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Sport Fußball
09/09/2021

Die Krise nach der EM-Euphorie: Ein ÖFB-Drama in vielen Akten

Bei den Österreichern machte sich nach der Niederlage gegen Schottland Ratlosigkeit breit. Warum sich der ÖFB auch selbst lähmt.

von Alexander Strecha

Das September-Triple brachte für Österreichs Nationalteam in der WM-Qualifikation wenig Licht, dafür viel Schotten. Nach der 0:1-Heimpleite vom Dienstagabend herrschte allgemeine Ratlosigkeit. Warum läuft man den EURO-Leistungen dermaßen hinterher? Wieso finden nachweislich gute Kicker gegen defensiv eingestellte Gegner viel zu selten Lösungen?

Zwei Monate nach der EM hat der Fußballalltag das Nationalteam wieder eingeholt. Ein genauerer Blick auf das A-Team und den Verband offenbart Probleme in verschiedenen Bereichen. Es ist aktuell ein Fußballdrama in vielen Akten. Doch der Applaus bleibt aus.

  • Ist Foda der richtige Trainer für diese Mannschaft?

Fodas Art und sein Zugang zum Fußball ist in Österreich seit zwei Jahrzehnten bekannt und sollte niemanden mehr überraschen. Seine Fußballphilosophie ist nicht deckungsgleich mit dem Fußball, den diese Mannschaft in der ultimativen Ausprägung spielen könnte. Bei der EURO fand man einen Kompromiss, der dem Team half, ohne dass der Teamchef komplett seine Linie verlassen musste. Ein Dauerzustand kann solch ein Kompromiss aber wahrlich nicht sein.

  • Ist diese Generation wirklich so golden, wie viele meinen?

Zweifel sind ob der Resultate und der gezeigten Leistungen durchaus angebracht. Die zweifellos vorhandene Qualität wird zu Recht stets erwähnt, dennoch unterlaufen guten und g’standenen Spielern erstaunlich häufig leichte und haarsträubende Fehler. Letztlich ist es auch eine Qualität, die Qualität nachhaltig in Spielen zu zeigen.

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  • Stimmt die Hierarchie in der Mannschaft?

Die Qualität der Spieler ist sicherlich noch höher anzusiedeln als bei jener Mannschaft, die sich für die EM 2016 qualifizierte. Doch damals hatte Marcel Koller eine Einheit geformt, einer klaren Hierarchie den Weg geebnet, sodass der Zusammenhalt wohl ein größerer war als aktuell. Spieler wie Janko, Baumgartlinger, Almer, Fuchs, Junuzovic oder Harnik hatten stets ein Auge auf das Kollektiv, stellten Eigeninteressen in der Qualifikation lange Zeit hintan. Die Freude, zum Nationalteam zu stoßen, war nicht gespielt und damals größer als heute, wie es scheint. Umgekehrt benötigen aktuell weniger Spieler das Nationalteam als Sprungbrett für die eigene Karriere als noch im Kader von 2016.

  • Warum greift der Sportdirektor nicht durch?

Einerseits, weil Peter Schöttel von seiner Art generell nicht der Freund von „Tabula rasa“ ist und ungern unangenehme Entscheidungen trifft, andererseits binden ihm die geänderten Verbandsstrukturen die Hände. War Willi Ruttensteiner als Sportdirektor noch Marcel Kollers Vorgesetzter, so befinden sich Schöttel und Foda auf Augenhöhe. Der Teamchef ist dem Sportdirektor gegenüber nicht weisungsgebunden, kann sich dessen Meinung zwar anhören, seine Handlungen aber nicht danach ausrichten.

  • Was müsste eine Foda-Alternative können?

Der ÖFB muss ein klares Anforderungsprofil erstellen und entscheiden, welchen Stil das Team künftig pflegen soll. Mittlerweile gibt Österreich in der Mehrzahl der Spiele den Ton an, ist mehr als der Gegner im Besitz des Balles. Eine mutige und offensive Ausrichtung stand dem Team von 2016 gut zu Gesicht, was auch für die aktuelle Mannschaft unverändert Gültigkeit besitzt.

FUSSBALL WM-QUALIFIKATION GRUPPE F: ÖSTERREICH - SCHOTTLAND

Da viele Spieler die sogenannte Red-Bull-Schule durchlaufen haben, würde die Anwendung dieses Stil eine gewissen Logik mit sich bringen. Allerdings meinten sogar Spieler wie Hinteregger oder Sabitzer, die in dieser „Schule“ ausgebildet wurden, dass ein vollständiges Umlegen der Philosophie auf das Nationalteam nicht möglich sei.

Ein möglicher neuer Teamchef müsste den Stärken der Spieler mehr Rechnung tragen samt Pressing, offensivem Fußball und besserer Positionierung im Angriffsdrittel. Auf der menschlichen Ebene benötigt es einen guten Zugang zu den Spielern, um bei dem dichten Programm mit viel Empathie auf die Kicker einzugehen, sie für die gemeinsame Sache zu begeistern.

  • Warum bringt die Präsidenten-Wahl ein Vakuum in der Entscheidung mit sich?

Die Wahl fällt erst am 17. Oktober in Klagenfurt auf Gerhard Milletich oder Roland Schmid, die zwei auf der Shortlist stehenden Kandidaten. Allerdings finden die kommenden zwei WM-Qualifikationsspiele vor der Wahl am 9. Oktober auf den Färöern und am 12. Oktober in Kopenhagen gegen den Gruppenersten Dänemark statt. Noch-ÖFB-Präsident Leo Windtner möchte nicht seinem Nachfolger mit einem Schnellschuss einen neuen Teamchef als Antrittsgeschenk überreichen und stellte schon klar, dass sich Franco Foda auch im Oktober in der Coaching Zone aufhalten wird.

Der neue Präsident könnte mit einem Machtwort einen neuen Teamchef erst für die November-Länderspiele in Klagenfurt gegen die Republik Moldau und Israel bestellen. Allerdings sollte dieser Entscheidung eine Selektion, durchgeführt von einem Experten-Gremium und nicht von den neun Landespräsidenten, voraus gehen.

  • Welche Bedeutung haben die vier ausstehenden Spiele 2021?

Da der jeweilige Ausgang der Spiele nichts an der Wahrscheinlichkeit einer WM-Teilnahme ändert, könnten die Partien als Vorbereitung auf die WM-Quali-Play-offs im März 2022 betrachtet werden. An denen nimmt Österreich als Sieger der Nations-League-Gruppe höchstwahrscheinlich teil. Möge man die Freude, den Rhythmus, die Überzeugung, den Spielfluss und vor allem die Lösungen der Probleme wieder finden, um die Ratlosigkeit ins Abseits zu stellen.

Im März könnte sich Österreich in nur zwei Spielen doch noch für die WM in Katar qualifizieren – in einem Alles-oder-Nichts-Szenario.

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