Warum Rapid-Trainer Hoff Thorup nach den Erfolgen das Negative betont

Johannes Hoff Thorup macht es wie einst Peter Pacult: Im Erfolgsfall weist der Rapid-Trainer auf nötige Verbesserungen hin. Seine Liste ist lang.
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Peter Pacult hielt es über Jahre so, seine Rapidler nach bitteren Niederlagen öffentlich wenig bis gar nicht zu kritisieren. Dafür kam es beim Floridsdorfer immer wieder vor, nach starken Leistungen böse Miene zum guten Spiel zu machen und verbal auffallend hart auszuteilen.

Bei der täglichen Trainingsarbeit ließ sich Pacult wenig bis gar nicht von den Ergebnissen beeinflussen.

Spannung immer hochhalten 

Der Hintergrund war, dass es dem bislang letzten Meistertrainer von Rapid besonders wichtig war, nie die Spannung abfallen zu lassen. Die Spieler sollten immer auf Zug gehalten bleiben – nur ja nicht selbstgefällig werden.

Bei Johannes Hoff Thorup klingt das – zwar nicht auf Wienerisch, sondern auf Englisch – inhaltlich sehr ähnlich.

Johannes Hoff Thorup

Johannes Hoff Thorup

Wichtiges „Mindset“

Kurz lobte der Rapid-Trainer nach den in Hälfte eins begeisternden Kombinationen beim 4:2 gegen den LASK sein Team „für 20 bis 30 Minuten, in denen der beste Fußball dieser Saison geboten wurde“.

Besonders gefallen hat dem Dänen das „Mindset“ nach dem 0:1 nach nur 31 Sekunden: Das nicht mehr so leicht zu erschütternde Vertrauen in die antrainierten Stärken und den exakten Spielplan hat die schnelle Wende ermöglicht.

SOCCER - BL, Rapid vs LASK

Der 37-Jährige hätte sich dann in die bisher entspanntesten zwei Wochen bei Rapid verabschieden können, mit einer ungewohnt ruhigen Vorbereitung auf den Hit am Ostersonntag gegen Sturm.

Doch Hoff Thorup ist es wichtig, gerade während des Erfolgslaufs auf die vielen Bereiche hinzuweisen, mit denen er (noch) nicht zufrieden ist.

  • Schwache Fitness

„Wir sind physisch noch lange nicht auf dem Level, das ich will“, moniert Hoff Thorup, der schrittweise die Intensität im Training hochfährt. Dabei muss aber besonders auf die Sorgenkinder im Kader aufgepasst werden, deren Muskeln empfindlicher sind.

So spürte Jakob Schöller nach 50 Minuten die Oberschenkelrückseite. Zum U21-Nationalteam ist der Innenverteidiger trotzdem gereist. Hoff Thorup: „Jakob war brillant. Wenn er fit ist, spielt er. Aber bei ihm muss man besonders achtgeben.“

  • Zahnloses Pressing

„Unser hohes Pressing ist nicht gut genug. Ich will die Gegner mehr unter Druck setzen“, sagt der Chefcoach. Zumindest diese Schwäche erscheint logisch: Unter Ex-Coach Stöger spielte Angriffspressing kaum eine Rolle, und Hoff Thorup hat bisher die meiste Trainingszeit in den eigenen Spielaufbau und die (nun gefährlicheren) Standardsituationen investiert.

  • Fehlende Balance

„Die Balance zwischen geduldigen Kombinationen und schnellen Angriffen passt nicht. Wenn wir direkt nach vorne spielen, verlieren wir zu oft den Ball“, bemängelt Hoff Thorup. Die Länderspielpause soll genutzt werden, um an diesen Details zu arbeiten.

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  • Antistes Ego

„Niemand darf sich übers Team stellen!“, sagt Hoff Thorup, der betont, dass der Teamgeist das Entscheidende wäre – wichtiger als die jetzt sichtbare Philosophie des Kombinationsfußballs.

Janis Antiste musste deswegen nach dem 4:2 im Stadion warten, bis der Trainer alle Termine erledigt hatte: „Wir haben ein Meeting unter vier Augen.“

Dass Antiste vor dem Elfmeter zum 3:1 Bolla den Ball wegnehmen wollte, obwohl er selbst im Unterschied zum Ungarn nicht auf der Liste der Schützen stand, ist für Hoff Thorup ein grobes Foul am sich entwickelnden Teamgeist. Dementsprechend deutlich werden die Worte gegenüber dem vom Coach an sich sehr geschätzten Stürmer ausgefallen sein.

  • Zu wenig Professionalität

Rund um die Derby-Pleite – der bisher letzten Niederlage – erwähnte Hoff Thorup in KURIER-Gesprächen „Defizite in der Professionalität rund um das Team“.

Der sehr fordernde Skandinavier legte sich deswegen auch mit Teilen des Staffs und Vereinsmitarbeitern an. Mittlerweile ist klarer, wohin die Reise mit Hoff Thorup im Kampf um Top-Platzierungen gehen soll: „Wenn wir nur ein Prozent im Training nachlassen, werden wir keine Chance haben.“

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Rapid-Trainer Hoff Thorup

Vier freie Tage

Jannes Horn hält unter dem neuen Coach bei 13 Punkten in 5 Einsätzen, wird gegen Sturm aber gesperrt fehlen. Der Routinier betont, dass die Mannschaft mitzieht: „Der Trainer verlangt viel. Aber alles, was er will und auch anbietet, hat Hand und Fuß.

Und so wie einst unter Pacult kann es mit Hoff Thorup auch freudige Überraschungen für die Spieler geben.

Laut KURIER-Informationen bekommen die Rapidler nach dem Testspiel in Neusiedl Mittwochabend vier Tage frei.

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