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17.11.2018

Woran Österreich in der Nations League gescheitert ist

Zu wenige Punkte, zu wenige Tore und zu wenig Offensivgeist – warum es im neuen Bewerb für das ÖFB-Team nicht klappte.

Irgendwie war es ein bisschen eine Erlösung. Um halb elf Uhr in der Nacht kroch die Kälte im Wiener Prater immer tiefer in die Knochen. Wie die Temperatur war auch die Leistung der Österreicher. Es war nicht bitterkalt, aber so richtig zum Warmwerden war die Leistungssteigerung nach der Pause auch nicht. Nach dem so hoffnungsfrohen Beginn der Ära Foda verabschiedete sich das Team vom heimischen Publikum doch etwas ernüchtert.

Was fehlt den Österreichern vor dem Jahresausklang am Sonntag in Belfast gegen Nordirland (18 Uhr MEZ/live ORF eins)?

- Ein Sieg Im letzten Spiel der Nations League geht es zwar sportlich um nichts mehr: Österreich kann nicht mehr Erster werden, aber auch nicht mehr Letzter; den Aufstieg in Gruppe A der besten zwölf europäischen Mannschaften hat Bosnien geschafft; die Nordiren müssen in Gruppe C. Eine gute Leistung, am besten ein Sieg, wäre aber gut fürs Selbstvertrauen. Denn nächstes Jahr geht es um die Qualifikation für die EM 2020.

- Ein Punkt. Die Töpfe für die Auslosung der Qualifikation werden aufgrund der Leistungen in der Nations League eingeteilt. Die besten Zehn der Gruppe A sind in Topf 1. Die schlechtesten Zwei und die besten Acht der Gruppe B sind in Topf zwei. Österreich müsste schlechter sein als zwei der vier Gruppenletzten. Das ist unwahrscheinlich. Mit einem Remis in Belfast ist Topf 2 sicher.

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1/14

Heinz Lindner

Der Torhüter war keineswegs unterbeschäftigt, rettete gegen Visca mit einem tollen Reflex und gegen Duljevic mit einer sensationellen Parade. Der Grasshopper war diesmal ein fehlerloser Rückhalt und strahlte auch Sicherheit aus. Note: 1

Stefan Lainer

Bearbeitete wie gewohnt intensiv seine Seite, harmonierte mit Lazaro, Durchkommen gab es für ihn aber selten. In Hälfte zwei konnte der Salzburger mehr aufzeigen, aber doch nur ein bisschen. Note: 3

Aleksandar Dragovic

Der Innenverteidiger erinnerte an seine frühere Form, arbeitete mit Geschick und viel Einsatz gegen Dzeko. Der eine oder andere leichte Stockfehler blieb diesmal ohne direkte Strafe. Note: 3

Martin Hinteregger

War die Ruhe selbst, bei den Tacklings, bei den Kopfbällen, wie auch mit dem Ball am Fuß. War auch oft vorne zu finden, bei seinem Kopfball nach Alaba-Flanke hatten die Bosnier viel Glück, dass sie nicht in Rückstand geraten sind. Note: 2

David Alaba

Der Bayern-Legionär feierte eine Premiere im Team als linker Verteidiger in einer Viererkette. Das hatte er nur in seinen ersten Länderspielen als Fuchs-Ersatz gespielt. Er schaltete sich sehr oft in die Offensive ein mit guten Pässen, seinen Standards fehlte es aber an Genauigkeit. Note: 3

Julian Baumgartlinger

Der Kapitän war wieder an Bord mit all seinem Einsatz und seiner Laufbereitschaft. Er hätte per Kopf beinahe für Österreichs Führung gesorgt. Note: 3

Peter Zulj

Holte sich viele Bälle von weiter hinten, konnte seine Technik weniger ausspielen, je weiter es nach vorne ging. Teilweise fehlerhaft. Note: 4

Valentino Lazaro

Ein Leistungsträger vor der Pause. Der Berlin-Legionär war einer, der nach vorne Akzente setzte, der sich aber auch nicht zu schade war, um nach hinten zu arbeiten. Hatte im zweiten Durchgang nicht so viele Aktionen. Note: 3

