Windtner mit Foda und einem Bild des Frauen-Teams

© ÖFB/christopher glanzl

Interview
10/12/2021

Leo Windtner: "Ich werde nicht von der Bildfläche verschwinden"

Der ÖFB-Präsident übergibt am Sonntag sein Amt. Es zieht ihn nach Armenien, Estland oder Litauen, verrät er dem KURIER.

von Alexander Strecha

Nach 125 A-Team-Länderspielen, vielen Frauen- und Nachwuchs-Länderspielen ertönt für ihn der Schlusspfiff. Leo Windtner übergibt am Sonntag bei der Wahl in Velden an seinen Nachfolger das Amt des ÖFB-Präsidenten.

Im Februar 2009 wurde der Oberösterreicher zum Verbandschef gewählt, im Oktober 2021 tritt er von der Bühne ab. Rund um das WM-Qualifikationsspiel in Kopenhagen gegen Dänemark blickte Windtner für den KURIER auf seine Amtszeit zurück, in welcher beispielsweise das Frauenteam 2017 ein Sommermärchen bei der EM feierte oder die Unter 21 bei der EM 2019 aufzeigte.

Wie viel Wehmut schwingt bei Ihrem Abschied mit ?

Sentimentalitäten sind nicht wirklich angebracht, bei den Teams hat man sich bei mir schon sehr herzlich bedankt. Aber natürlich mischt sich überall ein wenig Wehmut mit ein, wo man mit viel Herzblut über einen langen Zeitraum bei der Sache war. Für mich war es eine lange Wegstrecke mit vielen Stationen.

Picken Sie bitte das Highlight Ihrer Amtszeit heraus.

Wenn ich mich wirklich auf eines beschränken muss, dann ist es die erstmalige Qualifikation für eine EM auf sportlichem Wege. Und dabei war für mich das 4:1 in Schweden herausragend. Auf dem Weg zurück nach Wien glich der Flieger einem Tollhaus, das war Freude pur.

Und im Gegensatz, was würden Sie als den Tiefpunkt bezeichnen?

Das war die herbe Enttäuschung bei der EM 2016 dann. Die Erwartungshaltung war natürlich sehr groß, und dann sind wir sang- und klanglos in der Vorrunde ausgeschieden. Leider ist es uns nicht gelungen, vom Qualifikations-Modus in den Turnier-Modus umzuschalten.

Welche ist die wichtigste Eigenschaft, die man als Präsident des Österreichischen Fußballbundes besitzen muss?

Man muss versuchen stets Contenance zu bewahren und auch für Kontinuität sorgen. Im Krisen-Management sollte man stark sein und voran gehen, wenn es wichtig ist. Wenn alles gut läuft, dann kann man gerne in der zweiten Reihe verweilen.

Wie viel Diplomatie ist für einen Präsidenten wichtig, bei all den Eitelkeiten, Interessen und Strömungen, die es im Hintergrund gibt?

Ich formuliere es einmal so: Die Gremien des ÖFB haben mir immer wieder eine gewaltige Portion Diplomatie abverlangt.

Inwieweit wird sich Ihr Leben nun verändern, wenn sich das ÖFB-Kapitel schließt?

Mein Terminkalender wird sich definitiv lockern. Aber ich habe noch in der Wirtschaft und mit den St. Florianer Sängerknaben zu tun. Wenn man so will, dann bleibt mir ein Team erhalten. Darüber hinaus werde ich meinem Hobby, der Obstwirtschaft und der Schnapsbrennerei, nachgehen und generell einiges nachholen.

Was genau?

Ich möchte viel reisen, Ausflüge und Bergtouren machen und vor allem wieder mehr auf Skiern stehen als in den vergangenen Jahren. Das ist mir sehr abgegangen.

Gereist sind Sie als ÖFB-Präsident aber mehr als genug.

Ja, aber beruflich. Jetzt möchte ich mir privat Länder ansehen. In Europa fehlen mir nur drei: Armenien, Estland, Litauen.

Wohl auch, weil Österreich während Ihrer Amtszeit nie dort gespielt hat.

Das ist richtig, diese Länder hatten wir nie in Qualifikations-Gruppen. Aber ich möchte auch wieder dorthin reisen, wo ich während meiner Studentenzeit war – wie Kanada oder Südafrika, wo ich mich sogar längere Zeit aufgehalten habe damals.

Inwieweit werden Sie dem Fußball erhalten bleiben?

Ich werde ihn nicht nur vor dem Fernseher verfolgen, sondern habe schon vor mir die A-Länderspiele der Frauen und Männer anzusehen. Wenn man einmal eine solche Bindung eingegangen ist, dann lässt man die nicht los. Aber ich werde mich dezent im Hintergrund aufhalten.

Sie öffnen ein neues Kapitel in Ihrem Leben, und gleichzeitig könnte Corona unser Leben immer weniger bestimmen. Trifft sich das gut?

Ja, das könnte tatsächlich passen, wenngleich die Pandemie noch nicht vorbei ist. Aber ich sehe es dann auch als Befreiungsschlag für den Fußball. Vor allem für den Amateur- und Nachwuchssport, die Basis also. In diesem Bereich hatten alle unter den Restriktionen zu leiden. Es ist auch schön zu sehen, dass die Fans wieder immer öfter ungehindert zu den Spielen in die Stadien dürfen.

Wenn sich Österreich für die WM 2022 qualifiziert, werden Sie dann in Katar mit von der Partie sein?

Ja, ich möchte mitreisen, allerdings ganz ohne Funktion. Ich werde einerseits nie ganz von der Bildfläche verschwinden, andererseits kann ich absolut ausschließen, dass ich mich irgendwo noch einmengen werde.

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