Marcel Sabitzer und Co. wanderten knapp am Bauchfleck vorbei

© APA/AFP/JOE KLAMAR

Sport Fußball
11/16/2020

Beinahe blamiert: Wie sich Österreichs Team selbst bremst

Trotz fünftem Sieg in Serie: Mit sieben Defensivspielern und schlechtem Positionsspiel wird das ÖFB-Team weiter Probleme bekommen.

von Andreas Heidenreich, Alexander Strecha

Es ist die 78. Minute, Franco Foda wechselt und bringt Louis Schaub statt Julian Baumgartlinger, sowie Adrian Grbic für Andreas Ulmer. Zwölf Minuten vor dem Ende hat Österreich beim Stand von 0:1 damit erstmals mehr als zwei Offensivspieler auf dem Platz. Daheim gegen Nordirland, die Nummer 41 der FIFA-Weltrangliste.

Schaub gleicht wenige Minuten nach seiner Einwechslung zum 1:1 aus, Grbic schießt die Österreicher kurz darauf zu einem 2:1-Sieg. Man könnte dem Teamchef an dieser Stelle ein hervorragendes Händchen für Spielerwechsel attestieren.

Oder aber man sieht darin logische Schritte, um eine totale Blamage – mit Erfolg – abzuwenden.

Pflicht erfüllt

Fußball ist ein Ergebnissport, Österreichs Team erfüllt schließlich gegen Nordirland die Pflicht, holt den fünften Sieg in Serie und ist nur noch einen Schritt vom Gruppensieg in der Nations League entfernt. So weit, so gut.

Das Spiel gegen die Briten bietet allerdings die beste Gelegenheit, Resultat und Leistung unabhängig von einander zu beurteilen. Denn das am Sonntag Gezeigte – zumindest über rund 80 Minuten – entspricht nicht dem Anspruch des österreichischen Fußballs.

Eine Auswahl aus zehn Spielern der Deutschen Bundesliga (von denen Österreich mittlerweile über 30 hat), ergänzt durch den Kapitän von Österreichs Champions-League-Starter Salzburg, war nicht in der Lage, zumindest zwei oder drei Torchancen gegen Nordirland herauszuspielen.

Was also hat dem Spiel der Österreicher gefehlt? Was muss besser werden?

  • Aufstellung als Signal

Wer mit Lainer, Ulmer, Dragovic, Hinteregger, Baumgartlinger, Ilsanker und Alaba gleich sieben Defensivspieler ins Rennen schickt, darf nicht zwingend viele Lösungen im Offensivspiel erwarten. Fodas Aufstellung wirkte wie ein Signal zur Vorsicht, vermittelte schon gar nicht die pure Angriffslust. Kurzum: Man begegnete einem defensiven Gegner mit Defensive.

  • Positionierung

Nordirland stellte sich mit einer Fünferabwehrkette und drei zentralen Mittelfeldspielern davor hinten rein. „Sie haben genau so gespielt wie in Norwegen“, sagte Foda im Anschluss. Obwohl man vom Gegner also nicht überrascht wurde, hatte man kein probates Mittel. Dabei war offensichtlich, dass dem Spiel der Österreicher vor allem die Breite fehlte. Die offensiven Flügel Alaba und Schlager rückten in die Mitte, Österreichs Außenverteidiger aber kaum nach vorne. Genau dort hätte man die Außenverteidiger der Gäste binden und somit die Abwehrkette auseinanderziehen können, wodurch wiederum im Zentrum mehr Raum entstanden wäre. Durch das schlechte Positionsspiel machten die Österreicher selbst die Räume eng.

  • Präzision

Wie man einen tief stehenden Gegner erfolgreich ausspielen kann, hatte Österreich voriges Jahr beim 6:0 in Salzburg gegen Lettland eindrucksvoll bewiesen. Je enger der Raum, desto präziser muss das Spiel gestaltet werden, um den Gegner auszuspielen. Gegen Nordirland verschleppte man die Aktionen, die Laufwege zwischen die gegnerischen Linien kamen zu selten zustande.

  • Pressing

Das „Spiel gegen den Ball“, wie es in der Moderne gerne genannt wird, war viel zu passiv. Vor dem Gegentor spielten die Nordiren den Ball vom eigenen Torhüter über acht Stationen bis an den Strafraum der Österreicher, die keinen Zugriff bekamen.

Ohne einer Steigerung wird es auch am Mittwoch schwer werden. Denn wie seit Montag bekannt ist, reist Norwegen mit einer komplett neu zusammen gewürfelten Mannschaft nach Wien. Die ursprüngliche Auswahl um Stürmerstar Haaland durfte wegen des positiven Tests eines Spielers nicht das Land verlassen.

Unter den 18 Spielern sind immerhin noch 17 Legionäre, nur der frühere Rapidler Veton Berisha verdient sein Geld in der Heimat bei Viking Stavanger.

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