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Sport | Fußball
05/25/2019

Letzter Akt: Verabschiedet sich Innsbruck aus der Bundesliga?

Die Tiroler müssen gegen Mattersburg siegen und auf Schützenhilfe der Admira in Hartberg hoffen.

Man kann den Leuten vom FC Wacker nicht vorwerfen, dass sie nicht alles unternommen hätten, um auf den letzten Drücker für das letzte Saisonspiel gegen Mattersburg noch die Fans auf ihre Seite zu ziehen. Für den schier aussichtslosen Kampf gegen den Abstieg wurde eiligst eine Ticketaktion (1+1 gratis) ins Leben gerufen. Nachwuchsteams erhalten genauso freien Eintritt, wie jeder Tiroler Fußballer, der heute im Trainingsanzug seines Klubs im Tivolistadion auftaucht.

Allein, es muss bezweifelt werden, dass Innsbruck ein ähnliches Saisonfinish erlebt wie 2015, als der FC Wacker in der letzten Runde in einem ausverkauften Stadion gegen Horn den Abstieg in die Regionalliga verhindert hatte. Voll besetzte Tivoli-Tribünen sind eine Illusion angesichts der Wacker-Wurschtigkeit, die Innsbruck und das Land befallen hat. Das Schicksal und die Zukunft des zehnfachen österreichischen Meisters scheint die Tiroler Fußballfans mittlerweile nicht mehr zu bewegen.

Zu ernüchternd und enttäuschend waren die Auftritte in den vergangenen Monaten, zu aussichtslos wirkt die Ausgangslage vor den letzten 90 Minuten. Die Innsbrucker müssen heute nicht nur ihr Match gegen Mattersburg gewinnen, sie sind auch noch darauf angewiesen, dass die bereits gerettete Admira in Hartberg punktet. Wenn man jetzt noch weiß, dass Wacker in dieser Saison gegen Mattersburg noch keinen Punkt geholt und obendrein in den letzten sechs Monaten nur ein Heimspiel gewonnen hat, dann wird klar, wie schwierig die Aufgabe für den Aufsteiger ist. Da mögen die Innsbrucker noch so viel Optimismus und Lockerheit zur Schau stellen.

„Es ist ja fast kitschig, dass wir es am letzten Spieltag schaffen können“, sagt Torhüter Christopher Knett, „ein besseres Drehbuch gibt es doch eigentlich nicht“.

Vorteil Hartberg

Dieses Drehbuch sieht für die Innsbrucker freilich nur die Statistenrolle vor. „Wenn mir jemand vor Saisonbeginn gesagt hätte, dass wir in einem solchen Spiel die Trümpfe in unserer Hand haben, hätte ich das unterschrieben“, meint denn auch Hartberg-Trainer Markus Schopp, „diesen Vorteil dürfen wir uns nicht nehmen lassen. Wir haben den Vorteil, dass wir nicht schauen müssen, was woanders passiert.“

Auch im Tivolistadion wird offiziell kein Seitenblick in die Oststeiermark riskiert. Wacker-Chefcoach Thomas Grumser hat die Anweisung erteilt, den Spielstand aus Hartberg nicht auf der Anzeigetafel einzuspielen. „Weil es sowieso einmal darum geht, dass wir unsere Hausaufgaben machen und die Partie gewinnen. Den Rest haben wir eh nicht in der Hand.“

2002: Der FC Tirol wird unter dem heutigen deutschen Bundestrainer zwar zum dritten Mal in Folge Meister, muss aber nach einem Konkurs zwangsabsteigen. In der Regionalliga beginnt der Verein als SPG Wattens-Wacker einen Neustart.

2008: Nachdem die Innsbrucker bereits 2004 wieder in die Bundesliga durchmaschiert waren, folgte im Jahr der Heim-EM der nächste Abstieg. In der Abstiegssaison betreute erst Lars Söndergaard die Mannschaft, danach saß Helmut Kraft auf der Trainerbank.

2014: Nach dem Wiederaufstieg im Jahr 2010 konnte der Klub vier Jahre lang in der höchsten Spielklasse halten. Unter Trainer Michael Streiter, der während der Saison Roland Kirchler abgelöst hatte, ging es erneut bergab. Erst 2018 sollte Wacker wieder die Rückkehr in die Bundesliga gelingen.

Wie der FC Wacker überhaupt auf fremde Hilfe angewiesen ist. Vor allem im Falle eines Abstiegs. Präsident Gerhard Stocker kann aktuell nicht sagen, wie es mit dem Klub weiter gehen würde. Er weiß nur so viel: „In dieser Form wie bisher wird es uns dann nicht mehr geben.“