Rapid-Präsidentschaftskandidat Roland Schmid

© Kurier/Franz Gruber

Sport Fußball
11/06/2019

Rapid-Präsidentschaftskandidat Schmid: "Ultras sind unbeugsam"

Roland Schmid überrascht bei seinen Plänen in der Fanpolitik. Die Tojner-Millionen sind noch nicht schriftlich fixiert.

von Alexander Huber

Die Wahlkampfoffensive von Roland Schmid und seinem Team läuft weiter. Nach der Veröffentlichung des Konzepts (ursprünglich für die Liste Grüneis geschrieben), der Facebook-Seite, einer eigenen Homepage und professionellen Fotos des achtköpfigen Teams für das Präsidium in weißen Rapid-Polos wurden am Mittwoch im Allianz Stadion weitere Details verraten.

Unter der Leitung eines Medienberaters versuchte das Team „Grün Weiß“ (das ist übrigens der Spitzname des ursprünglichen Präsidentschaftskandidaten Robert Grüneis), alle offenen Fragen vor der Stichwahl am 25. November zu beantworten.

Die größte Überraschung lieferte Roland Schmid bei seinen Plänen in der Fanarbeit. Anders als in fast allen anderen Bereichen werden keine wesentlichen Änderungen angekündigt, die liberale Politik der Ära Krammer gegenüber der organisierten Fanszene soll nach einer gewonnenen Wahl fortgesetzt werden. „Die Ultras sind unbeugsam und autonom. Der Block West ist wahnsinnig wichtig, und der Block ist Teil der Rapid-Familie“, betont Schmid.

Keine "rote Linien"

Auf die Frage, ob neue, strengere rote Linien gezogen werden, sagt der 43-jährige Immobilienunternehmer: „Wir werden keine roten Linien aussprechen.“ Einzige logische Einschränkung: „Wichtig ist, dass Rapid durch  Fans kein Schaden entsteht. Das wollen wir mit Transparenz und  Kommunikation erreichen.“

Zur Stellung von Zoran Barisic betont der Konkurrent von Barisic-Förderer Martin Bruckner: „Ja, da habe ich meine Meinung geändert.“

Zur Erinnerung: Im Frühjahr präsentierte Schmid mit Eichler mehreren Medien, darunter dem KURIER, seine Pläne für eine Kandidatur.  Die damals  verhandelte Rückkehr von Barisic als Sportdirektor kritisierte Schmid und meinte, dass der Ex-Trainer nur eine Option für den Nachwuchs sei. Wenn Bruckner Barisic will, könne er selbst auch nicht den auf der Liste Bruckner angebotenen Platz im Präsidium annehmen, betonte Schmid vor sieben Monaten.

Jetzt stellt Schmid klar: „Der Sport-CEO ist in unserem Konzept als das Gesicht nach außen vorgesehen. Und dafür ist  Barisic vorgesehen. Zum aktuellen Zeitpunkt ist eine Änderung beim Sportdirektor kein Thema.“

Doch keine Investoren

Eine Korrektur gibt es auch zur Forderung der „sieben Rapid-Legenden“ im offenen Brief, den Verein für Investoren zu öffnen. „Das war eine ungeschickte Formulierung der Legenden. Es geht nur darum, neue Sponsoren zu finden.“ Zur Rolle der Legenden als Berater sagt der Chef von Immounited: „Ihre Meinung ist uns wichtig, sie sollen aber keine sportlichen Entscheidungen beeinflussen.“

Fließen Tojner-Millionen?

Michael Tojner wird von Schmid nicht als Investor, sondern als Sponsor tituliert. Der Milliardär und Rapid-Fan hat wie vom KURIER berichtet der Liste Grüneis Unterstützung bei der Akademie zugesagt.

Michael Tojner

Sollte Robert Grüneis Präsident werden, zahlt Tojner fünf Millionen für die angestrebte "große Lösung". Drei weitere Millionen könnten über sein Netzwerk dazu kommen, das wurde von Tojner schriftlich bestätigt.

Da Grüneis aber "nur" einfaches Präsidiumsmitglied würde, stellt sich die Frage, ob die Millionen auch für einen Klubboss Schmid fließen.

Grüneis erklärt: „Schriftlich fixiert ist es noch nicht. Es gibt dazu gute Gespräche, die wir nach der Wahl abschließen wollen.“ Das wird auch von Tojner als aktueller Stand bestätigt.

Faktor Herzog 

Im Konzept der Liste Grüneis, das Schmid übernommen hat, wird Andreas Herzog als „Unterstützer“ genannt.Tojner hätte bei seiner angedachten Kandidatur Herzog als Sport-CEO eingeplant.

Schmid meint zum aktuellen Teamchef Israels: „Herzog ist eine wichtige Hilfe und ein Tippgeber für uns. Wir können nach der EM-Quali mit Israel über eine konkrete Rolle reden. Aber mit Stand jetzt ist Andreas Herzog kein Thema als Sport-CEO.“

Eine Jobgarantie fürs Erste gibt es auch für Geschäftsführer Christoph Peschek. „Ich kenne Peschek als engagierten Mitarbeiter. Ich schließe zum jetzigen Zeitpunkt aus, dass sein Job neu ausgeschrieben wird. Aber natürlich werden wir uns alle Mitarbeiter nach einem Wahlsieg im Detail ansehen.“

Keine schwarze Null

Neben der massiven Nachwuchsförderung ist für die Liste „Grün Weiß“ das wichtigste Thema, dass „aus einem Wirtschaftsbetrieb ein Sportverein werden soll“. Ein Budget von rund 60 Millionen Euro mit Europacup- und Transfereinnahmen sei realistisch, betont Allianz-Vorstand Christoph Marek, der als Vizepräsident kandidiert.

Die zuletzt von Krammer aufgegebene „schwarze Null aus dem nationalen Budget“ sei auch künftig nicht so wichtig: „Wir wollen ja jedes Jahr nach Europa.“

Kritik an der aktuellen Rapid-Führung gibt es "für die Überheblichkeit von Rapid, die viele spüren".

Cupfinale bleibt No-go

Auf der Suche nach Zusatzeinnahmen wird einem Wunsch der Stadt Wien eine Absage erteilt: der von Sportstadtrat Hacker (SPÖ) erwünschten Bewerbung als Cup-Finalschauplatz. Marek: „Das Stadion gehört Rapid und seinen Fans. Ein Cupfinale wird es auch unter unserer Führung nicht im Allianz Stadion geben.“

Das ursprüngliche Konzept der Liste Schmid, das beim Wahlkomitee keinen Anklang fand, soll noch veröffentlicht werden. Schmid: „Transparenz ist uns wichtig.“

Was Schmid noch als Botschaft wichtig wäre? „Dass ich kein Millionär bin. Das wäre ich nach einem Verkauf meiner Firma, aber das habe ich nicht vor. Die 500.000 Euro, die ich jährlich als Sponsor und für meine Logen zahle, sind das Maximum. Bei dieser Summe bleibt es, egal, wie die Wahl ausgeht.“