Gerhard Struber übersiedelt Ende Jänner nach New York

© APA/AFP/OZAN KOSE

Sport Fußball
01/13/2021

Strubers Rückkehr zu Red Bull: „Es werden Türen offen stehen“

Red-Bulls-Coach Gerhard Struber über seine ungewöhnliche Trainerkarriere, die Ziele in New York und den Kampf um seine Familie.

von Alexander Huber

Gerhard Struber ist ein Energiebündel, so nachtaktiv wie jetzt war der 43-Jährige aber noch nie. Von seiner Salzburger Heimat Kuchl aus versucht der neue Trainer der New York Red Bulls, ein Team zusammenzustellen, das den hohen Ansprüchen genügt. Die Zeitverschiebung sorgt für Nachtarbeit: „Mein Rhythmus ist schräg, vieles ist um Mitternacht oder später zu erledigen. Die digitale Welt bestimmt derzeit meinen Job. Meine Frau hat es nicht immer leicht mit mir.“

Der Umzug ist erst fürs Monatsende geplant, denn die MLS hat eine strikte Regel: „Das Training darf erst genau sechs Wochen vor dem Saisonstart beginnen. Geplant ist ein Trainingslager in Florida. Und auf diesen Start-Termin warten wir wegen der Corona-Pandemie noch alle.“

In der abgelaufenen Saison gab es – nach sechs Wochen Wartezeit auf das Visum und einer weiteren Woche Hotel-Quarantäne – nur noch ein Spiel mit Struber an der Seitenlinie: Gegen Columbus kam am 21. November das Play-off-Aus (2:3).

Vergleich zu Österreich

Nach vielen Beobachtungen traut sich der um zwei Millionen Euro von Barnsley geholte Trainer eine Einschätzung der MLS zu: „Die Liga ist sehr physisch, ähnlich wie die 2. Liga in England. Dazu kommt von den vielen Spielern aus Südamerika der Spielwitz.“

Der Vergleich zur Bundesliga sollte notorische Nörgler in Österreich aufhorchen lassen: „Technisch ist die MLS im Schnitt über der Bundesliga anzusiedeln, aber es gibt hier sehr viel Spielraum im taktischen Bereich. Das ist in Österreich schwieriger, weil in der Bundesliga taktisch sehr stark gearbeitet wird.“

Struber blickt auf aufregende, aber auch aufreibende eineinhalb Jahre zurück: „Dass ich für drei Vereine arbeite, hab’ ich nicht so vorgehabt, und es ist auch kurios. Mein Trainerweg geht nicht mit dem Mainstream, sondern über Umwege.“

Nach dem 4:0 mit dem WAC in Gladbach im Herbst 2019 „gab es Anfragen aus Deutschland und England“. Geworden ist es Barnsley und der beinharte Abstiegskampf in Englands zweiter Liga: „Barnsley hat mich als Trainer viel reifer werden lassen. Das war eine große Schule.“

Mit Pressing und Mut zur Offensive gelang in der sprichwörtlich letzten Minute die Rettung: „Daraufhin gab es wieder Angebote.“

Clevere Ausstiegsklausel

Der Salzburger blieb in der Championship, wurde in der Transferzeit aber enttäuscht. „Im Herbst hat sich herausgestellt, dass die Eigentümer einen sehr restriktiven Weg gehen wollen, ich aber sehr ambitioniert bin.“ Umso passender war das Angebot, mit der von Berater Thomas Böhm ausgehandelten Ausstiegsklausel in das Red-Bull-Universum zurückzukehren: „So wie ich haben auch die Menschen in New York rund um mich sehr hohe Ziele.“

Will er als früherer Liefering-Trainer, der 2014 zu Red Bull gekommen ist, den Bossen beweisen, dass es ein Fehler war, ihn gehen zu lassen? „Nein, aber es ist ein Vorteil, dass ich bei Red Bull alle kenne und weiß, was erwartet wird.“ Als Co-Trainer gibt es mit Bernd Eibler österreichische Verstärkung, mit Salzburg-Coach Jesse Marsch, der die Red Bulls bis 2018 trainiert hat, gibt es freundschaftlichen Austausch.

Salzburger im Blick

Aktuell laufen Transfergespräche, auch mit Salzburgern – der Plan ist klar: „Wir wollen nicht Unmengen von Geld ausgeben, sondern junge, hochtalentierte Spieler aus Europa und den USA holen, um gemeinsam etwas zu entwickeln. Österreich ist besonders interessant, weil die Nachwuchsspieler richtig gut ausgebildet werden.“ Als anerkannter Führungsspieler bleibt Daniel Royer, 30.

Der Spagat wird sein, parallel die erwarteten Ergebnisse zu liefern: „Wir wollen in der Regular Season vorne dabei sein und dann auch in den Play-offs überzeugen. Um dauerhaft Erfolg haben zu können, musst du den Spielern für alle Phasen des Spiels passende Antworten liefern können.“

Für Struber persönlich soll die MLS nicht das Ende der Fahnenstange sein. „Die US-Kultur lässt mich meine Klaviatur als Trainer noch weiter ausrichten. Wenn ich auch hier wieder meinen Stempel hinterlasse, dann werden viele Türen  in die große Fußball-Welt offen sein.“

Besonderes Familienleben

Anders als nach England wird die Familie mitkommen. Während des ersten Lockdowns war er überhaupt zwei Monate von der Frau und den beiden Kindern abgeschnitten. „Es war zuletzt nicht einfach, sie alle  emotional auf meinen Weg mitzunehmen. Der Job als Fußballtrainer ist nicht das Feinste für eine Familie. Meine Frau hält zu Hause den Laden am Laufen.“

Struber gewährt einen Blick ins Familiäre: „Meine Tochter kommt nach der Matura im Sommer nach New York. Auch mein elfjähriger Sohn freut sich. Aber ich weiß, dass es eine Herausforderung wird.“

Denn das Talent kickt mit all seinen Freunden bei Red Bull – aber in Salzburg. „Und dann kommt ein heimatverbundenes Kind in den Big Apple. Ich bin nicht blauäugig.“

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