Bundesliga-Boss Ebenbauer glaubt nicht mehr an Mattersburg

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Sport Fußball
08/01/2020

Rettung von Mattersburg? "Ich kann es mir kaum vorstellen"

Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer glaubt an einen Zwangsabstieg. Beinahe hätte die Liga über drei Millionen verloren.

von Alexander Huber

Die komplizierteste Saison der Bundesliga-Geschichte geht für Vorstand Christian Ebenbauer in die Verlängerung: Bis Donnerstag hat Mattersburg Zeit, um die Erfüllung der Lizenzkriterien nachzuweisen. Nur so kann der Zwangsabstieg noch verhindert werden. Ebenbauer ist vom KURIER auf eine mögliche Rettung angesprochen allerdings äußerst skeptisch: „Ich kann es mir kaum vorstellen. Es ist noch nicht einmal bekannt, welche und wie viele Malversationen es von der Commerzialbank in Zusammenhang mit dem Verein gegeben hat. Wie soll es da in so kurzer Zeit gelingen, alle Sicherheiten für eine ganze Saison zu gewährleisten?“

Schadenersatz-Drohung

Noch kämpft das kleine Nachfolge-Team von Langzeitpräsident Martin Pucher gegen die vielen Probleme an. Eines davon: Mattersburg könnte von (mehreren) Absteigern auf Schadenersatz geklagt werden.

Da in Wattens weiterhin parallel für zwei Ligen geplant werden muss, hofft Ebenbauer darauf, dass von Mattersburg nicht alle Instanzen (bis Ende August) wahrgenommen werden: „Es gibt eine Eigenverantwortung, die hat damals etwa Grödig mit dem Lizenzverzicht wahrgenommen.“

Der tiefe Fall von Martin Pucher und seiner Commerzialbank hätte beinahe auch die Bundesliga mitgerissen.

Konto-Wechsel

Durch einen Liegenschaftsverkauf war Kapital aufgebaut worden. Das ORF-Magazin „Eco“ berichtete, dass die Ersparnisse von mehr als drei Millionen Euro bis 2019 bei der Mattersburger Bank angelegt waren.

Zur Erinnerung: Pucher war von 2005 bis 2009 Präsident der Bundesliga und bot traditionell hohe Sparzinsen an.

Laut ORF hat Sturm-Präsident Christian Jauk als Aufsichtsrat der Bundesliga rechtzeitig gewarnt. Jauk ist der Vorstandsvorsitzende der Capital Bank, die zur Bankengruppe der Grazer Wechselseitigen gehört. Damit führt der Steirer auch die Bank Burgenland, wo es Verwunderung gab, wie die lokale Commerzialbank so hohe Zinsen auszahlen könnte.

Im KURIER-Gespräch betont Jauk, „dass ich nicht als Retter dastehen will. Ich sitze ja genau deswegen in verschiedenen Gremien, um dort als Finanzexperte Einschätzungen abgeben zu können. In diesem Fall war auch ein Bauchgefühl dabei.“

Erstmals wurde in der Finanzkommission des ÖFB mit Jauk über verschiedene Veranlagungen gesprochen, der Experte empfahl die Sicherheit „systemrelevanter Banken“. Auch LASK-Präsident Gruber äußerte in der Liga seine Skepsis bezüglich der Commerzialbank.

Abschied der "alten Zeit"

„Anfang 2019 wurde dann entschieden, unser Festgeldpolster zur Raiffeisenlandesbank NÖ/Wien zu verschieben“, erzählt Ebenbauer.

Im Fall Commerzialbank/Mattersburg fühlt sich Jauk noch einmal an die alte Fußball-Zeit erinnert: „Jetzt wird professioneller und transparenter gearbeitet.“