Florian Kainz

Der Bremen-Legionär agierte im Offensivzentrum hinter Arnautovic, konnte auf engem Raum seine technische Fähigkeiten aber kaum ins Treffen führen und fand nicht ins Spiel – Ende zur Pause. Note: 4

Alessandro Schöpf

Der Schalke-Spieler fiel auf der linken Seite im Vergleich zu Lazaro stark ab. Nach vorne gelang dem Tiroler kaum etwas und nach hinten wackelte seine Seite immer wieder. Note: 4

Marko Arnautovic

Die Solospitze wie erwartet hoch motiviert, agierte ganz vorne aber zu seinem Ärgernis oft allein auf weiter Flur. Hatte nach einem schnellen Einwurf Österreichs einzige Chance in Hälfte eins und mit einem (per Hand abgewehrten) Seitfallzieher nach der Pause Pech. Note: 3

Xaver Schlager

Kam nach der Pause für den schwachen Kainz und setzte mit Dynamik, viel Einsatz und Willen einige Akzente. Der Salzburger trieb seine Kollegen zu einer sehenswerteren zweiten Halbzeit an. Note: 2

Michael Gregoritsch

Kam für Schöpf und löste Arnautovic nach 67 Minuten als Solospitze ab. Note: 3

Marc Janko

Kam im Finish, aber zu keiner Chance. Zu kurz im Einsatz

- 1,5 Millionen Euro So viel geht dem ÖFB ab. Zwar schüttete die UEFA diese Summe als Startgeld aus, aber auch als Prämie für den Gruppensieg. Diese 1,5 Millionen Euro gehen jetzt an den bosnischen Verband und nicht an den österreichischen.

- Tore Die ersten fünf Spiele unter Foda wurden gewonnen, zwölf Tore wurden erzielt. In den letzten vier Spielen gab es nur einen Sieg und ein Remis, ein kümmerliches Törchen steht in diesen 360 Minuten auf der Habenseite. „Das, was uns im Frühjahr und Sommer ausgezeichnet hat, fehlte uns jetzt ein bisschen“, meinte Alessandro Schöpf nach dem Spiel. „Wir spielen zwar nach vorne, aber es fehlt die Kreativität und die Schlagkraft, um wirklich gefährlich zu werden.“

- Spielerische Lösungen Jetzt versteht man Ex-Teamchef Marcel Koller vielleicht noch besser, dass er an Marc Janko trotz fehlender Spielpraxis festgehalten hatte. Janko sorgte in der EM-Quali für wichtige Tore, die jetzt niemand schießt. Beim Vergleich mit Bosnien macht Dzeko den Unterschied. Österreich hat Probleme, gegen kompakt verteidigende Gegner – also gegen jeden auf einem gewissen Niveau – spielerische Lösungen zu finden, wie Foda zugab: „In der letzten Zone müssen wir besser werden.“ Vor allem konkreter und flexibler.

- Leader Österreichs Team hat viele sogenannte g’standene Spieler, aber derzeit niemanden, der bei schlechtem Spielverlauf dem Ganzen eine Wende verpasst und die Nebenleute aufrüttelt. Kapitän Baumgartlinger kehrte erst wieder ins Team zurück, Alaba konnte nur in Ansätzen über die Flanke seine ganze Klasse ausspielen, Arnautovic hing lange Zeit als Solospitze selbst dermaßen in der Luft, dass er nicht entscheidend ins Spiel der Österreicher eingreifen konnte. „Es hat sich so angefühlt, dass ich alleine vorne war. Ich hatte trotzdem meine Chancen. Aber ich bin auch kein Superman“, sagte er.

- Der Weg Er sei ein guter, auf dem man sich derzeit befinde, glaubt Foda. Der Teamchef hat in seinem ersten Jahr neue Spieler eingebaut, das System auch flexibler gestaltet als Vorgänger Marcel Koller. Die klare Handschrift ist bei den Auftritten aber noch nicht zu sehen.

Marko Arnautovic mit einer knallharten Bilanz nach dem Bosnien-Spiel