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Sport
04/26/2019

Der FC Wacker befindet sich am Scheideweg

Die Innsbrucker plagen sportliche wie finanzielle Probleme. Und mit der WSG Wattens drängt ein Rivale ins Oberhaus.

von Christoph Geiler

Im Stiegenhaus des Tivolistadions sind die glorreichen Tiroler Fußballzeiten noch allgegenwärtig. Über drei Stockwerke sind hier die Legenden und Lieblinge der Tiroler Anhänger verewigt: von Kurt Jara bis Bruno Pezzey, von Ernst Happel bis Hansi Müller, mit Joachim Löw endet die prominente Ahnengalerie.

Unter dem heutigen deutschen Bundestrainer hatte es 2002 den letzten Meistertitel im Tivolistadion zu feiern gegeben. Freilich zu einem hohen Preis: Es folgten ein Konkurs, ein Zwangsabstieg und  ein Neubeginn in der dritten Liga. Seit damals scheint der Traditionsverein nicht mehr richtig auf die Beine zu kommen – geschweige denn zur Ruhe.

"Wenn man die Geschichte der letzten 16 Jahre nüchtern betrachtet, dann muss man sagen, dass sich alles wiederholt", meint Gerhard Stocker. Der rührige Unternehmer aus Wattens war schon beim Wiederaufbau im Sommer 2002 am Ball gewesen, inzwischen hat er ein Comeback als Wacker-Präsident gefeiert und geht mit den Problemen anders um. Stocker hat sich über die Jahre einen gewissen Pragmatismus und Galgenhumor angeeignet. Schon mehrmals haben er und sein Team langfristige Konzepte präsentiert, viel mehr als Lob konnte er nie einfahren. "Mir tut schon die Schulter weh vom vielen Schulterklopfen", sagt Stocker, "Wenn's nicht geht, dann geht's eben nicht."

Die Zukunftssorgen begleiten Wacker Innsbruck praktisch seit dem Neustart, nicht nur einmal musste die Politik in höchster Not ein Rettungspaket schnüren, um den Fortbestand des Klubs zu sichern. Auch aktuell kann Stocker nur versichern, "dass es den FC Wacker weiter geben wird". Die Frage ist nur: In welcher Form und in welcher Liga wird der zehnfache Meister fortbestehen.

In der Krise

Denn im Frühling 2019 steht der FC Wacker finanziell wie sportlich am Scheideweg. Zwar hatte der Aufsteiger den Slogan „Gekommen, um zu bleiben“ ausgegeben, die letzten Leistungen gaben allerdings wenig Hoffnung, dass das Schlusslicht die Rote Laterne noch abgeben könnte. Thomas Grumser, der Karl Daxbacher als Trainer ablöste, konnte bislang keine Trendwende einleiten. Im Gegenteil: Das Team wirkte zuletzt desolater und verunsicherter als unter dem Vorgänger.

Die 0:4-Heimniederlage gegen Altach, bei der die Innsbrucker in zwölf Minuten vier Gegentreffer kassierten,war ein Offenbarungseid. "Uns helfen nur Ergebnisse", sagt Grumser vor der Auswärtspartie am Samstag in Altach. Der Nachfolger von Karl Daxbacher steht heftig in der Kritik: Unter dem 39-Jährigen haben die Innsbrucker sechs von sieben Partien verloren.

Und als wären das nicht schon Sorgen genug, hat der einstige Vorzeigeverein mittlerweile auch ein echtes Imageproblem .Das wurde nicht zuletzt am Freitagabend bei der Tiroler Sportlerwahl 2018 von ORF und Tiroler Tageszeitung deutlich: Bei dieser Publikumswahl schaffte es Wacker Innsbruck in der Sparte "Team des Jahres" nicht unter die ersten fünf - und das obwohl der Klub im vergangenen Jahr in die Bundesliga zurückgekehrt war.

Zuletzt verirrten sich gerade noch 2500 Zuschauer in das riesive Oval des Tivolistadions. Und nicht nur die Fans bleiben immer häufiger aus, und wichtige Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft wenden sich zunehmend vom FC Wacker ab. „ Ich bekomme zu hören, dass wir ein unsympathischer Verein wären“, erzählt Präsident Stocker.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass manche in Tirol lieber einen anderen Verein im Tivolistadion sehen würden: die WSG Wattens mit ihrer umtriebigen Präsidentin Diana Langes-Swarovski. Schon bei ihrem Amtseintritt vor sechs Jahren hatte die Tochter von Gernot Langes-Swarovski angekündigt, WSG Wattens mittelfristig zur "Nummer eins im Tiroler Fußball" zu machen. Inzwischen scheint die Wachablöse tatsächlich bevor zu stehen.

Während Bundesliga-Schlusslicht Wacker der Abstieg droht, winkt dem Lokalrivalen als Leader der zweiten Bundesliga der ersehnte Aufstieg. Aber auch wenn den Innsbruckern der Klassenerhalt gelingen sollte, würde es neben Wattens eng werden. "Wenn zwei Tiroler Vereine ganz oben sind, dann verhungern beide", glaubt jedenfalls Gerhard Stocker.

Allerdings steht die WSG Wattens finanziell auf sehr stabilen Füßen. Stand jetzt stünde der Profiabteilung bei einem Aufstieg ein Budget von 5,3 Millionen Euro zur Verfügung - da sind die Sponsorgelder aus landesnahen Unternehmen, die aktuell Wacker als Bundesligist erhält, aber noch genauso wenig inkludiert wie internationale Sponsoren, mit denen Präsidentin Diana Langes dank ihrer guten Connections Verhandlungen führt.

Wohin die Reise gehen soll, wird nicht zuletzt am Namen der Kapitalgesellschaft deutlich, in die im Winter die Wattener Profiabteilung ausgelagert wurde. Sie heißt nicht WSG Swarovski Wattens, sondern Swarovski Tirol. "Ich will unseren Verein mittelfristig in der Bundesliga etablieren", sagte Diana Langes erst am Donnerstag gegenüber dem KURIER.

Pikanterweise könnte nun ausgerechnet der FC Wacker für den Lokalrivalen zum Stolperstein auf dem Weg in die höchste Spielklasse werden. Am Sonntag trifft die Innsbrucker Zweiermannschaft, die im Frühjahr noch ungeschlagen ist, daheim auf Leader Wattens, der 2019 noch kein Auswärtsspiel gewinnen konnte.