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© APA/AFP/RAUL ARBOLEDA / RAUL ARBOLEDA

Sport Fußball
11/28/2021

Fünf Jahre nach tragischem Flugzeugabsturz: Chapecoense steigt ab

Am 28. November 2016 starben 71 Menschen und fast das ganze Team bei der Flugzeugkatastrophe in der Nähe von Medellin.

Das letzte Erfolgserlebnis gab es am 12. September mit einem Erfolg bei Bragantino. 2:1 gewann Chapecoense, in den folgenden 14 Spielen gab es nur noch fünf Remis. Doch beim brasilianischen Klub ist sportliche Erfolglosigkeit eine Kleinigkeit gegenüber den menschlichen Dramen, die sich am Sonntag zum fünften Mal jähren.

Der Klub aus der Stadt Chapeco mit etwas mehr als 200.000 Einwohnern hatte erstmals ein Finale in einem internationalen Bewerb, in der Copa Sudamericana. Am 28. November reiste die Mannschaft aus dem Bundesstaat Santa Catarina zum Spiele gegen Atlético Nacional nach Kolumbien. Kurz vor Medellin krachte das Flugzeug gegen einen Berg. 71 Personen starben beim Absturz. Ein im März 2019 an einem Herzinfarkt verstorbener Journalist, zwei Flugbegleiter und drei Spieler überlebten das Unglück.

Tormann Jakson Follmann wurde nach seiner Rettung ein Teil des rechten Unterschenkels amputiert. Linksverteidiger Alan Ruschel erlitt mehrere Knochenbrüche. Innenverteidiger Neto konnte kurz nach einem ungefährlichen Hirnödem stabilisiert werden. Zehn weitere Spieler aus dem Kader Chapecoenses waren in Brasilien geblieben und befanden sich deshalb nicht in der abgestürzten Maschine.

Der Verein lehnte das Angebot des Verbandes ab, dass man drei Jahre nicht absteigen müsse. Ebenso das Angebot des Rücktritts vom Rücktritt von Spielern wie Ronaldinho, Riquelme und Gudjohnsen. Chapecoense schaffte trotzdem den Klassenerhalt und blieb auch 2017 und 2018 in der höchsten Liga, der Serie A. Ende 2019 war es aber dann so weit: Drei Jahre nach dem Absturz stieg der Klub ab, schaffte aber sofort den Wiederaufstieg. „Ich möchte Gott für die Gelegenheit danken“, sagte Kapitän Alan Ruschel. Der 32-Jährige wechselte nach dem Wiederaufstieg zu Cruzeiro Belo Horizonte. Er ist der einzige Überlebende, der noch spielt. Neto bestritt aber keine Profipartie mehr und beendete im Jahr 2019 seine Karriere. Er arbeitete danach im Management von Chapecoense und war auch für ein Spiel Trainer.

Drei Trainer in diesem Jahr verbraucht

Chapecoense zeigt in dieser Saison, was an südamerikanischen Klubs als typisch erachtet wird: Sie feuern ganz gerne ihre Coaches. Im April 2021 wurde Umberto Louzer gefeuert, mit ihm gelang der Aufstieg, und er wurde einen Tag nach der Entlassung Coach von Recife. Im Mai musste dessen Nachfolger Mozart gehen. Dessen Nachfolger Pintado verabschiedete sich im Oktober. Derzeit coacht daher schon zum dritten Mal in diesem Jahr interimshalber Felipe Endres. Es scheint der Trainerrauswurf zur Tradition zu werden. Eine sentimentale Tradition aber gibt es im Stadion Conda: Die Fans ehren die 71 Opfer der Flugzeugkatastrophe in der 71. Minute bei jedem Heimspiel mit dem Ruf „Vamos, vamos, Chapé!“

Der größte Glückspilz heißt aber Erwin Tumiri, der als Flugbegleiter an Bord war. Im März dieses Jahres überlebte er einen Busunfall in seiner Heimat Bolivien, bei dem 21 Personen getötet wurden, mit leichten Verletzungen. Der Bus war von der Strecke abgekommen und gut 150 Meter einen Abhang hinuntergestürzt. „Ich bin wie eine Katze herausgekrochen, meine Knie taten sehr weh“, sagte Tumiri, der beim Unglück diesmal einer von 30 Überlebenden war.

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