© Strecha Alexander

Reportage
10/08/2021

Fußball auf Färöer: Von der Lachszucht in das Teamtrikot

Österreich gastiert am Samstag bei jenem Inselvolk, dessen Fußballgeschichte einiges mit dem ÖFB zu tun hat. Wie kickt es sich auf der Schafsinsel? Eine Spurensuche.

von Alexander Strecha

„Ich drücke Österreich die Daumen, ich halte nicht so gerne zu Verlierern.“ Rose steht in ihrem Kaffeehaus und verblüfft mit dieser Aussage. Kennt sie sich tatsächlich aus beim Fußball? Österreich, die Nation der Gewinner? Sie sieht es eher pragmatisch. „Die Färöer gewinnen doch nur gegen kleine Mannschaften, die meisten Spiele verlieren sie.“ Optimismus sieht freilich anders aus.

Rose kommt aus Äthiopien, arbeitete auf Zypern, studierte drei Jahre in den USA und heiratete auf die Färöer. Dort kaufte sie eine Kirche und machte daraus ein Kaffeehaus. „Die Leute haben den Kopf geschüttelt und gemeint, dass das Geschäft nie gehen wird.“ Zumal es sich ganz im Norden der Insel Eysturoy befindet, knapp vor Eidi, wo ein Fußballplatz gleich neben dem Friedhof liegt und ein weiterer direkt vor dem tosenden Meer. Wer übers Tor schießt, darf dem Ball hinterher schwimmen. Finden dort keine Spiele statt, wird die Stätte auch gerne als Campingplatz genützt.

Ganz gleich in welch noch so kleinem Ort auf den Färöern man landet, an einem Fußballplatz kommt man nicht vorbei. Alle sind mit einem Kunstrasen ausgestattet, nicht grundlos. Eigentlich würde die feuchte Witterung ein herrliches grünes Geläuf garantieren. Doch der häufige Regen und die regelmäßige Benützung würden jeden „Teppich“ schnell in einen Acker verwandeln.

In dem Café wird geplauscht, sehr oft über Fußball. Touristen aus ganz Europa machen mittlerweile wieder bei Rose Halt. „Ich eröffnete 2019, dann kam Corona.“ Wie lebt es sich als Weltenbummlerin auf den Inseln? „Ganz gut. Ich habe zum Glück schon viel von der Welt gesehen. Die Färinger sind eher konservativ, zurückhaltend, nicht so kommunikativ. Aber die neue Generation ist jetzt anders.“ Die gehen fürs Studium nach Kopenhagen oder besuchen die neue Uni in Tórshavn, ein runder Glaspalast in der Hauptstadt.

Henning ist Däne, der auf Färöer arbeitet. Er sitzt beim „Italiener“, genießt flaschenweise den Primitivo. Irgendwann kommt die Sprache auf Fußball. „Am Samstag werdet ihr hier gewinnen gegen Färöer. Aber danach in Kopenhagen habt ihr keine Chance, das wird eine ordentliche Niederlage“, prophezeit er. Henning hatte schon auf Island und auf Grönland gearbeitet. „Dort waren wir jeden Tag ziemlich betrunken.“ Kann man sich in diesem Moment kaum vorstellen.

Fußball ist auf Färöer ein treuer Begleiter. Die Nationalmannschaft residiert im Hotel Foroyar auf einem Hügel über Tórshavn. An der Rezeption begrüßt einen Teit Jacobsen. Für ihn ist es ein doppeltes Heimspiel, spielte er 2017 noch für die Färöer in der U-21-Auswahl. „Wir haben damals sogar zwei Mal gegen Österreich gespielt und beide Spiele verloren. In der Verteidigung hatten sie einen Blonden, der bei Real Madrid war.“ Philipp Lienhart! „Richtig, der war wirklich gut.“

Jacobsen spielte damals gegen die aktuellen Teamspieler Daniel Bachmann, Philipp Mwene oder Florian Grillitsch. „Gegen Österreich hatten wir keine Chance, gegen die Deutschen sowieso nicht.“ Er kennt alle Nationalspieler, die an seiner Rezeption vorbeischlendern. „Mit fast allen habe ich gespielt, oder gegen sie.“ Der 23-Jährige fing bei HB Tórshavn an zu kicken, wechselte für drei Jahre in die dänische Liga, eher er wieder heimkehrte. Derzeit ist er verletzt. „Fußball ist ganz klar Nationalsport Nummer eins. Aber populär ist auch Handball. Derzeit haben wir richtig starke Spieler“, sagt er.

Bis zu 5.000 Euro im Monat

Beliebt ist, wen wundert’s auf einer Insel, auch Bootfahren. „Es gibt Meisterschaften mit sechs oder zehn Leuten in einem Boot. Gefahren wird in den Fjorden“, erklärt Teit Jacobsen, um gleich darauf wieder zum Fußball zurück zu kehren. „Das meiste Geld hat derzeit Klaksvik. Dort sponsert der Chef einer Fischerei-Gesellschaft.“

Die Liga, sie heißt seit 2018 ebenso wie jene bei den Frauen Betrideildin, habe sich mit den zehn Klubs gemausert, so Stürmer Jacobsen. „Es gibt heute mehr Profis als früher, dennoch haben viele Spieler nebenbei einen Job.“ Als Dachdecker, Fischer, in der Schafs- oder Lachszucht. Die Kicker verdienen ganz gut, einige kassieren zwischen 3.000 und 5.000 Euro im Monat. Auch Teit Jacobsen steht im Kader von HB Tórshavn. Und vergibt im Hotel nebenbei Zimmerschlüssel.

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