© Kurier/Franz Gruber

Sport Fußball
11/08/2019

"Geheimes Konzept": Schmids eingereichte Pläne für Rapid

Roland Schmid tritt mit dem Grüneis-Konzept an, veröffentlicht aber die beim Wahlkomitee eingereichten Pläne.

von Alexander Huber

Roland Schmid setzt auf Transparenz. Der Rapid-Präsidentschaftskandidat veröffentlicht sein ursprünglich beim Wahlkomitee eingereichtes Konzept und die darauf aufbauende Präsentation.

Das Programm  – das am 25. November in der Stichwahl gegen Martin Bruckner nicht zur Wahl steht, weil bei der Fusion mit der Liste Grüneis deren Konzept von Schmid übernommen wurde – sorgt für Überraschungen.

Die Einschätzung der Lage bei Rapid ist eindeutig und kritisch: "Aus der heutigen, sportlichen Situation kann der Schluss gezogen werden, dass der Sportklub Rapid Wien auf den entscheidenden Positionen, jedenfalls teilweise, (Geschäftsführer „Wirtschaft“ und „Sport“, Trainer 1. Mannschaft(en) und Nachwuchs, etc.) nicht mit den bestmöglichen Personen besetzt ist."

Experten beauftragt

Dieses Zitat stammt aus dem beim Wahlkomitee eingereichten Schmid-Konzept. Das Ungewöhnliche daran: Es findet sich nicht im 19-seitigen (nicht so scharf formulierten) Programm, sondern im direkt anschließenden 25-seitigen Anhang. Getätigt von einem namentlich nicht genannten "Schweizer Experten", der von Schmid mit einer Analyse der Hütteldorfer beauftragt wurde. So wie andere Experten auch – dazu später.

Roland Schmid erklärt: "Transparenz ist mir wichtig. Ich stehe zu allem, was wir eingereicht haben. Deswegen stelle ich es auch der Öffentlichkeit zur Verfügung. Wichtig ist, dass das Konzept mit Stand August geschrieben wurde, seither hat sich einiges geändert."

Bruckner mit dem "Team Leitbild" und Schmid/Grüneis mit dem "Team Grün Weiß" stellten ihre Konzepte online.

Auf KURIER-Nachfrage versichert Schmid, dass auch sein ursprüngliches Konzept frei nachzulesen sein soll. Die  Mischung aus diesem Konzept und dem damals nominierten Personal  fand beim Wahlkomitee nur mäßig Anklang. Damals noch im Team Schmid dabei: Bernd Oswald (Aufsichtsratvorsitzender Novomatic) und TV-Manager Michael Stix (CCO ProSiebenSat1-Puls4).

Weg der Mitte

Das Programm "Rapid reloaded" beginnt mit einem Lob: "Der Sportklub Rapid hat sich in der Ära Michael Krammer positiv weiterentwickelt". Die Aufgabenstellung: "Jetzt geht’s darum, die Software kontinuierlich für die 20er-/30er-Jahre weiterzuentwickeln."

Der Slogan lautet: "Neubeginn & More of the same. Ein Weg der Mitte".

Als Erklärung zur Entstehung gibt Schmid an: "Das nachstehende Konzept ’Rapid Reloaded’ wurde in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Experten entwickelt, die von außen, möglichst neutral und sachlich, den Klub analysierten."

Die Frage, wofür das damalige Konzept  stehen soll, wird klar beantwortet: "Für einen Weg der Mitte – eine Kombination aus Kontinuität und Modernisierung. Wir wollen den Mut zur positiven Veränderung fördern."

Als wichtigste Ziele werden genannt: Rapid soll ein Ausbildungsverein erster Klasse sein. Dafür muss der Klub  international vernetzter werden.

Investoren, ja oder nein?

