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Austria-Präsident: "Es wird viel Stumpfsinn in die Welt gesetzt"

Austria-Präsident Kurt Gollowitzer spricht über den Rücktritt von Michael Wagner, den Syndikatsvertrag, den Rückkauf von Anteilen und dumme Gerüchte.
Kurt Gollowitzer Austria Wien Fußball

Der Austria-Präsident unterstützt Austria bei  der WM. Kurt Gollowitzer reiste nach San Francisco zum Spiel gegen Jordanien, ebenso wie Michael Wagner, der vor Kurzem seinen Rücktritt als Austria-Sportdirektor erklärt hatte. Über den Weg liefen die beiden einander nicht. 

Gollowitzer hatte abseits der WM Zeit und Muße, seinen Gedanken über die Austria freien Lauf zu lassen.

Hat es Sie überrascht, dass Michael Wagner den Posten als Sportdirektor zurücklegte?

Kurt Gollowitzer: Ja, dies war für uns alle ein sehr überraschender Schritt. Leider gab es innerhalb der sportlichen Leitung Auffassungsunterschiede und Michael hat die diesbezüglichen Konsequenzen gezogen. Ich bedauere seinen Schritt sehr, wiewohl wir diesen akzeptieren. Michael ist sehr geradlinig und authentisch und hat in einer schwierigen Phase einen sehr guten Job gemacht.

Die Kommunikation innerhalb der sportlichen Leitung soll überhaupt nicht funktioniert haben. Stimmt das?

Das kann ich aus meiner Rolle nicht wirklich beurteilen, da ich im sportlichen Tagesgeschäft nicht involviert bin. Ich denke aber, dass man dies so nicht stehen lassen kann, es wurden viele Dinge auch im Einklang erledigt. Bei manchen, aber doch wesentlichen Entscheidungen gab es jedoch zwei Meinungen, und Michael hat die Konsequenzen gezogen.

Hat nun Sportvorstand Tomas Zorn das alleinige Sagen?

Im sportlichen Bereich ist Tomas der oberste Entscheidungsträger und muss dafür auch entsprechend Verantwortung übernehmen. Dennoch ist er ein Teamplayer, und Entscheidungen werden bei Austria Wien auf einer breiten Basis, vor allem mit der Sportdirektion und in finanzieller Absprache mit dem Finanzvorstand und dem Aufsichtsrat getroffen. Alleingänge gibt es bei uns nicht.

Ist die sportliche Abteilung so aufgestellt wie Sie sich das wünschen, oder muss noch adaptiert werden?

Der Sportbereich bei Austria Wien ist hoch kompetent aufgestellt und genießt mein Vertrauen. Wir legen den Fokus auf den eigenen Nachwuchs und hatten damit in den letzten Monaten durchwegs Erfolg. Allein die Installation der jungen Akademiker Saljic, Maybach und Markovic spricht für sich. Das Scouting wurde verstärkt, dass auch am internationalen Sektor die richtigen Spieler gefunden werden. Wir erwarten uns in diesem Bereich zeitnah entsprechende Resultate.

Wie ruhig ist es bei der Austria derzeit im Hintergrund?

Bei Austria Wien ist es selten ruhig. Es gibt viele Stakeholder und Gesellschafter mit unterschiedlichen Ausrichtungen und Präferenzen. Es ist oft nicht leicht sich in diesem komplexen Umfeld zurecht zu finden, meine Mitarbeiter machen dies aber sehr gut. Ich spüre eine große Fokussierung im Unternehmen und die Leute konzentrieren sich auf das Wesentliche.  

Gollowitzer Zagiczek Austria Wien

Welche Punkte stehen in den kommenden Monaten an, die erledigt bzw. umgesetzt werden müssen?

Wir befinden uns aktuell in der wichtigen Phase der letztendlichen Kaderzusammenstellung für die kommende Saison. Eine gute und konkurrenzfähige Mannschaft zu haben ist unsere oberste Priorität. Man kann gespannt sein, welche Akademiker in der kommenden Saison den Durchbruch schaffen. Operativ erledigen wir unsere Hausaufgaben, um unsere wirtschaftlichen Ziele zu erreichen.

