Elstner stand selbst gerne (im Bild mit Hans Krankl) auf der Bühne.

© KRISTIAN BISSUTI/Kristian Bissuti

Sport
06/21/2021

Tod von Peter Elstner: Eine ORF-Reporterlegende ohne Feinde

Der 81-Jährige verstarb bei einem Badeunfall an der Neuen Donau. Es gab kaum Spitzensportler, die keine gute Meinung von ihm hatten

von Wolfgang Winheim

Er hätte beim Länderspiel gegen die Ukraine vor dem Fernsehapparat aufgeregt mitgefiebert. Hätte sich geärgert über manche verkorkste Spielsituation. Und im nächsten Atemzug eine Entschuldigung dafür gefunden.

Peter Elstner, der Sportreporter ohne Feinde, durfte das EM-Spiel nicht mehr erleben. Sonntagabend ist er bei einem Badeunfall in der Neuen Donau ums Leben gekommen. Feuerwehrtaucher fanden den Leichnam der Sportreporter-Legende.

Er kenne die Unglücksstelle, sagt der tief betroffene ehemalige Teamchef Josef Hickersberger.

„Sie befindet sich am Radweg, auf dem ich oft fahre.“ Auch ihn habe das einladende Platzerl wiederholt dazu animiert, einen Sprung in die Neue Donau zu machen.

Eine Begebenheit mit Hickersberger hatte Elstner im Herbst 1989 unfreiwillig zu Kultstatus verholfen, als er in der Funktion des Live-Reporters verzweifelt an die österreichische Kabinentür klopfte mit den Worten: „Pepi, lass“ mi eine.“

Was die TV-Zuseher ebenso wie Hickersberger und dessen Spieler nicht wussten: Die schon davor am Spielfeldrand erfolgten Sieger-Interviews hatten wegen Leitungsproblemen im ORF nicht gesendet werden können.

Später wurden Hickersberger und Elstner die besten Freunde. Wie überhaupt es schwer bis unmöglich war und ist, einen Spitzensportler zu finden, der von Elstner keine gute Meinung hat.

Kultcharakter erlangten auch Live-Sendungen mit Elstner am Loipenrand. Wie 1998 bei Olympia in Nagano, als Markus Gandler die erste Langlaufmedaille eroberte. Und wie 1999, als die österreichische Staffel WM-Gold holte, obwohl Michail Botwinow gestürzt war. Erschüttert schrie Elstner ins Mikrofon: „Boti, bitte steh auf.“ So lautet auch der Titel von einem seiner drei Bücher, in denen er die Höhepunkte seines Reporterlebens schilderte.

Immer aktiv

Aber Peter lebte nicht in der Vergangenheit, sondern arbeitete gerne mit jungen Leuten. Viele der jetzigen Kommentatoren wurden durch ihn geschult.

Noch in der Pension fungierte er bei Rapid als Mediencoach, um jungen Spielern Einblicke in journalistische Arbeit zu geben. Und noch in den letzten Wochen war Peter Elstner täglich zwei Stunden lang am Wilhelminenberg gejoggt oder schnell marschiert, um so gegen ein Parkinson-Leiden anzukämpfen. Das war bei dem dreifachen, feinfühligen Vater ausgebrochen, nachdem seine Tochter während ihres Tiroler Urlaubes bei einem durch einen defekten Gaskocher ausgelösten Unfall ums Leben gekommen war.

Peter Elstners zweite Leidenschaft neben dem Sport galt der Musik. Gemeinsam mit ORF-Legende Sigi Bergmann gehörte er dem Kuratorium der Sankt Margarethener Festspiele an. Während Tourneen mit dem Fußballjournalisten-Team griff Peter Elstner oft singend zur Gitarre. Auch sein „My Way“ wird mir unvergessen bleiben.

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