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Sport | Fußball
06/04/2019

Zlatko Dedic: „Für Österreich ist der Druck schon riesig“

Der ehemalige slowenische Teamstürmer spricht über das Duell zwischen Österreich und Slowenien.

Die WM 2010 in Südafrika war der letzte Auftritt einer slowenischen Fußball-Nationalmannschaft bei einer Endrunde. Zlatko Dedic (34) stand damals in allen drei Vorrundenspielen auf dem Platz. Der KURIER bat den Angreifer von Absteiger Innsbruck vor dem EM-Qualifikations-Duell zwischen Österreich und Slowenien am Freitag (20.45 Uhr, Klagenfurt) zum Interview.

Kann, oder muss es für Slowenien sogar der Anspruch sein, an der EM 2020 teilzunehmen?

Slowenien gehört jetzt sicher nicht zu den großen Nationen, für die eine Teilnahme ein absolutes Muss ist. Ich zähle da aber auch Österreich nicht zwingend dazu. Natürlich ist der Anspruch da, in der Qualifikation zumindest um diese Plätze mitzuspielen.

Überhaupt in einer Gruppe wie dieser: In Österreich war nach der Auslosung sogar von einem Glückslos die Rede.

Gibt es wirklich noch eine Gruppe, die leicht ist? Ich sage: Nein. Man kann nicht einfach nach Israel fahren und glauben, dass man dort drei Punkte holt. Praktisch jedes Team ist heute in der Lage, hinten stabil zu stehen. Und alle Mannschaft beherrschen den schnellen Gegenstoß. Siege sind keine Selbstverständlichkeit. Wer in dieser Gruppe die größte Kontinuität zeigt, wird am Ende auch zur Europameisterschaft fahren.

Österreich und Slowenien beweisen in gewisser Weise ja Kontinuität: Die Österreicher sind mit zwei Niederlagen, die Slowenen mit zwei Unentschieden in die EM-Qualifikation gestartet.

Ich finde für Slowenien war dieser Start trotzdem sehr okay. Da ist nichts verloren. Aber für die österreichische Nationalmannschaft ist der Druck jetzt natürlich schon riesig. Größer als für Slowenien. Österreich muss in Klagenfurt eigentlich gewinnen.

Was zeichnet die aktuelle slowenische Mannschaft aus?

Slowenien hat zwei, drei herausragende Individualisten: Jan Oblak gehört zu den besten Tormännern der Welt, Josip Ilicic schießt seit Jahren in der Serie A Tore, fast alle Spieler sind im Ausland unter Vertrag. Was fehlt ist vielleicht das Kollektiv, Slowenien war immer dann stark, wenn es Teamspirit gab. Aber Österreich steht vom Kader her schon viel besser da.

Welchen Stellenwert hat denn überhaupt in Slowenien der Fußball? Das Land ist ja auch bekannt für seine Basketballer und Handballer.

Ich muss ja eigentlich sagen, dass der Fußball in Slowenien die Nummer eins ist. Aber es ist schon so, dass die Leute bei vielen Sportarten mitfiebern und dass die letzten internationalen Erfolge in anderen Disziplinen gefeiert worden sind. Luka Dončić und Goran Dragić spielen in der NBA, Anže Kopitar hat die NHL gewonnen – ich finde es toll, dass so ein kleines Land wie Slowenien so viele tolle Sportler hervorbringt.

Woran liegt das?

Das liegt schon auch an dieser Balkan-Mentalität. Die Kinder lernen extrem viele Ballsportarten und der Sport hat überhaupt einen großen Stellenwert. Jedes Kind verfolgt das Ziel, einmal ein Sportler zu werden, weil es weiß, dass es dann ein besseres Leben führen kann.