Minamino (re.) leitete mit seinem Ausgleichstor die Wende im Spitzenspiel ein.

© Georg Diener Agentur Diener/DIENER / Alex Domanski

Sport | Fußball
10/04/2015

Salzburg rückt näher an Rapid heran

Der Meister meldet sich mit dem Sieg bei den müden Hütteldorfern zurück.

Die 1:2-Niederlage gegen Rapid in der zweiten Runde war für Salzburg ein Weckruf: Seither ist der Meister ungeschlagen und nach dem 2:1-Erfolg im Sonntagsschlager auch wieder voll im Titelrennen. Die Hütteldorfer führen nur noch einen Punkt vor der Austria und den Bullen.

Wie beim packenden 3:3 im Frühjahr legte Salzburg stark los: Nach 100 Sekunden hatte Valon Berisha die erste Chance, nach elf Minuten siegte Jan Novota zum ersten Mal im Duell mit Jonatan Soriano. Rapid wirkte noch müde von der Minsk-Reise, während das Offensivpressing der Gäste an die Zeit unter Ex-Trainer Schmidt erinnerte. Aber auch damals hatten die Salzburger schon Probleme mit den Standardsituationen der Rapidler. Gleich der erste ruhende Ball brachte das 1:0.

Ein Eckball von Florian Kainz landete beim ungedeckten Stefan Stangl. Der Kopfball ging ins Tor, weil Christopher Dibon noch geschickt irritierte und Andreas Ulmer das Abseits aufgehoben hatte (18.).

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Standardantwort

Es war das zehnte Tor von Rapid nach Standards, in der Liga sogar das vierte in Serie. Salzburg hatte schon beim 1:2 gegen die Wiener im Heimspiel beide Treffer nach ruhenden Bällen kassiert und ist mit zehn Gegentoren aus Standardsituationen sogar das Liga-Schlusslicht.

Plötzlich war die schnelle Partie auch spektakulär. Auf beiden Seiten wurden große Chancen herausgespielt – und von den Torhütern vereitelt. Novota zeichnete sich gegen Naby Keita (20.) und bei einem Soriano- Freistoß aus. Alexander Walke streckte sich bei einem Auer-Kopfball – natürlich nach einem Freistoß (27.).

Rapid wurde aber auch spielerisch stärker, vor allem Philipp Schobesberger hatte gegen Ulmer seinen Spaß.

Der Ausgleich des Meisters fiel nach einem Konter: Schiedsrichter Ouschan pfiff nach einem Foul von Keita an Steffen Hofmann tief in der Salzburger Hälfte nicht, für ein taktisches Foul am durchbrechenden Keita waren die Rapidler zu nett, blitzschnell ging es in den Strafraum. Der Schuss von Takumi Minamino wurde von Mario Sonnleitner unhaltbar abgefälscht – 1:1 (43.).

Die zweite Hälfte gingen beide Teams vorsichtiger an. Wieder wurde nach einer Standardsituation gejubelt, aber diesmal nur von einem kleinen Teil der 23.200 Zuschauer. Nach einem Eckball kam Christian Schwegler zum Schuss. Der Ball wäre neben das Tor gegangen, doch via Dibons Hintern wurde noch das 1:2 daraus (64.).

Kraftlos

Erst in der Rapid-Viertelstunde wurden wieder Chancen herausgespielt. Joker Matej Jelic und auf der Gegenseite Berisha vergaben. Für eine echte Schlussoffensive fehlte Rapid nach dem dichten Programm der vergangenen Wochen die Energie.

Rapid - Salzburg 1:2 (1:1)

Wien, Ernst-Happel-Stadion, 23.200, SR Ouschan

Tore:
1:0 (18.) Stangl
1:1 (43.) Minamino
1:2 (64.) Schwegler

Rapid: Novota - Auer, Sonnleitner, Dibon, Stangl - Grahovac, Schwab - Schobesberger, S. Hofmann (82. Alar), F. Kainz (71. Huspek) - Prosenik (70. Jelic)

Salzburg: Walke - Schwegler, Miranda, Caleta-Car, Ulmer - Minamino (83. Laimer), Schmitz, Keita, Berisha - Damari (60. Reyna), Soriano

Gelbe Karten: S. Hofmann, Auer, Jelic bzw. Schwegler, Soriano, Reyna

Zeidler: "Wir haben den Sieg nicht geklaut"

Steffen Hofmann war für sein vor und nach den Spielen üblicherweise ausgeglichenes Gemüt ausgesprochen sauer auf Dominik Ouschan. Der Schiedsrichter hatte ein Vergehen von Keita am Rapid-Kapitän vor dem Konter zum 1:1 übersehen.

"Ja, klar war es ein Foul. Aber wir hätten noch genug Zeit gehabt, das Gegentor zu verhindern. Da muss es dann ein taktisches Foul an Keita geben", erklärte Zoran Barisic, der sich wieder einmal die Kritik an einem Unparteiischen sparte.

Auch nach dem 1:2 wäre noch genug Zeit gewesen, um wie beim 3:3 im Frühjahr zurückzukommen. "Vielleicht hat diesmal die Power gefehlt", meinte der Rapid-Trainer. Vor allem im Zentrum war gegen Keita diesmal der Wille zu wenig. Logisch, weil Grahovac und Schwab nach den Verletzungen von Petsos und Nutz alle Partien seit der letzten Länderspielpause spielen mussten. "Und es wird noch schwerer für uns: Schwab und Grahovac wurden ja erstmals in die Nationalteams einberufen", meint Barisic, der auf die nötige Regeneration gehofft hätte.

Auf Reisen

Auch Salzburg-Trainer Peter Zeidler muss mehrere Spieler erstmals für ein A-Team abstellen: Torschütze Minamino und Verteidiger Caleta-Car, ebenso wie aus der Vergangenheit gewohnt das Quartett Keita, Berisha, Damari und Reyna.

In Wien sah der Deutsche "eine sehr starke erste Salzburg-Viertelstunde. Danach hatten wir große Probleme mit den langen Bällen der Rapidler auf ihre starken Flügelspieler, waren wie gelähmt. Da hatten wir großes Glück, dass wir kein zweites Tor bekommen haben." Der Schlüssel zum Erfolg war der Ausgleich noch vor der Pause: "Das 1:1 war ganz wichtig."

Auch beim zweiten, wieder abgefälschten Treffer sprach Zeidler von "viel Glück für uns. Aber dann haben wir sehr gut verteidigt. Und am Ende war der Sieg nicht unverdient – wir haben ihn nicht geklaut."