Hoff Thorup gegen Kühbauer: Neue Antworten auf die Kettenfrage

Vor dem Hit Rapid – LASK: Wie, wann und warum die Trainer Johannes Hoff Thorup und Didi Kühbauer vor dem ersten Duell ihre Lieblingsformationen geopfert haben.
Fotomontage Rapid Trainer Hoff Thorup und LASK Trainer Kühbauer

In Sekundenschnelle vermischen sich im modernen Fußball die Formationen. Aber eine Linie sollte halten und dient zugleich als Hinweis auf die Spielphilosophie des Trainers: Wie viele Verteidiger sollen die letzte Linie in einer Kette absichern? Drei, vier oder fünf?

Am Sonntag kommt es beim Schlager Rapid – LASK zum Duell zweier Trainer, die auf die Kettenfrage mittlerweile pragmatischer antworten als früher.

Johannes Hoff Thorup macht kein Geheimnis aus seiner Lieblingsformation. Vier Verteidiger, mit offensiven Außenverteidigern, davor drei Zentrumsspieler sowie drei Angreifer, wobei nicht jeder davon ein echter Stürmer sein muss.

TRAININGSSTART SK RAPID WIEN: HOFF THORUP

System-Fehlstart für 45 Minuten 

Dieses klassische 4-3-3 hat es mit Rapid nur 45 Minuten lang gegeben – beim 0:3 im Cup in Ried. Mit dem umfunktionierten Offensivspieler Weixelbraun als Linksverteidiger. Die Hütteldorfer waren nach nur drei Wochen Vorbereitung nicht bereit für das offensive, nach Ballverlusten besonders anfällige System.

Danach probierte es der Däne mit einer Mischung: links mit Ahoussou eher defensiv, rechts mit Bolla offensiv. Seit der Rückkehr des anfangs verletzten Horn ist es defensiv stabiler: Es gab in vier Spielen nur noch ein Gegentor (als Horn in Altach nicht mehr am Platz war).

In Salzburg packte Hoff Thorup eine Dreierkette mit Schöller aus, die gegen den Ball zur klassischen Fünferkette wurde. Dass der Chefcoach nicht stur an seinen Ideen hängt, sondern stärker adaptierte, wird ihm laut KURIER-Informationen intern hoch angerechnet.

Wann der 37-Jährige zur bevorzugten Viererkette zurückkehren wird, ist offen. Sollte der Erfolgslauf andauern, vielleicht erst im Sommer.

Stöger wechselte zwei Mal 

Dass der LASK im dritten Duell mit Rapid zum ersten Mal auf eine Dreierkette trifft, ist eine besondere Ironie dieser speziellen Saison.

Rapid hatte im Sommer ein 4-3-3 einstudiert, aber bereits im letzten Test gegen Union Berlin switchte Trainer Peter Stöger auf ein 4-2-3-1.

Auch der damals neue LASK-Coach Sacramento legte mit Viererkette los. Nach neun Spielen musste der frühere Mourinho-Assistent gehen, Kühbauer übernahm auf Platz elf und setzte auf das bis jetzt funktionierende 3-4-1-2.

Sein Debüt? Ein 2:0 in Hütteldorf.

Ein lächelnder Mann mit grauen Haaren und einem weißen Hemd blickt in die Kamera.

Danach stellte Stöger fest: „Wir sind oft genug ausgekontert worden.“ Rapid wechselte ebenfalls auf die (von Assistent Sageder bevorzugte) Dreierkette und spielte bis zur Beurlaubung Stögers ein eher passives 3-4-3.

Änderungen nach und vor dem LASK-Duell 

Ende November übernahm mit Co-Trainer Kulovits ein Befürworter der Viererkette. Mit nur einem Training und neuem System ging es mit einem 0:3 beim LASK los.

Rapid hatte also genau zwischen den Duellen mit dem LASK für sieben Spiele die Dreierkette ausgepackt.

Premiere in St. Pölten

Kühbauer ist als Jungtrainer ebenfalls ein Fan der Viererkette gewesen. So wie es Hoff Thorup mag, setzte er dabei auf offensive Außenverteidiger, bei der Admira und später beim WAC meist im 4-4-2.

Die Wende kam 2018 in St. Pölten gegen den damals starken LASK (0:0). Kühbauer setzte erstmals auf drei Innenverteidiger, blieb dabei und verabschiedete sich mit einer beim SKN nie wieder erreichten Erfolgsserie auf Rang zwei.

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Rapid rief, Kühbauer startete – damals für ihn logisch – mit der Viererkette und blieb dabei, bis zum Corona-Ausbruch.

Ljubicic überzeugt in der Not-Rolle 

Nach dem ersten Lockdown wurde die Saison im Juni 2020 mit dem Hit in Salzburg (0:2) neu aufgenommen. Mit Dibon und Sonnleitner verletzten sich früh gleich zwei Innenverteidiger schwer.

Kühbauer hatte nur noch einen Innenverteidiger, in der Not aber einen genialen Einfall: Nicht nur Rechtsverteidiger Stojkovic rückte in die Mitte, sondern auch der defensive Mittelfeldspieler Dejan Ljubicic erstmals zurück.

Kader steht über System

Der spätere Teamspieler Ljubicic überzeugte als Chef der Not-Dreierkette und Rapid wurde mit dem 3-4-2-1 überraschend Vizemeister.

Seither hat Kühbauer die Dreierkette in seinem Repertoire und packt sie aus, wenn es zum jeweiligen Kader passt. In der ersten LASK-Ära war noch ein offensiv ausgelegtes 4-2-3-1 zu sehen, um das spielstarke Zentrum mit Michorl, Horvath und Zulj zu forcieren.

Jetzt gibt es – so wie davor bei Cupsieger WAC mit Nwaiwu in der Ljubicic-Rolle – ein 3-4-1-2, um zwei der vier starken LASK-Stürmer Kalajdzic, Adeniran, Usor und Entrup gleichzeitig spielen lassen zu können.

Und heute ab 17 Uhr?

Kommt es tatsächlich zum Dreierketten-Duell zweier Trainer, die zu Beginn ihrer Karrieren noch mit Überzeugung „vier gewinnt“ gesagt hätten.

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