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Sport Fußball
08/19/2020

Paris Saint-Germain: Mit 1,2541 Milliarden Euro ins Finale

Seit 2011 investiert Nasser Al-Khelaifi in die Mannschaft. Trainer Thomas Tuchel brachte die Stars zum Scheinen.

von Peter Karlik

In den vergangenen Jahren war es einfach, die Startruppe von Paris Saint-Germain einzuschätzen. „Vorne hui, hinten pfui“, würde der Volksmund analysieren. Die Franzosen brachten 2017 einen 4:0-Vorsprung nach dem ersten Achtelfinalspiel gegen Barcelona nicht über die Bühne. Im Rückspiel gingen sie 1:6 unter und war die Lachnummer der Saison.

2020 ist PSG vorne immer noch hui. Hinten aber nicht mehr pfui. Nur fünf Gegentore haben die Franzosen in zehn Spielen zugelassen. Das ist der Bestwert in dieser Saison in der Königsklasse. Beim 3:0 gegen RB Leipzig errichtete Trainer Thomas Tuchel mit Paredes, Marquinhos und Herrera im Mittelfeld ein Bollwerk, das den Offensivkräften Di María, Neymar und Mbappé Raum zur Entfaltung gab. Und in der Defensive war Thiago Silva das Um und Auf. Der Brasilianer spielte nach einem Zusammenstoß mit Marcel Sabitzer lange Zeit mit einem Taschentuch im Mund, um eine blutige Wunde zu stillen. Und der Abwehrchef stopfte so auch souverän allfällige Löcher, in die Leipzig vordringen wollte. Wenig später blockt er mit dem Kopf auch einen Freistoß von Sabitzer.

Das Ende naht

Silvas Vertrag in Paris wurde aber nur für das Finalturnier der Champions League verlängert. Danach ist er frei und kann gehen. Schon einmal musste sich ein Klub fragen lassen, warum er den Abwehrstrategen nicht weiter verpflichtete. 2012 legte AC Milan keinen Wert mehr auf Thiago Silva. Gemeinsam mit Zlatan Ibrahimovic wechselte dieser zu Paris SG. Milan-Spieler Antonio Cassano sprach damals von einem „Verbrechen. In der nächsten Saison braucht sich Milan keine Ambitionen auf Meisterschaft oder Champions League machen.“ Tatsächlich war der AC Milan seither nicht mehr so erfolgreich wie mit Thiago Silva.

Nach dem 3:0 am Dienstag zwickte dem 35-Jährigen der Oberschenkel. Dass er am Sonntag im Finale wieder fit sein wird, ist wahrscheinlich. Zur Leistung von PSG sagte er nach dem Semifinale begeistert: „Die aktuelle Mannschaft ist die stärkste, seit ich in Paris bin. Auf dem Platz und auch daneben.“

Seit im Jahr 2011 „Qatar Sports Investments“ in der Person von Nasser Al-Khelaifi den Klub übernommen hat, wurden 1,2541 Milliarden Euro in neue Spieler investiert. Alleine 400 Millionen Euro in den Traumsturm Neymar und Mbappé.

So nebenbei stellte Paris am Dienstag einen Rekord von Real Madrid ein. Das 3:0 gegen Leipzig war bereits das 34. Spiel in der Champions League, in dem PSG zumindest ein Tor gelang.

Europa im Blickpunkt

Das Ziel war natürlich niemals nur der Gewinn der französischen Meisterschaft, was auch seit 2011 auch sieben Mal gelang. Nein, es ging um die Champions League. Und da war immer spätestens im Viertelfinale Schluss. Heuer gelang erstmals der Einzug ins Finale. Auf dem Weg dorthin wurden Teams wie Real Madrid (3:0 in der Gruppenphase, Brügge, Galatasaray, Dortmund, Atalanta Bergamo und Leipzig besiegt.

Mentalität eines Außenseiters

Das liegt auch an Trainer Thomas Tuchel, der seit 2018 an der Seine werkt und der es nicht nur geschafft hat, die Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden, sondern einer Startruppe eine besondere Einstellung vermittelte. „Es ist bemerkenswert. Wir haben die Mentalität einer kleinen Mannschaft, sind aber keine. Es fühlt sich an, als würde ich einen Underdog trainieren, der sich komplett über diese Eigenschaft definiert. Uns könnte man vorwerfen, wir würden das über unsere Einzelqualität tun. Aber dem ist nicht so“, erklärt der 46-jährige Deutsche.

Der ehemalige Mainz- und Dortmund-Coach ist  der sechste deutsche Coach in einem Finale der Champions League. Vor 2020 war das nur Ottmar Hitzfeld, Jupp Heynckes, Klaus Toppmöller und Jürgen Klopp gelungen. Am Mittwoch zog Hansi Flick mit den Bayern nach.

Loblied der Presse

Die internationale Presse zollt dem Team von Tuchel Anerkennung: Der englische Guardian schreibt etwa: „Das passiert, wenn die Superstars von Paris Saint-Germain ihr Ego vor der Tür lassen, sich an den Plan von Thomas Tuchel halten und wie eine richtige Mannschaft spielen. Statt eines weiteren Aussetzers überkam Gelassenheit den französischen Meister. Neymar und Kylian Mbappé zogen eine Show ab, und es gab keine Spur von Nervosität, als PSG fast ein Jahrzehnt unterdurchschnittlicher Leistungen hinter sich ließ und das erste Champions-League-Finale überhaupt erreichte.“

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