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Wie Haaland Ancelottis Plan zerstörte: Die Rückkehr der echten Neun

Das Aus von Brasilien gegen Norwegen durch einen Doppelpack von Erling Haaland zeigt, wie sich der Fußball seit dem Aus der „falschen Neun“ verändert hat.
Erling Haaland für Norwegen

Carlo Ancelotti ist der Großmeister des erfolgreichen Pragmatismus. Wenn der Gegner auf die Defensive setzt – wie es halt oft so ist als Trainer von 1a-Adressen wie Real Madrid oder Brasiliens Nationalteam – dann lässt der Italiener seine Offensivstars von der Leine.

Wenn der Routinier einen Ausnahmespieler in den Kader bekommt – wie etwa Jude Bellingham bei Real – passt er das Spielsystem an, damit der Superstar den größtmöglichen Input aufs eigene Spiel hat. Im Fall Bellingham war es das Opfern des dritten Stürmers von Real für eine klare Zehnerposition für den Neuen.

Verzicht auf den Ball

Was denkt sich Carlo Ancelotti gegen Norwegen?

KURIER-Kolumnist Jan Age Fjörtoft sieht beim Team seiner Heimat eine Schwäche: Die langsame Verteidigung. So dürfte es auch der Starcoach analysiert haben.

Brasilien setzte im Achtelfinale auf Konter und überließ (komplett ungewohnt als Seleção) den Ball als Favorit dem Gegner, um im fünften Duell endlich erstmals gegen Norwegen zu gewinnen. In einem einfachen 4-4-2 sollte der Ball erobert und dann der Tempovorteil im Gegenstoß genutzt werden.

Nach dem 1:2 sieht das nach einer unnötigen Blamage der Trainer-Legende aus. Noch nie, seit 1966 Ballbesitz-Statistiken starteten, hatte Brasilien bei der WM so selten die Kugel (34 %). Und das für ein Aus gegen Norweger?

FIFA World Cup 2026 - Round of 16 - Brazil v Norway

Auf den zweiten Blick wirkt Ancelottis Zugang verständlicher: Sowohl der (schließlich) vergebene Elfer als auch die Top-Chance von Joker Endrick bei 0:0 passierten im Konter. Brasilien hatte genug Chancen, um aufzusteigen. Laut Expected-goals-Statistik (wahrscheinlich erwartbare Tore) 3,0 zu 0,9.

Haaland ist besser als jede Statistik 

Aber, und das ist ein großes Aber: Norwegen hat Erling Haaland. Der Superstar hatte lange keinen Abschluss, und auch die beiden Tore waren – statistisch gesehen – keine Großchancen. Aber aufgrund der Extra-Qualität des 25-Jährigen waren es entscheidende Treffer. Der Mittelstürmer hält bei 62 Toren in 54 Teamspielen.

FOI-SOC-SPO-WCS-BRAZIL-V-NORWAY:-ROUND-OF-16-FIFA-WORLD-CUP-20

Kapitän Ödegaard überließ ihm symbolträchtig die Trommel beim bereits kultigen Gemeinschaftsrudern mit den Fans nach dem historischen Erfolg.

Warum sich Carlo Ancelotti über seine Taktik dennoch ärgern soll und wird?

Er hätte es ahnen können.

Kurze Episode der „falschen Neun“ 

Erinnert sich noch jemand an das Aussterben des klassischen Mittelstürmers? Entwickelt von Pep Guardiola und bis zum Exzess im spanischen Nationalteam betrieben mit Mittelfeldspieler Fabregas als „falsche Neun“ hatten Goalgetter jahrelang kein Leiberl.

Zu berechenbar, zu limitiert, aus der Zeit gefallen.

Ob es nun wieder Guardiolas Idee war oder ob der Katalane „nur“ rechtzeitig erkannt hat, wie sich der Kick ändert? Fakt ist, er forderte die Scheichs von ManCity auf, alles zu unternehmen, damit Erling Haaland nicht bei Real Madrid, sondern in Manchester landet. Der Promoter der falschen Neun wollte unbedingt die echte Neun.

Und er bekam sie.

Goalgetter treffen in Serie 

Seither schießen die Trefferquoten der Goalgetter nach oben.

Jude Bellingham jubelt im Aztekenstadion mit Harry Kane

Jude Bellingham und Harry Kane

Harry Kane knackte bei Bayern einen Rekord nach dem anderen, ehe der 32-Jährige auch seine Engländer in der WM hält. Kylian Mbappe – lange Zeit ein Flügel – spielt mittlerweile einen echten Neuner und trifft wie noch nie für Frankreich.

Seit einigen Jahren zeigt sich in der Champions League, dass Mannschaften, die offensiv spielen und ihre starken Mittelstürmer in Szene setzen, auch den größten Erfolg haben. Genauso läuft bislang auch die WM ab.

Und Brasilien? Hatte – wie 2014 beim Heimturnier, als der überforderte Fred am Ende sogar von den Fans verhöhnt wurde – keinen Mittelstürmer von Weltformat.

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