Russische und belarussische Sportler und FunktionĂ€re sollen von internationalen WettkĂ€mpfen ausgeschlossen werden. Wo dies nicht möglich ist, sollen Athleten als neutrale Sportler antreten. FĂŒr Jutta Braun eine "beispiellose" Vorgabe und eine "sporthistorische ZĂ€sur", weil nun kaum noch jemand behaupten könne, Sport sei unpolitisch.

Fußball

Ungewöhnlich scharf und ĂŒberraschend schnell reagierte auch der internationale Fußball. FIFA und UEFA haben russische Mannschaften aus allen Bewerben ausgeschlossen. Im selben Zug verlegte der europĂ€ische Fußballverband das fĂŒr 28. Mai in St. Petersburg geplante Champions-League-Finale nach Paris. Wie etliche (aber nicht alle) europĂ€ische Klubs beendete die UEFA SponsorenvertrĂ€ge mit russischen Partnern. Russische Fußballspieler dĂŒrfen weiter bei ihren Vereinen spielen.

Skisport

Die FIS hat zunĂ€chst alle ĂŒbrigen Weltcup-Veranstaltungen in Russland abgesagt und dann in allen Sparten russische Teams und Athleten aus den internationalen Bewerben ausgeschlossen. Auch etwa im Biathlon-Weltcup wurden russische und belarussische Sportler vom IBU ausgeschlossen.

Tennis

Weltverband ITF, Spielervereinigungen ATP und WTA sowie die vier Grand-Slam-Turniere haben sich darauf geeinigt, russische und belarussische Spieler unter neutraler Flagge weiter antreten zu lassen. Nur Wimbledon scherte aus, lĂ€sst keine russischen und belarussischen Spieler starten. Das sorgte fĂŒr Diskussionen. „NatĂŒrlich fĂŒhlen wir uns nach diesem Alleingang hintergangen“, sagt der Steirer Herwig Straka, seit Jahren in der Spitze der ATP tĂ€tig.

Eishockey

Der Weltverband IIHF hat die russischen und belarussischen Teams zunĂ€chst fĂŒr alle Bewerbe gesperrt. Da die A-WM in Finnland ohne Russland stattfindet, konnte Österreich nachrĂŒcken. Die fĂŒr heuer geplante U20-WM in Russland wird verlegt. Die in St. Petersburg geplante WM 2023 ebenso: Es soll eine Abstimmung zwischen Lettland/Finnland und Ungarn/Slowenien geben.

Motorsport

Die Formel 1 wird bis auf Weiteres nicht mehr in Russland fahren. ZunĂ€chst wurde der Grand Prix von Sotschi aus dem diesjĂ€hrigen Programm gestrichen, daraufhin der Vertrag mit dem Veranstalter zur GĂ€nze gekĂŒndigt. Fahrer aus Russland sind in der Königsklasse theoretisch erlaubt (ohne Flagge), der einzige russische Pilot (Nikita Masepin) wurde aber dennoch von seinem Rennstall (Haas) entlassen.

Handball

Teams, Offizielle, Schiedsrichter und sogar Experten aus Russland und Belarus sind von allen Veranstaltungen und AktivitÀten der IHF und EHF ausgeschlossen.

Leichtathletik

Der Weltverband (World Athletics) hat bis auf Weiteres Athleten, Betreuer und Offizielle aus Russland und Belarus von allen Veranstaltungen der Weltserie ausgeschlossen.

Schwimmen

Der Weltverband FINA hat den zweifachen Olympiasieger Jewgeni Rylow fĂŒr neun Monate gesperrt. Der Russe hatte sich fĂŒr die Invasion der Armee in der Ukraine ausgesprochen. Einen pauschalen Ausschluss von russischen oder belarussischen Sportlerinnen hatte es im Schwimmsport lange nicht gegeben. Nach wochenlangem Zögern hat der Weltverband Ende MĂ€rz alle russischen und belarussischen Schwimmer und Schwimmerinnen gesperrt. Im Juli findet die WM in Ungarn statt, mittlerweile sind dafĂŒr keine Teams aus den beiden LĂ€ndern zugelassen. 

Jederzeit und ĂŒberall top-informiert

UneingeschrÀnkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare

Von FIFA bis FIS: Sportfreund Putin ist zum Zuschauen verdammt | kurier.atMotor.atKurier.atKurier.atFreizeit.atFilm.atImmmopartnersuchepartnersucheSpieleCreated by Icons Producer from the Noun Project profilkat