Ein Herz und eine Seele: Die Admira (vorne: Sax) bejubelt den treffsicheren Ex-Rapidler Starkl.

© Agentur DIENER / Eva Manhart

Bundesliga-Sonntagsspiel
09/19/2015

Rapid – Admira: Aufstand der Aussortierten

Die Wiener wollen von jenem Team Platz 1 zurück, das dank Ex-Rapidlern aufblüht.

von Alexander Huber, Philipp Albrechtsberger

Wer die zweite Mannschaft von Rapid sehen will, der musste Samstagabend nicht auf eine kleine Wiener Sportanlage wandern, wo Rapid II in der Regionalliga Ost auf die St. Pölten Juniors traf. Passender ist wohl heute, Sonntag, der Weg in das größte Fußball-Stadion Österreichs. Im Happelstadion trifft Rapid (I) auf Tabellenführer Admira (16.30 Uhr/ live ORFeins, Sky). Die Gastgeber werden in der Überzahl sein – nicht nur auf der Tribüne, auch auf dem Spielfeld.

Was nach einem unfairen Duell klingt, ist einer unfreiwilligen Symbiose geschuldet. Es gibt keine zwei anderen Bundesligisten, die in den vergangenen Jahren so viele Spieler ausgetauscht und transferiert haben wie der Rekordmeister mit den Südstädtern. Vor allem die in die Saison so sensationell gestartete Admira-Elf wird getragen von einigen ehemaligen Rapidlern (siehe Grafik).

Viele Wechsel

"Wir sind uns nicht zu schade, Spieler zu nehmen, die sich bei Rapid nicht zu 100 Prozent durchgesetzt haben, aber uns sehr weiterhelfen", sagt Admira-Trainer Oliver Lederer. Auch deshalb birgt das Spiel so viel Brisanz. Seit Zoran Barisic Rapid-Cheftrainer ist, wechselten einige Leistungsträger aus der Südstadt zu Rapid: Dibon (mit Umweg Salzburg), Auer und Schwab. Der nunmehrige Red-Bull-Spieler Sabitzer kam zwar wenige Monate vor Barisic' Bestellung zu Rapid, reifte aber unter der Führung des 45-Jährigen zu einem der besten Flügelspieler der Liga. Und von den sechs Ex-Rapidlern bei der Admira hat Barisic bis auf Schößwendter und Egho ohnehin alle selbst trainiert.

Am schwersten fiel ihm der (leihweise) Abschied von Dominik Starkl: "Er hat ein enormes Potenzial, wurde aber durch Verletzungen immer wieder gebremst." Nicht zu bremsen ist der 21-Jährige derzeit bei der Admira: Vier Tore und zwei Vorlagen kann der flinke Stürmer vorweisen.

Viele Chancen

Zuvor durfte sich Toptalent Starkl 47-mal im Rapid-Trikot versuchen. Nur ein aktueller Admiraner kam auf noch mehr Einsätze für Grün-Weiß: Lukas Grozurek. Mit 81 Spielen bei den Profis (aus dem aktuellen Rapid-Kader kommen nur fünf Feldspieler auf mehr Einsätze) hat der 23-Jährige mehrmals seine Chance bekommen, Sportdirektor Andreas Müller verzweifelte am Offensivspieler: "Ich traue nicht so vielen Rapidlern die Deutsche Bundesliga zu. Lukas hätte das Potenzial dazu gehabt. Egal, was wir probiert haben, er konnte es im Spiel nicht dauerhaft abrufen."

In Admira-Trainer Oliver Lederer fand Grozurek einen Gleichgesinnten. Auch dem 37-Jährigen blieb einst die ganz große Rapid-Karriere verwehrt. "Bei Rapid musst du einfach mehr sein als ein talentierter Spieler", sagt er.

Sein Gegenüber, Zoran Barisic, ist wiederum voll des Lobes für die Nachwuchsarbeit der Admira: "Sie bilden immer wieder Spieler sehr gut aus." Vielleicht vermeldete Rapid auch deshalb voller Freude im Frühjahr eine Verpflichtung: jene von Walter Knaller, dem langjährigen Akademieleiter der Admira.