© WSG Swarovski Tirol

Fußball
07/03/2019

Aufsteiger Wattens: Ein neues Logo macht noch keinen neuen Verein

Der Name WSG Swarovski Tirol soll Erinnerungen an erfolgreiche Zeiten wecken. Offen bleibt, ob die Fans den Klub annehmen.

von Christoph Geiler

Wer Diana Langes-Swarovski in den Sozialen Netzwerken verfolgt, der kann leicht einmal die Orientierung verlieren. Die Präsidentin von Aufsteiger WSG Wattens und Tochter von Gernot Langes, der mit einem Anteil von 17 Prozent der größte Gesellschafter des Kristallimperiums Swarovski ist, scheint immer auf Achse zu sein. Malediven, Marbella, Venezuela - die Tirolerin gibt sich gerne als Frau von Welt.

Im Fußball mag's Diana Langes dann eher bodenständig: Wenn sie über ihren Klub spricht, dann fällt schon einmal das Wörtchen "Bauernverein", bei der Meisterfeier fuhren die Wattener Spieler stilecht im Traktor vor, und könnte die Präsidentin ihre Pläne verwirklichen, dann wird in Wattens schon bald ein kleines Stadion in Holzbauweise stehen.


Bei so viel Regionalität verwundert's dann auch nicht weiter, dass ab sofort der Tiroler Adler formatfüllend das neue Logo des Bundesliga-Aufsteigers ziert, der sich auch gleich noch einen neuen Namen verpasst hat: Die Buchstaben WSG stehen nicht mehr für Werkssportgemeinschaft, künftig firmiert der Verein als Wattener Sportgemeinschaft Swarovski Tirol. Der Name soll nicht nur Erinnerungen an die erfolgreiche Ära des FC Swarovski Tirol in den 1980er Jahren wecken (zwei Meistertitel, UEFA-Cup-Semifinale), mit der Namensänderung will Langes-Swarovski vor allem die Fans im ganzen Bundesland auf ihre Seite ziehen.

Kann das funktionieren? Werden sich die Tiroler tatsächlich auf Knopfdruck für einen Verein begeistern können, den sie bisher links liegen gelassen haben? Kann die WSG Wattens wirklich massentauglich werden, nur weil sie jetzt WSG Swarovski Tirol heißt und in der Bundesliga am Ball ist?

Die Verantwortlichen in Wattens scheint vor dieser Saison jedenfalls der Abstiegskampf weit weniger Sorgen zu bereiten als der Kampf um die Tiroler Zuseher. Beinahe in jedem Gespräch kommt die Sprache über kurz oder lang auf das bekannt kritische Tiroler Fußball-Publikum und drohende Heimspiele vor verwaisten Rängen im riesigen Tivolistadion, in dem WSG Swarovski Tirol seine Partien austragen muss.

Die Ängste sind nicht unbegründet. In der Vergangenheit war der Klub aus der Marktgemeinde Wattens stets im Schatten von Wacker Innsbruck gestanden, der emotional die klare Nummer eins im Lande ist. Die WSG galt bislang nicht wirklich als Publikumsmagnet, in der abgelaufenen Zweitliga-Saison landete der Meister mit einem Zuschauerschnitt von 1114 Besuchern nur an sechster Stelle. Zum Vergleich: Vizemeister Ried begrüßte pro Heimspiel 3400 Fans.

Diese fehlende Begeisterung erklärt auch, weshalb sich der Aufsteiger dafür entschieden hat, nur zwei der vier Tribünen im Tivolistadion zu öffnen. Auch die Finanzchefs des Vereins rechnen vorsorglich nicht mit hohen Zuschauereinnahmen und haben nur einen Schnitt von 2800 Fans einkalkuliert. Im Idealfall erhofft sich der Aufsteiger 3800 Besucher pro Heimspiel.

Noch ist unklar, wie und ob der Liga-Neuling die Fans auf seine Seite ziehen kann. Auf dem Transfermarkt agierte WSG Swarovski Tirol bisher jedenfalls zurückhaltend und verzichtete auf die spektakulären Coups. Zlatko Dedic ist noch die prominenteste Neuverpflichtung, den slowenischen Stürmer kennen die Tiroler Fußballfans schon aus seinen Innsbrucker Zeiten.

"Bei uns muss es sportlich über den Teamspirit und die Mannschaft gehen", weiß Sportchef Stefan Köck. Und in Sachen Publicity? Da setzt der Aufsteiger auf den Aha-Effekt und seine Präsidentin. Diana Langes ist, wenn man so will, das Gesicht und der Star des Vereins. In den ersten Heimspielen dürfen die Wattener daher durchaus auf Interesse hoffen. Ob sich die Tiroler aber langfristig für den neuen Verein begeistern können, wird vor allem vom sportlichen Erfolg abhängen.