Nach dem Derby-Eklat: Wie Rapid die Fanpolitik neu aufsetzt
Die Rapid-Fans sorgten beim Derby für einen Eklat
Am Abend des 15. Februar 2026 ist klar, dass es so nicht weitergehen kann. 17 Monate lang wurde zwischen Rapid, Austria, Bundesliga, Behörden und Fanvertretern um neue Lösungen gerungen.
Allen Beteiligten war bewusst, dass bei der Rückkehr der Auswärtsfans zum Wiener Derby harte Strafen drohen: Rapid war noch „auf Bewährung“.
Dennoch kam es beim 0:2 in Favoriten ab Minute 89 zur Eskalation. Rapid-Fans warfen Pyrotechnik auf den Rasen, und – was noch viel gefährlicher ist – Richtung angrenzenden Familiensektor.
Letzte Sperre im Hit gegen Sturm
Tags darauf hat Rapid entschieden, künftig gegen die Austria auf Auswärtsfans zu verzichten.
Zusätzlich wurden die Sanktionen der Liga schlagend, auch beim Hit am Ostersonntag gegen Sturm um Platz eins ist der „Block West“ noch einmal gesperrt.
Der Gesamtschaden für Rapid beträgt eine knappe Million Euro.
Dazu kommt eine Sponsoren-Zitterpartie.
Laut KURIER-Informationen stand ein größerer Sponsorvertrag vor dem Derby-Eklat knapp vor dem Abschluss. Der Vertrag, der in Hütteldorf einiges verändert hätte, wurde noch immer nicht unterschrieben.
Ausgang ungewiss.
Alle Entscheider sind einig
Fix ist hingegen, dass sich einiges ändern wird. Alle Entscheidungsträger – von Geschäftsführer Steffen Hofmann, der für Fanangelegenheiten zuständig ist, bis zum gesamten Präsidium – sind einig, dass ein umfangreiches Maßnahmenpaket nötig ist.
Offizielle Stellungnahmen dazu wird es erst ab der sukzessiven Umsetzung geben.
Jugend ohne Grenzen
Dass es in jedem Jahrzehnt Ausschreitungen bei Rapid gab, ist Fakt. Aber warum hat sich die Lage relativ rasch nach der Corona-Pause zugespitzt?
Das liegt zu einem guten Teil am Generationenwechsel. Immer wieder kommen „junge Wilde“ nach, die sich weder vom Verein noch von etablierten Fanvertretern etwas sagen lassen wollen. Das war beim Platzsturm 2011 so, mit der später aufgelösten Gruppe „Vatos Locos“, und ist seit zwei, drei Jahren wieder so.
Dazu kommt der Trend, auf Social Media Hooligan-Videos zu teilen. Teenager, fast ausschließlich Burschen, möchten zur „erlebnisorientierten Szene“ und stoßen dabei auf bestimmte Fanklubs.
Immer wieder zu hören ist in diesem Zusammenhang von den kooperierenden Gruppen „Lords“ und „Lions“.
Der Bruch zur großen Mehrheit des Anhangs ist spürbar. Nach dem Derby-Eklat, beim Heimspiel gegen den WAC (2:0), wurden per Transparent – unter den Pfiffen des restlichen Stadions – die „Derbykrieger geehrt“.
Das Daten-Problem
Wie geht es weiter?
Seit Wochen laufen intensive Gespräche, um geplante Änderungen im Frühjahr und Sommer bestmöglich umsetzen zu können. Dazu gehört der Austausch mit den Behörden, der rechtlich nicht immer einfach ist.
So hat sich Rapid beim gerade laufenden Derby-Prozess (wegen Ausschreitungen im Herbst 2024) als geschädigter Verein an der Anklage beteiligt. Dem Wunsch, deswegen alle Personalien vorab übermittelt zu bekommen, um unbegrenzte Hausverbote aussprechen zu können, durfte aus Datenschutzgründen nicht nachgekommen werden.
Was soll sich künftig ändern? Sehr viel.
Konkret geplant sind laut KURIER-Recherchen:
Personalisierte Tickets
Für den Zugang in das gesamte Stadion soll die Identität nachgewiesen werden. Das ist in Österreich bisher ungewöhnlich, international durchaus üblich. Es wird dadurch längere Schlangen vor den Eingängen geben.
Passend dazu hat Rapid ab Sommer einen neuen Ticketing-Partner, mit dem derzeit Details geklärt werden.
Neue Drehkreuze
So wie es in diversen Städten unterschiedlich schwer ist, das U-Bahn-Drehkreuz zu überwinden oder zu schummeln, soll es in Hütteldorf nahezu unmöglich werden, höhere Drehkreuze unerlaubt zu passieren.
Infrastruktur-Offensive
Das Allianz Stadion ist im Bundesliga-Vergleich topmodern, dennoch gibt es weitere Investitionen. Etwa, um Zuschauerströme besser und früher analysieren zu können.
Blick auf befreundete Fanklubs
Bislang war es möglich, für befreundete Fanklubs aus dem Ausland ein Kartenkontingent zu bestellen. Die Gäste sind weiterhin willkommen, müssen aber künftig vorab personalisiert angemeldet werden.
Immer wieder waren bei Ausschreitungen ausländische Fans mittendrin statt nur dabei – wohl auch, weil ihnen Stadionverbote in Österreich relativ egal sind.
Auswärts-Kontrollen
Während in Hütteldorf die Derby-Probleme auffallen, gibt es auswärts öfters (etwa 2025 in Hartberg) Randale.
Geprüft wird, wie es möglich wäre, auch auswärts genau zu wissen, wer im Sektor ist. Ohne die Ordner vor den (im Vergleich zu Wien oft wenigen) Zugängen zu überfordern.
Härtere Kante des Klubs
Alle KURIER-Gesprächspartner betonen, dass die von Ehrenpräsident Rudolf Edlinger zur Jahrtausendwende ausgegebene Leitlinie bestehen bleibt: „Immer im Kontakt mit der Fanszene bleiben, nie aufhören, miteinander zu reden.“
Doch der Verein ist nicht mehr bereit, das Brechen von Abmachungen oder das bewusste Überschreiten roter Linien zu schlucken.
Größte Expertise im Präsidium
Dazu kommt im Präsidium eine noch nie da gewesene Expertise zum Innenleben der aktiven Fanszene: Gleich drei Präsidiumsmitglieder kommen aus dem „Block West“.
Die frühere SPÖ-Nationalrätin Nurten Yilmaz stand ebenso wie der Bauunternehmer Stefan Singer und der Finanzexperte Christian Podoschek über Jahrzehnte im Fanblock.
So eine Konstellation hat es an der Spitze des Vereins noch nie gegeben – und nach dem Motto „jetzt oder nie“ haben alle Entscheidungsträger gemeinsam beschlossen, die weitreichenden Änderungen heuer durchzuziehen.
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