Die Admira erteilte Rapid eine Lektion.

© APA/HERBERT P. OCZERET

Bundesliga
03/12/2016

Admira spielt mit Rapid Valencia

Die Südstädter blamieren die Hütteldorfer und siegen im Prater verdient mit 4:0.

von Alexander Huber

Es war angerichtet. Nach dem 1:1 von Salzburg beim WAC hätte Rapid mit einem Sieg im Abendspiel wieder die Tabellenspitze erklimmen können.

Stattdessen feierte die Admira den dritten Erfolg in Folge gegen die Hütteldorfer. Und was für einen.

Mit einem völlig verdienten 0:4 und der schwächsten Leistung in der Ära Barisic haben sich die Rapidler bis auf die Knochen blamiert.

Die Admira – und nicht Rapid – startete wie ein Titelkandidat. Offensiv, aggressiv und mit einem klaren Plan. "Lederer kennt uns perfekt. Er war am öftesten von allen Trainern bei unseren Spielen", hatte Rapid-Coach Zoran Barisic erzählt. Es war also nicht überraschend, dass die Südstädter mit einer speziellen Taktik antraten, sondern viel mehr, dass sich Rapid davon überrumpeln ließ.

Markus Lackner war bei der Admira in die Innenverteidigung zurück gerückt und Christoph Knasmüllner nach vorne, als zweite Sturmspitze neben Lukas Grozurek in ein variables 4-4-2-System.

7. Minute: der Ex-Rapidler Eldis Bajrami spielt Knasmüllner gegen Christopher Dibon perfekt frei, elegant verwertet das frühere Bayern-Talent ins Eck – 0:1.

25. Minute: der inferiore Mario Pavelic spielt tief in der gegnerischen Hälfte einen verheerenden Fehlpass. Wieder ist es Bajrami, der antritt, die pomadigen Rapidler laufen nur hinterher. Wieder ist es Knasmüllner, der die feine Vorarbeit überlegt zum 0:2 abschließt.

Leichtes Spiel

Wie es bisher nur Valencia vorgemacht hat, zogen die in den vergangenen Wochen noch formschwachen Südstädter die Rapid-Formationen weit auseinander.

Die einzige Möglichkeit der vom Publikum gnadenlos ausgepfiffenen Rapidler hatte Steffen Hofmann bei seinem traurigen Jubiläum (400. Ligaspiel) mit einem Volley neben das Tor (10.).

Das Fehlen des Prunkstücks im Spiel der Hausherren konnte nicht kaschiert werden: statt Kainz (gesperrt) und Stangl (angeschlagen) blieben an der linken Flanke Philipp Schobesberger und – bei seinem undankbaren Comeback nach dem Kreuzbandriss – Thomas Schrammel wirkungslos.

"Wir spielen hochnäsig und arrogant", schimpfte Rapid-Sportdirektor Andreas Müller zur Pause. Es sollte danach nicht besser werden.

Lukas Grozurek wurde im Strafraum von Mario Sonnleitner gefoult. Der gegen seinen Ex-Klub wieder auffällig starke Stürmer trat an und schupfte – als Höchststrafe – den Elfmeter zum 0:3 in die Mitte des Tores (53.).

Den Endstand stellte Srdan Spiridonovic mit einem Flachschuss her (63.).

Zu allem Überdruss verletzte Bajrami Thomas Murg mit einem Foul (68.). Rapid hatte schon drei Mal gewechselt und war damit zu zehnt.

Der einzige gefährliche Rapid-Schuss aufs Tor? Durch Matej Jelic, tatsächlich erst in Minute 83.

Rapid - Admira 0:4 (0:2)

Wien, Ernst-Happel-Stadion, 13.000, SR Schörgenhofer

Tore:
0:1 ( 7.) Knasmüllner
0:2 (25.) Knasmüllner
0:3 (53.) Grozurek (Elfmeter)
0:4 (63.) Spiridonovic

Rapid: Strebinger - Pavelic, Sonnleitner, Dibon, Schrammel - Petsos, Schwab (46. Grahovac) - Schobesberger (61. Schaub), S. Hofmann (55. Prosenik), Murg - Jelic

Admira: Siebenhandl - Zwierschitz, Lackner, Wostry, Pavic - Ebner, Toth - Bajrami (78. Ayyildiz), Knasmüllner (70. Starkl), Spiridonovic - Grozurek (83. Malicsek)

Gelbe Karten: Keine bzw. Bajrami

Tabelle

Barisic: "Wir sind nicht so gut wie uns andere machen"

Zoran Barisic (Rapid-Trainer): "Wir haben kollektiv versagt, von vorne bis hinten hat von der ersten bis zur letzten Minute überhaupt nichts gepasst. Die Admira hat verdient in dieser Höhe gewonnen und war in allen Belangen besser. Wir sind von Anfang an nicht in die Zweikämpfe gekommen, hatten ein ganz schlechtes Passspiel und überhaupt kein Durchsetzungsvermögen. Wichtig ist, dass wir uns von den Titelträumen verabschieden. Wir sind nicht so gut wie uns andere machen. Wir müssen wieder zu unserem Spiel zurückkehren und von Spiel zu Spiel denken."

Ernst Baumeister (Admira-Trainer): "Wir haben in dieser Höhe verdient gewonnen. Die Spieler haben die Kopfwäsche unter der Woche kapiert und sind wieder als Mannschaft aufgetreten. Die ersten 25 Minuten waren für unsere Verhältnisse wie von einem anderen Stern. Es gibt solche Tage, an dem einer Mannschaft alles gelingt und der anderen nichts. Ich habe auch keine Erklärung dafür, warum wir gegen Rapid immer so gut spielen."

Andreas Müller (Rapid-Sport-Geschäftsführer): "Was wir gezeigt haben, war unerklärlich, an Hochnäsigkeit und Arroganz nicht zu überbieten. Wir können uns nur bei den Fans entschuldigen, für das, was passiert ist. Wir waren in keiner Phase in der Lage, dem Gegner auch nur annähernd Paroli zu bieten. Das stimmt mich sehr nachdenklich. Ob das ein einmaliger Ausrutscher war oder tiefer geht, wird man in den nächsten Wochen sehen. Das Wort Titel sollte kein Spieler in den nächsten Wochen in den Mund nehmen."

Lukas Grozurek (Admira-Torschütze): "Was heute los war, ist nicht zu erklären. Wir haben Rapid keine Chance gelassen, das war das beste Spiel seit ich bei der Admira bin. Ich habe noch nie erlebt, dass Rapid in der 60. Minute aufgibt."

Anmerkung: Rapids Thomas Murg schied mit Verdacht auf eine schwere Knieverletzung aus. Die genaue Diagnose sollte am Montag feststehen.

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