Die Austria versucht seit geraumer Zeit die Anteile der Investmentgruppe WTF mit Jürgen Werner zurückzukaufen. Warum ist das bisher nicht geschehen?

Es handelt sich dabei um eine wichtige und richtungsweisende Entscheidung für Austria Wien, diese muss sehr sorgfältig durchdacht sein. Ich habe schon des Öfteren gesagt, dass ich die Anteile für den Verein zurück erwerben möchte, dabei aber kein zu hohes finanzielles Risiko eingehen werde. Der Weg der erfolgreichen Schuldenreduktion wird weitergeführt. Wir sind gerade dabei, im Rahmen eines internationalen Bieterverfahren potentialreiche Kapitalgeber zu definieren.  

Ist es nach wie vor ein wichtiges Ziel, diese Anteile zu kaufen? Warum eigentlich?

Aus Sicht des Vereins ist es meines Erachtens sehr wichtig die Mehrheit in der FK Austria Wien AG abzusichern. Es gilt hier die Identität des Klubs und eine über 115 Jahre andauernden Tradition zu sichern. Das bin ich den Fans und Mitgliedern schuldig. Ich bin dagegen, dass Finanzinvestoren die Mehrheit in einem Fußballklub halten und das alleinige Sagen haben. Andererseits war ich mit der sportlichen Performance der letzten Jahre auch nicht 100 Prozent zufrieden und hier müssen wir einfach besser werden. Die Sportstrategie der letzten Jahre, welche in der Kompetenz unseres Finanzinvestors lag, war nicht so erfolgreich wie gehofft. Es gab keine internationale Gruppenphase, die Transfers waren nicht vorhanden und die Spieler der eigenen Akademie wurden nicht forciert. Das wird sich ändern müssen! Obwohl uns wirtschaftlich in den letzten Jahren viel gelungen ist, braucht es einen nachhaltigen sportlichen Erfolg, der nicht gegeben war. Hier muss der Verein seinen Einfluss geltend machen.

Ist es mittelfristig auch das Ziel, die restlichen Anteile der Viola Investment zu kaufen?

Ja, das ist das Ziel. Wir sind allen Viola Gesellschaftern für deren Einstieg in einer schwierigen Phase zu Dank verpflichtet, möchten die Anteile wieder aber mittelfristig in das Eigentum des Vereins bringen.

Bei den Investoren gibt es einen Syndikatsvertrag, der der WTF viel Macht verleiht. Ist die Austria darin gefangen?

Der Syndikatsvertrag regelt wesentliche Kompetenzen im sportlichen Bereich. Hier erwarte ich auch entsprechenden Erfolg, andererseits müssen hier Dinge verändert werden. Der Verein war immer ein verlässlicher Partner und streng vertragstreu, das gleiche erwarte ich seitens des Mitgesellschafters.

Warum hat man damals diesen Vertrag eigentlich unterschrieben? War die Austria finanziell dermaßen vor dem Abgrund?

Dieser Vertrag wurde vor meiner Zeit im Zuge des Anteilsverkaufs abgeschlossen, und wir müssen diesen akzeptieren. Dennoch hat der Verein, wenn auch nur knapp eine Mehrheit in der FK Austria Wien AG und spielt diese bei Bedarf, immer zum Wohle des Klubs, aus. Dass der damalige Verschuldungsgrad existenzbedrohend war, ist kein Geheimnis, umso mehr bin ich erleichtert, was uns in den letzten drei Jahren alles gelungen ist.

Wird man den Vertrag irgendwann auflösen können?

Dieser Vertrag ist mit den Gesellschaftsanteilen gekoppelt. In einem Rechtsstaat sind Verträge einseitig natürlich nicht auflösbar, wie wir alle wissen. Das wäre auch nicht unser Ansinnen. Dennoch beobachte ich die Möglichkeiten sehr genau.

Welche Rolle hat der Vertrag bei der Bestellung von Tomas Zorn gespielt?

Das Vorschlagsrecht des Sportvorstandes liegt bei den Investoren, und Tomas wurde von dieser Seite nominiert. Der Verein hat ein einmaliges Vetorecht, vor allem aus Gründen der Qualifikation. Wird dieses ausgeübt, muss der zweite Kandidat akzeptiert werden! Tomas hat zuvor den Verwaltungsrat einstimmig überzeugt, und erst danach erfolgte auch die einstimmige Zustimmung im Aufsichtsrat.

