Derby-Prozess: Kulovits als Zeuge nach Platzsturm befragt

Ex-Rapid-Trainer sagte zu Ausschreitungen im Allianz Stadion im September 2024 aus.
Angeklage halten sich Aktenordner vors Gesicht.

Mit der Zeugenbefragung des ehemaligen Rapid-Trainers Stefan Kulovits, der seinen Angaben zufolge bis zum 31. Mai noch bei Rapid gemeldet, aber dienstfreigestellt ist, ist am Mittwoch am Landesgericht der Prozess um den Platzsturm beim Wiener Derby vom 22. September 2024 fortgesetzt worden. Kulovits war von der Verteidigerin eines angeklagten Rapid-Anhängers beantragt worden, weil dieser ihren Mandanten entlasten könne.

Dem 38-Jährigen wird von der Anklage schwere gemeinschaftliche Gewalt vorgeworfen, wie die APA berichtet. Er sei "an vorderster Front" am Spielfeld gestanden und habe die Anhänger des gegnerischen FK Austria Wien "mit zum Kampf auffordernden Gesten provoziert", heißt es im Strafantrag. Der Mann bestreitet das. Er behauptet, er habe deeskalierend einwirken wollen, was sich auch daran zeige, dass er nicht vermummt aufgetreten sei, so die APA. Weil auf einem Video zu sehen ist, wie Kulovits in unmittelbarer Nähe des 38-Jährigen am Rasen steht, wurde der Trainer zu seinen Wahrnehmungen befragt.

Spieler und Betreuer wollten deeskalierend wirken

Kulovits - damals Co-Trainer im Stab von Robert Klauß - gab an, an den 38-Jährigen keine Erinnerung zu haben. Er sehe den Mann zum ersten Mal im Verhandlungssaal. Neben dem Betreuer-Team und einigen Spielern hätten sich aber "einige andere" am Spielfeld befunden, "die versucht haben, deeskalierend wie wir zu wirken. Die haben probiert, Leute zurückzuhalten, weil wir auf Bewährung waren". Ihm sei klar gewesen, dass infolge der Vorkommnisse "Sektorsperren und ausgesperrte Fans" zu befürchten waren: "Das wollten wir vermeiden, weil Fans eine Riesenunterstützung sind."

Es sei im Übrigen nicht sein erster Platzsturm gewesen, den er während eines so genannten großen Wiener Derbys bei Rapid erlebte, erklärte Kulovits. In seiner Zeit als Rapid-Spieler seien aufgebrachte Fans während eines Matchs aufs Spielfeld gestürmt, nachdem man gegen die Austria ein 0:2 kassiert hatte: "Die Exekutive hat damals schnell eingegriffen." Im September 2024 sei das nicht der Fall gewesen: "Als eine Feuerwerksrakete direkt neben uns losgegangen ist, haben wir uns vom Spielfeld verabschiedet." Man habe sich sicherheitshalber zurückgezogen.

"Kriegsähnlicher Zustand"

Staatsanwältin Kristina Kamauf hatte im Zusammenhang mit dem Platzsturm ursprünglich gegen 22 Männer Anklage erhoben. Beim Prozessauftakt am 12. März sprach sie von einem "quasi kriegsähnlichen Zustand". Eine Polizeibeamtin erlitt Verbrennungen, ein männlicher Kollege einen vorübergehenden Hörverlust sowie einen Tinnitus am linken Ohr. Bei einem weiteren Polizisten kam es zu Absplitterungen an den Zähnen, als dessen Zahnspange aus dem Mund gerissen wurde. Ein Fan landete mit einem Bruch des linken Kieferhöhlenbodens, einem Bruch der linken Augenhöhle, einem Bruch des linken Jochbeins und einer Nasenbeinfraktur im Spital.

Kamauf legte den Angeklagten unter anderem schwere gemeinschaftliche Gewalt (§ 274 StGB), aber auch Widerstand gegen die Staatsgewalt und Sachbeschädigung zur Last. Der Großteil der Angeklagten wurde seit dem Verfahrensauftakt bereits rechtskräftig erledigt: 13 bisher Unbescholtene kamen mit einer Diversion davon. Sie mussten je 150 Euro an Verfahrenskosten und jeweils 50 Euro an symbolischer Schadensgutmachung an den SK Rapid sowie an einen verletzten Polizisten zahlen, die sich als Privatbeteiligte dem Verfahren angeschlossen hatten. Zudem wurden für sie umfassende zweijährige Stadionverbote verhängt. Vier Angeklagte fassten bedingte Freiheitsstrafen zwischen drei und 14 Monaten aus, ein 30-Jähriger 18 Monate teilbedingt.

Verhandelt wird noch gegen vier Angeklagte

Verhandelt wird nur mehr gegen vier Angeklagte, darunter den nicht geständigen 38-Jährigen. Sein Verfahren wurde auf den 10. April vertagt, da auch noch Ex-Rapid-Trainer Robert Klauß als Zeuge vernommen werden soll. Gegen die drei anderen geht es am 8. April weiter.

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