Am Ball: Verteidiger Filip Stojkovic entwickelte sich bei Rapid zum Schlüsselspieler

© APA/HANS PUNZ

Porträt
05/09/2021

Filip Stojkovic ist der Rapid-Kapitän ohne Schleife

Der Verteidiger aus Belgrad wurde zum Schlüsselspieler und in der Kabine zum Anführer. Beim Interview überrascht der Rapidler.

von Alexander Huber

Wer ist eigentlich dieser Filip Stojkovic, der seit Monaten fehlerlose Leistungen in der Rapid-Defensive abliefert und mit seinen 28 Jahren so abgezockt wirkt, als wäre er mit allen sauberen und auch nicht so klaren Fußball-Wassern gewaschen? Bislang ließ der im August 2019 nach Hütteldorf gekommene Mann aus Belgrad seine Performance für sich sprechen. Das ist auch am Sonntag beim Heimspiel gegen den WAC (17 Uhr) zu erwarten.

Nicht zu erwarten war, dass Stojkovic der Anfrage nach einem persönlichen Treffen zustimmt und darauf verzichtet, das Gespräch auf Englisch zu führen. Nicht einmal die Rapid-Mitarbeiter wussten, dass der frühere Kapitän von Roter Stern Belgrad schon so gut Deutsch gelernt hat – der Kurs mit Kitagawas Dolmetscher, der sich auch um die „Balkan-Partie“ kümmert, wirkt. „Zur Sicherheit habe ich aber Dejan als Not-Dolmetscher mitgenommen“, sagt Stojkovic und grinst.

"Filou" mit Grinser

Also sitzt beim KURIER-Interview der scheidende Rapid-Kapitän Ljubicic neben dem Mann, der die Legionäre im Mannschaftsrat vertritt und in der Kabine als Anführer gilt. Stojkovic (er benötigt die Hilfe von Ljubicic kaum) trägt einen Pullover mit der Aufschrift „Filou“ – was für ein passendes Bild.

Sportdirektor Zoran Barisic sagt: „Es war schon zu meiner Zeit so, dass nicht jeder Kapitän eine Schleife trägt. Das ist auch jetzt so.“ Der rekonvaleszente Christopher Dibon ist etwa der Non-Playing-Captain bei Rapid.

Stojkovic sagt: „So wie bei Roter Stern wäre ich auch bei einem großen Verein wie Rapid mit Stolz Kapitän. Aber das Wichtigste ist mir in jeder Minute, dass ich der Mannschaft helfe.“ Ausgerechnet das klappte nicht, als der rechte Verteidiger („in einer Viererkette spiele ich am liebsten“) erstmals die Rapid-Schleife trug: „Das war beim 0:3 gegen Tirol – ein Wahnsinn! In der Pause kriege ich die Schleife, zwei Minuten später Rot, weil ich mich vom Gegner losgerissen habe.“

Streit mit Barac

Dabei wird „das echte Schlitzohr“ (© Z. Barisic) sonst nur böse, wenn nicht alle alles für den Erfolg tun. Deswegen gab es einen heftigen Streit mit Mateo Barac: Der lebenslustige Kroate hatte im ersten Lockdown nicht gar so hart trainiert, verletzte sich prompt und fiel für die gesamte Meistergruppe aus.

Mittlerweile sind die beiden beste Freunde. „Mateo Barac ist wie meine zweite Ehefrau und zugleich mein ältestes Kind“, sagt Stojkovic. Der eigene, jüngere Sohn ist erst zehn Monate alt.

„Meine Frau ist diese Woche mit dem Kind wieder nach Belgrad gereist. Deswegen ist Mateo bei mir eingezogen.“ Die Wohnung liegt im sechsten Bezirk, „nur 300 Meter von Steffen Hofmann entfernt“, wie Stojkovic betont. „Wien erinnert mich an Belgrad. Nur das Plaudern im Kaffeehaus geht mir ab, das gehört für mich zu einem schönen Leben.“

Ein – ebenso durch Corona eingeschränkter – Treffpunkt ist der Friseur. „,Haare kürzer, Bart länger‘, sagt mein Jugo-Friseur Bani“, erzählt Stojkovic, blickt zu Ljubicic und sagt: „Dejan, jetzt als Papa wird dein Bartwuchs endlich einsetzen. Und die Haare werden grau. Jung-Väter wissen, wovon ich rede.“

Ass im Vertragspoker

Mit Untermieter Barac werde „täglich über Rapid gesprochen“. Barisic hofft, dass die Überzeugungskraft von Stojkovic reicht, den Freund noch von einer Vertragsverlängerung trotz Gehaltskürzung zu überzeugen: „Ich weiß nicht, ob Stojki das kann, aber ich wünsch’ es mir.“

Fußball, SK Rapid Wien - Salzburg

Zur kontinuierlichen Steigerung von Stojkovic, dessen Vertrag noch bis Sommer 2022 läuft, meint Barisic: „Er hatte am Anfang körperlichen Rückstand. Mittlerweile ist er topfit und ganz wichtig für die Mannschaft geworden.“ Stojkovic meint: „Offensiv sollte ich noch mehr Aktionen schaffen, aber ich halte mich auch zurück, weil Max Ullmann links so offensiv spielt.“ Zu sieben Saison-Assists reichte es dennoch. „Nur das Tor fehlt noch, normal schieße ich pro Jahr eines.“

Aus im Nationalteam

Nur bei einem Thema verfliegt das Lächeln – nach einem Streit war 2019 für den Serben, der auch einen montenegrinischen Pass besitzt, nach 15 Teamspielen Schluss. „Ich glaube nicht, dass noch welche dazukommen. Schade.“

Bleibt noch eine Frage: Warum war ein Führungsspieler von Roter Stern, der gegen Salzburg den Einzug in die Champions League geschafft hat, für Rapid zu haben?

Seit 2014 im Visier

Barisic erzählt: „Als Grödig im Europacup 2014 gegen Cukaricki gespielt hat, haben mich Michl Baur und Max Scharrer auf Stojkovic aufmerksam gemacht. Seither verfolge ich seinen Weg. Als ich gehört habe, dass er nach einem Streit bei Roter Stern zu haben wäre, bin ich schon im Flieger gesessen.“

Stojkovic erinnert sich: „Wir wurden souverän Meister, aber es gab im Verein einen Mann, dessen Namen ich nicht nenne, mit dem es Probleme gab.“ Vier Angebote lagen vor: „Herr Barisic ist persönlich angereist, und was er mir erzählt hat, war für mich begeisternd: Ich sollte als Führungsspieler zu einer Mannschaft im Neuaufbau kommen.“

Schließlich kam der Müldür-Nachfolger sogar ablösefrei. Barisic: „Ich darf über die Verhandlungen nicht alles erzählen, aber ich kann bestätigen, dass Rapid keinen Euro bezahlt hat.“

Jetzt schaltet sich auch Ljubicic ins Gespräch ein: „Das war eine großartige Entscheidung. Wir sind alle froh, dass wir Stojki haben.“

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