Der KURIER hat Ihnen bei der Zorn-Bestellung eine Schlüsselrolle zugewiesen. Warum haben Sie das vehement von sich gewiesen?

Als Präsident und Vertreter des Haupteigentümers liegt es in der Natur der Sache eine wichtige Führungsrolle in diesem Konstrukt innezuhaben. Zurückgewiesen habe ich eine Alleinentscheidungsbefugnis. Den Prozess habe ich in der vorigen Frage erklärt. Es liegt viel mehr daran, dass die Einleitung des Rekrutierungsprozesses und die Nominierung des Sportvorstandes nicht in den Händen des Vereins liegt, und ich hier einfach kein Mandat hatte. Wie erwähnt, wir sind vertragstreu, beobachten die Situation aber sehr genau.  

Der Vertrag von AG-Vorstand Harald Zagiczek läuft im Oktober aus. Wollen Sie ihn verlängern?

Ich habe bereits mehrfach klar erwähnt, dass Zagiczek der Kandidat des Vereins ist und unser uneingeschränktes Vertrauen besitzt. Dies hat im Übrigen auch der Verwaltungsrat des Vereins so beschlossen. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft und seine Leistungen der letzten drei Jahre sind unbenommen. Der Lizenzhattrick in erster Instanz, der Schuldenabbau und der Stadionverkauf haben in der FK Austria Wien AG unter seiner Leitung vieles zum Besseren gedreht. Der Rucksack bei seinem Antritt 2023 war gewaltig schwer. Die Resultate sprechen für ihn.

Die WTF, die im Aufsichtsrat die Minderheit besitzt, spricht sich gegen eine Verlängerung von Zagiczek aus. Bringen Sie als Präsident die Austria-Mitglieder im Aufsichtsrat auf Schiene für eine Entscheidung pro Zagiczek? 

Sämtliche Aufsichtsräte sind weisungsfrei und entscheiden eigengeständig. Auch diese haben die Resultate von Zagiczek gesehen und sind zufrieden, dass die Austria diese wirtschaftliche Entwicklung genommen hat. Er konnte und hat es nicht allen Gesellschaftern Recht gemacht. Ich gehe aber davon aus, dass auch die Viola-Aufsichtsräte eine objektive und rationale Entscheidung zum Wohle der AG treffen, dazu sind sie als Aufsichtsrat verpflichtet und eine Entscheidung gegen einen erfolgreichen Vorstand, der nachweislich alle seine Ziele erreicht hat, wäre verwunderlich.  

Stimmt es, dass sich die Austria beim Kauf der WTF-Anteile auch zeitnah von Tomas Zorn trennen könnte?

Über personalrechtliche Angelegenheiten von Austria Wien Mitarbeitern gebe ich grundsätzlich keine öffentlichen Auskünfte. Tomas hat einen Vertrag bei Austria Wien und genießt unser Vertrauen.

Stimmt es, dass Sie ein Beratungsunternehmen besitzen, und Jürgen Werner ein Kunde von Ihnen ist? Dieses Gerücht kursierte zuletzt.

Dieses Gerücht ist lächerlich und sogar bizarr. Jürgen Werner ist natürlich kein Kunde von mir und meinem Unternehmen. Dies wäre doch sehr skurril, und es verwundert mich immer wieder aufs Neue welcher Stumpfsinn über Austria Wien und die involvierten Menschen in die Welt gesetzt wird.

Was wünschen Sie sich als Präsident für die kommende Saison?

Dass unser junger Weg so weitergeht, noch mehr Talente aus dem eigenen Nachwuchs ihre Chancen in der Kampfmannschaft nutzen werden. Wenn dies einigermaßen, so wie in den letzten sechs Monaten passiert, können sich alle Austrianer auf eine neuerlich sehr spannende Saison freuen. Ich wünsche mir auch, dass unser Fan- und Mitgliederzustrom mit diesen unglaublichen Wachstumsraten so weitergeht. Wichtig ist für mich auch, dass wir auf unseren Konsolidierungsprozess nachhaltig drauf bleiben. Austria Wien liegt im Trend - und das soll so bleiben.

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