ÖFB-Team nicht fit? Rangnick kontert Kritik von Andreas Herzog
Ralf Rangnick
Vor dem Spiel Österreichs gegen Spanien am Donnerstag in Los Angeles entflammte eine Diskussion um die Fitness der österreichischen Spieler bei der WM in den USA. „Ich glaube, dass wir keinen Spieler haben, der sagen kann, ich bin auf 90 oder 100 Prozent. Und das ist schade.“ Mit dieser Aussage ließ Österreichs Ex-Teamspieler und früherer Kapitän Andreas Herzog in seinem gemeinsamen Podcast mit Marc Janko aufhorchen.
„Das muss sich der Teamchef anhören“
Bezeichnend dafür sei der Dreifachtausch von Teamchef Ralf Rangnick beim 3:3 gegen Algerien schon in der Pause gewesen, so Herzog. Dass der sonst so laufstarke Xaver Schlager zur Halbzeit ausgewechselt worden ist, sei laut Herzog ebenso ein Signal gewesen. „Das ist meiner Meinung nach schon ein Zeichen, dass wir nicht die fitteste Mannschaft haben“, so Herzog. Nachsatz: „Das ist Kritik, keine Frage. Das muss sich die Mannschaft und der Teamchef anhören.“
Und der Teamchef hörte auch, als er am Tag vor dem Sechzehntelfinale bei der Abschluss-Pressekonferenz vom KURIER darauf angesprochen wurde. „Ob Spieler fit sind? Ich glaube nicht, dass das in unserem Einflussbereich liegt hier bei der Nationalmannschaft“, sagte Rangnick.
„Wir sind jetzt schon vier Wochen beisammen. Nach meiner Erfahrung kannst du hier bei so einem Turnier eher zu viel, als zu wenig machen im Training. Und eines ist auch klar. Für den Fitnesszustand der Spieler ist erstens jeder Spieler selber und zweitens die Vereine zuständig.“
Rangnick und Alaba bei der Pressekonferenz
Rangnick beschrieb, dass einige Spieler erst aus Verletzungen zurückgekommen seien kurz vor der WM. Es sei klar, dass man „unterschiedliche Ausgangssituationen“ hatte beim ÖFB in Sachen Fitness der Spieler, so der Deutsche, der sogleich auf Kapitän David Alaba verwies, der neben ihm saß.
„David wird mir wahrscheinlich recht geben, wenn ich sage, wie wir zusammengearbeitet haben. David, wir und die Verantwortlichen von Real Madrid. Ich wüsste nicht, wie wir da irgendwas hätten noch besser machen können und das gilt für alle anderen auch.“
Als zweites Beispiel nannte der Teamchef Sasa Kalajdzic, bei dem im Winter niemand geglaubt hätte, dass er so fit zur WM fahren und dann auch noch ein historisches Tor schießen würde.
„Müssen Sie ihn selber fragen“
Andreas Herzog nannte der Teamchef nicht namentlich, als er sagte: „Ich habe das zwar gelesen. Aber was der oder diejenigen damit gemeint haben, müssen Sie ihn selber fragen. Ich glaube, einer derjenigen, die das gesagt haben, ist im Moment ja selber in einer Journalistenrolle.“ Tatsächlich ist Andreas Herzog als Experte für den ORF bei der WM in den USA im Einsatz.
Bei einer weiteren Frage nach dem nicht ganz so funktionierenden Pressing des ÖFB-Teams bei dieser WM sprach Rangnick dann aber auch von selbst das Thema Fitness an. „Die Frage ist berechtigt. (...) Dazu kommt, dass es unterschiedliche Situationen gibt, aus denen die Spieler kommen, sowohl was vorherige Verletzungen angeht. Ich habe nur zwei Beispiele genannt, aber es gibt noch einige mehr. Wir haben einige Spieler, die immer wieder ausgefallen sind und vielleicht noch nicht wieder in diesem Modus drin sind, den es dafür braucht.“
Und dennoch, so Rangnick, habe man seine Ziele bei dieser WM bisher erreicht. „Wir sind trotzdem weitergekommen. Wenn mir jemand vor dem Turnier gesagt hätte, wir kommen mit vier Punkten als Gruppenzweiter weiter, hätte ich mich gar nicht dafür interessiert, wie das zustande gekommen ist. Das hätte ich sofort unterschrieben und ich gehe davon aus, David auch.“ Alaba bejahte.
Dass man jetzt eine Leistungssteigerung brauchen würde, gegen Spanien, sei aber auch klar, so Rangnick. „Das sehe ich zu 100 Prozent genauso. Und darauf wird's auch ankommen.“
Immer mehr gelaufen, als der Gegner
Wie viel die Österreicher bei der WM laufen, lässt sich übrigens nach jeder Partie in den offiziellen FIFA-Daten ablesen. Und siehe da: Österreichs Team ist in allen drei Gruppenspielen mehr gelaufen, als die Gegner.
Gegen Jordanien liefen die Österreicher in Summe 120,7 Kilometer und davon 6,7 Kilometer in der sogenannten wichtigen Zone 4, dem „Low Speed Sprinting“ zwischen 20 und 25 km/h. Gegen Argentinien waren es insgesamt 107,8 Kilometer und damit mehr als 3 Kilometer mehr als der Gegner. Auch in der Zone 4 hatte man gegenüber Messi und Co. mehr Meter zurückgelegt (4,9 vs. 4,5 km).
Am größten war der Unterschied in Sachen Laufdistanz aber im Spiel gegen Algerien. Da liefen die Österreicher 113,3 Kilometer, während der Gegner „nur“ 105,2 Kilometer lief. In Zone 4 waren es 4,6 km bei den Österreichern und 4,3 bei Algerien.
Die große Differenz zwischen den Österreichern und den Nordafrikanern liegt vermutlich daran, dass Algerien bei insgesamt mehr als 60 Prozent Ballbesitz vor allem in Hälfte zwei Gegner und Ball laufen ließen und die Österreicher hinterher traben mussten. Bleibt zu hoffen, dass die Österreicher am Donnerstag gegen Spanien nicht hinterherlaufen werden.
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