Auffällig ist die Ansage: "Die Akademie braucht Investoren". So argumentierten auch die "Sieben Legenden", die in einem öffentlichen Brief für Schmid und sein Konzept eintraten. Als Kosten werden für die "Errichtung 20 bis 25 Millionen" und für den  Betrieb "pro Jahr 3 – 5 Millionen" genannt. Zur Akademie wird angegeben: "Wir haben ein Finanzierungskonzept samt Investoren an der Hand".

Allerdings hat Schmid bei der Präsentation der Fusionsliste am Mittwoch festgehalten: "Es wird bei Rapid keine Investoren geben. Das war eine ungeschickte Formulierung der Legenden."

Als weitere Ziele werden genannt: Ein Zuschauerschnitt "über 20.000 Fans" pro Heimspiel, "spürbare Leidenschaft auf dem Platz und in der Geschäftsstelle", sowie "mehr Ruhe und weniger Druck durch langfristige Planung".

Aufwertung für Hoscher

Die auffälligste Änderung bei der Struktur: Dietmar Hoscher, der Vorsitzende des Rapid-Kuratoriums, soll für das Präsidium kooptiert werden. Als "Schaltstellen" des Vereins werden "Geschäftsführung – Präsidium – Kuratorium" nebenan gestallt.

"Ergänzend und beratend" kommt das Trio "Beirat – Kompetenz-Team Sport – Legenden-Rat" dazu. Erklärt wird: "Das Kompetenz-Team bilden 5 bis 10 Top-Experten mit Klubvergangenheit zur ständigen Meinungsbildung in sportlichen Fragen/Problemstellung".

Und: "Der routinemäßige Austausch mit dem Legenden-Rat unter Herbert Feurer wird ausgebaut und aktiver gestaltet".

4-3-3 oder 3-4-3

Als wichtigste sportliche Änderung wird die Einführung eines "durchgängigen Spielsystems – vom Nachwuchs bis zu den Profis" gefordert. Im Anhang gibt es die dazugehörige Analyse von einem namentlich nicht genannten "Ex-ÖFB-Teamspieler": "Meiner Meinung nach wäre unter den gegebenen Umständen ein klassisches 4-3-3 oder 3-4-3 als System optimal, da dies dem aktuellen Kader entspräche und auch umsetzbar ist." Weiters soll mehr Augenmerk auf Fitness gelegt werden.

Das ursprüngliche Konzept der Liste Schmid sah auch eine Änderung beim Hauptsponsor (derzeit Wien Energie) vor: "Es macht Sinn, einen neuen Hauptsponsoren zu generieren."

In Aussicht gestellt wird weiters die Gründung einer Frauen-Sektion "vom Nachwuchs bis zu den Profis", die sich selbst finanzieren soll.

Neben dem "Schweizer Experten" und dem "Ex-ÖFB-Teamspieler" wurden auch ein "Deutscher Spielerberater" und "Wyscout Analysis (für Spielbeobachtung, -analyse)" als Experten engagiert.

8 Legionäre empfohlen

Bei der auf Englisch formulierten Wyscout-Analyse fällt auf, dass acht Spieler für mögliche Neuverpflichtungen vorgeschlagen werden. Sie wären allesamt Legionäre: Behrendt (der bereits bei Rapid war), Börner, Pettersson, Zesiger, Kittel, Duljevic, Ngoy und Olaru.

Insgesamt wirkt das von Roland Schmid später übernommene Konzept der Liste Grüneis umfangreicher, detaillierter und kompakter, nicht nur wegen des ungewöhnlichen Anhangs mit den vier "Experten-Analysen". Die Schwerpunkte der damals noch getrennten Listen sind teilweise unterschiedlich.

Rapid im Free-TV?

Ein Ziel, das lediglich bei der ebenfalls dem KURIER zur Verfügung gestellten Präsentation des Programms, aber nicht im Konzept selbst niedergeschrieben wurde, lautet: "Bundesliga wieder ins ’Free-TV’ (Sonntags- und/oder Topspiele)".