Franco Foda muss aktuell viele Varianten durchdenken

© REUTERS/LEONHARD FOEGER

Sport Fußball
09/08/2020

Teamchef Franco Foda zwischen Kompromissen und Widersprüchen

Foda hat zwar ein Überangebot an zentralen Spielern, auf den Flanken indes wenig Auswahl. Eine KURIER-Analyse.

von Andreas Heidenreich, Alexander Strecha

Österreichs Nationalteam ist aktuell eine Zentrumspartei. Viel Auswahl auf manchen Positionen verursachen bei „Regierungschef“ Franco Foda auch viel Qual. Umgekehrt fehlte bei den zwei vergangenen Nations-League-Spielen innerhalb der Partei der Flügelkampf, sowohl rechts auf der Flanke als auch links, weil Akteure wie Alaba, Lazaro, Laimer, Kainz, Schaub oder auch Schöpf gepasst hatten, nicht fit oder in Form waren oder gar positiv auf Corona getestet wurden.

Gegen Norwegen und Rumänien hat Foda die Spieler in die von ihm bevorzugte Grundformation (4-2-3-1 bzw. 4-3-3 bei Ballbesitz) gezwängt und nicht die Formation an die vorhandenen Spielertypen angepasst. Das ging einmal gut, beim zweiten Mal nicht mehr. Der Teamchef verwies darauf, dass für eine andere Ausrichtung mit etwa nur zwei statt vier Seitenspielern die Zeit zum Einstudieren fehle. So mussten Spieler auf ungewohnten Positionen spielen.

Auf drei Positionen

Wie Marcel Sabitzer und Xaver Schlager, die während der 90 Minuten in Klagenfurt gegen Rumänien jeweils drei verschiedene Positionen einnahmen.

Noch vor der Niederlage am Wörthersee hatte der Teamchef betont: „Am meisten hilft uns Sabitzer im Zentrum hinter der Sturmspitze.“ Begonnen hat der Leipzig-Kapitän auf dem rechten Flügel, wo er wenige Ballkontakte bekam, dadurch schwer ins Spiel fand und sich seine eigene Unzufriedenheit auch anmerken ließ. Nach der Niederlage rechtfertigte Foda Sabitzers Positionierung wie folgt: „Nur gegen den Ball hat er dort gespielt. Bei Ballbesitz ist er ins Zentrum gerückt. Marcel kann in der Offensive überall spielen.“

FUSSBALL: NATIONS LEAGUE: ÖSTERREICH - RUMÄNIEN

Man muss davon ausgehen, dass die Thematik in der Halbzeit angesprochen wurde. Von wem auch immer. Foda stellte um, nach Seitenwechsel begann Sabitzer hinter der Spitze, und Xaver Schlager rückte nach rechts. Der Blondschopf ist allerdings noch weniger ein Flügelspieler und durfte nach 15 Minuten auf fremdem Terrain und mit der Hereinnahme von Onisiwo für Baumgartlinger zurück in sein Wohnzimmer, sprich ins zentrale Mittelfeld.

Überangebot

Dass schließlich nach dem Austausch von Grillitsch und der Einwechslung eines zweiten Stürmers Sabitzer wie in Leipzig auf die Position des Sechsers rückte, verdeutlicht, welchen Bogen der Teamchef in den kommenden Monaten spannen wird müssen.

Österreich hat mit Baumgartlinger, Grillitsch, Sabitzer, Schlager, Ilsanker sowie Konrad Laimer, der zurückkehren wird, ein massives Überangebot an zentralen Mittelfeldspielern von internationalem Format. Dazu will David Alaba am liebsten genau dort spielen: In der Schaltzentrale. Unabhängig von der taktischen Ausrichtung geht es für Foda also künftig auch darum, alle bei Laune zu halten und – und das ist das Wichtigste – erfolgreich zu sein.

Häufig wird behauptet, der Teamchef könnte auf die beste Spielergeneration seit Jahrzehnten zurückgreifen. Angesichts des Ungleichgewichts an verschiedenen Spielertypen ist das aber nur die halbe Wahrheit. Denn Foda steht am Ende einer Nahrungskette eines Verbandes, der seit Jahren zu viele gleichartige Fußballer hervorbringt. Zur Fülle an Topspielern im zentralen Mittelfeld gesellt sich noch eine Handvoll guter Innenverteidiger, aber unterm Strich viel zu wenige Flankenspieler. Ob Außenverteidiger oder offensive Flügel: Das Angebot ist überschaubar und wird in nächster Zeit auch so bleiben.

Foda wird weiter improvisieren müssen, oder, wie er nach dem Rumänien-Spiel meinte, „neue Wege gehen“. Im Oktober ist das Team zehn Tage beisammen und bestreitet drei Spiele. Vielleicht Zeit genug, um auf ein System mit zwei Seitenspielern (3-4-2-1) umzustellen.

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