Blockbuster in L. A.: So will Österreich Spanien die Fiesta vermasseln
Marcel Sabitzer
Im ersten K.-o.-Spiel bei einer WM seit 72 Jahren fordert Österreich in Los Angeles (21 Uhr, ServusTV/Liveticker auf kurier.at) Europameister Spanien und ist krasser Außenseiter. Na und? Chancen gibt es, mögen sie auch klein sein. Der KURIER macht sie zur Sicherheit ein bisschen größer.
Die Druckverteilung
Vieles wäre beim ÖFB auseinandergefallen, hätte man dieses Sechzehntelfinale durch den selbst verschuldeten Spielverlauf gegen Algerien nicht erreicht. Konjunktiv. Der große Druck, den sich das Team auch selbst auferlegt hat, dürfte nun gegen noch mehr Lust und Spaß eingetauscht worden sein. Wenn man Druck verorten möchte, dann bei den Spaniern. Ein Aus gegen Österreich wäre eine Blamage. Österreich kann nur gewinnen.
Die Handbremse lösen
Es besteht Einigkeit darüber, dass das Team sein Ziel erreicht hat, ohne sein Potenzial abzurufen. Jetzt wäre die Zeit reif, um die eigene Identität in den Vordergrund zu rücken. Leicht möglich, dass Rangnick wieder mehr auf Pressing setzt. Oder, wie es sein Assistent Lars Kornetka im KURIER-Interview am Mittwoch benannte: „Wir müssen versuchen, Spanien zu überrollen.“ Bitte darum.
Die Energie
Sofern es durch kurze Sprints Erfolge im Pressing mit Balleroberung gibt, setzt das auch Energie frei, die zuletzt fehlte, weil man die meiste Zeit im Dauerlauf hinterhergerannt ist. Dadurch folgte physisch wie mental die Ermüdung. Wie es um die körperliche Verfassung von Österreichs Team steht, sagt Florian Grillitsch: „Ich habe nicht den Eindruck, dass wir schlechter drauf sind als in den Monaten zuvor. Jeder wird rennen bis zum Umfallen und wenn er nicht mehr kann, wird er ausgetauscht.“
Das Klima
Trotz 21 Uhr Ortszeit zu Spielbeginn war die drückende Hitze gegen Algerien in Kansas City ein Nachteil für die Österreicher gegenüber einem Gegner, der den Spielort schon kannte. „Vielleicht haben wir die Umstellung ein wenig unterschätzt“, sagte Rangnick. In Los Angeles herrscht das Klima aus dem gewohnten Basecamp in Santa Barbara. Und trotz des Anpfiffs um 12 Uhr Ortszeit wird nicht in der prallen Sonne gekickt.
Das SoFi-Stadium verfügt über ein fest installiertes und lichtdurchlässiges Dach, die Seiten bleiben offen, um die Meeresbrise hereinzulassen.
Der Mut zum Spielen
Österreich will besser pressen, aber auch ruhiger spielen – das wird und muss es auch, weil man sich in den eigenen Ballbesitzphasen erholen will, um dann wieder intensiv ins Pressing gehen zu können. Es gibt Indizien dafür, dass Florian Grillitsch in die Startelf rutschen könnte. Der 30-Jährige genießt im Team enormes Ansehen, weil er viel Qualität hat, um den Ball zu sichern und das Tempo zu bestimmen. Grillitsch ist Österreichs Pendant zum spanischen Strategen Rodri.
Die Gegner-Probleme
Der 1:0-Sieg gegen Uruguay sicherte Spanien Platz eins in Gruppe H – doch der Erfolg hatte seinen Preis. Gleich zwei Offensivkräfte mussten die Partie verletzt beenden und fehlen auch gegen Österreich: Yéremy Pino brach sich das Schlüsselbein, Nico Williams fehlt wohl mit einer Muskelverletzung, die aber noch nicht klar kommuniziert wurde. Damit hat Teamchef Luis De la Fuente nun Probleme an den Flügelpositionen. Und das, nachdem das Team bisher ohnehin nicht so überzeugt hat – wie beim 0:0 gegen Kap Verde.
Der Plan gegen Yamal
Ob der Ausfälle liegen die Hoffnungen der „Furia Roja“ umso mehr auf Lamine Yamal. Der 18-Jährige dribbelt mit seinem linken Fuß gerne mit Tempo von rechts in Richtung Tor. Dort verteidigt bei den Österreichern oft Phillipp Mwene, der sagt: „Oberste Priorität wird sein, ihn nicht auf seinen starken linken Fuß zu lassen, sondern zu versuchen, ihn außen zu halten.“ Irgendwie hat man aber das Gefühl, dass nicht Mwene, sondern Konrad Laimer am besten dafür geeignet ist, den Teenager zur Verzweiflung zu bringen. Der KURIER stellt den Bayern-Star daher als linken Verteidiger auf. Mal sehen, ob Rangnick die Zeitung liest.
Die Gegner-Strapazen
Österreichs Team fährt zwei Stunden mit dem Bus und Polizeieskorte von Santa Barbara nach L. A. Die Spanier waren zuletzt mehr unterwegs, mussten von ihrem Basecamp in Chattanooga, Tennessee, zum letzten Gruppenspiel gegen Uruguay je sechs Stunden hin- und zurückfliegen. Von Chattanooga ging es am Dienstag wiederum sechs Stunden nach Los Angeles – dazu war man jedes Mal in einer anderen Zeitzone unterwegs. Das kostet Energie.
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