Sasa Kalajdzic (re.) ist in jeder Hinsicht ein Gewinn für die österreichische Nationalmannschaft. 

© REUTERS/RUSSELL CHEYNE

Analyse
03/26/2021

Individuelle Klasse rettete Österreichs Fußballteam in Glasgow

Beim 2:2 in Schottland wurden die spielerischen Mängel aus dem Herbst prolongiert und kaum Chancen herausgespielt.

von Andreas Heidenreich

Die positive Erkenntnis vorweg: Österreichs Nationalteam hat seit den November-Spielen an individueller Qualität gewonnen. Sasa Kalajdzic hat sich in Stuttgart zum verlässlichen Torjäger entwickelt und dieses Potenzial am Donnerstag in Glasgow gegen die Schotten auf Knopfdruck abrufen können.

Der 23-Jährige war beim 1:0, das einem Weitschuss entsprungen ist, handlungsschneller als seine Gegenspieler und konnte seelenruhig abstauben. Der präzise Kopfball des Wieners zum zweiten Tor verdient das Prädikat Weltklasse. Dass Kalajdzic noch einen dritten Treffer erzielt hat, dem wegen eines Stürmerfouls, das zumindest in den TV-Bildern nicht zu erkennen war, die Anerkennung verwehrt wurde, sei an dieser Stelle nicht unerwähnt. Viel besser kann ein Mittelstürmer sein erst drittes Länderspiel nicht bestreiten.

Kaum Torchancen

Klar ist, wo die Gründe für den verfehlten Sieg in Schottland definitiv nicht zu suchen sind: Bei mangelnder Effizienz oder fehlender Chancenverwertung. Wie die Analyse-Profis von "OPTA" errechnet haben, lag der Wert an "expected Goals" bei den Österreichern am Donnerstag bei 0,9, jener der Schotten bei 1,0.

Bei diesem Wert der "zu erwartenden Tore" wird die Qualität der Torchancen anhand der Distanz der Torschüsse, deren Winkel und der Anzahl an Verteidigern zwischen Ball und Tor berechnet.

Wird dieser Wert, wie im Fall der Österreicher am Donnerstag mit zwei Treffern bei Chancen für 0,9 Tore in diesem Spiel übertroffen, so ist dies auf individuelle Qualität oder mögliche Torhüterfehler zurückzuführen. Diese Qualität war vor allem beim Kopfballtor Kalajdzics augenscheinlich, als sich der Stürmer stark bedrängt in der Luft durchsetzte und präzise aus elf Metern ins Eck traf - alles andere als eine 100 prozentige Torchance.

Umso ärgerlicher scheint es nach dem Spiel im Hampden Park, dass die Österreicher ihren übertreffenden neuen Torjäger nicht öfters in Szene setzen konnten. An dieser Stelle bleibt die Erkenntnis, dass der rote Faden an spielerischen Mängeln, der sich bereits durch die Herbst-Spiele gezogen hat, nun länger wird.

Klar, EM-Teilnehmer Schottland ist qualitativ über die letzten Gegner Nordirland und die B-Elf der Norweger aus dem November zu stellen. Die Briten verteidigten auch gekonnt, störten die Österreicher im Spielaufbau früh mit ihren beiden Stürmern, schlossen dahinter die Mitte durch drei zentrale Mittelfeldspieler und verbarrikadierten den Strafraum meist durch eine breite Fünferkette.

Das Fehlen von Martin Hinteregger, Österreichs bestem Mann im Spielaufbau, gilt nur zum Teil als Ursache und schon gar nicht als Ausrede, weil Franco Foda an dieser Stelle den hölzernen Stefan Ilsanker ins Rennen warf und den fußballerisch weit besseren Gernot Trauner auf die Bank setzte. Das Kopfballungeheuer des LASK hätte obendrein auch in der Luft bessere Figur gemacht.

Österreich hatte daher bereits von hinten heraus Probleme, kam mit spielerischen Mitteln kaum in gefährliche Räume und schaffte es auch viel zu selten, bei Angriffen über die Seiten Überzahl zu schaffen. Das sichtbare Resultat war ein (beiderseits) chancenarmes Spiel, bei dem die Österreicher nur durch individuelle Qualität zwei Tore erzielten. Diese Qualität muss am Sonntag gegen die Färöer zu einem Sieg reichen. Spätestens nächsten Mittwoch gegen die Dänen bedarf es jener spielerischen Steigerung, auf die man nun bereits seit einigen Monaten wartet.

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