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Winheims Tagebuch
06/21/2021

Wie sich Hickersberger 1989 mit der Sowjetunion auf ein 0:0 einigte

Das ÖFB-Team kämpft gegen die Ukraine um das EM-Achtelfinale. Vor 32 Jahren gab es bereits eine Absprache mit der Sowjetunion.

von Wolfgang Winheim

Die montägige Partie bedeutet Premiere und Entscheidungsspiel zugleich. Auf Ukrainer traf Österreich in einem Bewerb bisher noch nie. Genau genommen ist diese Behauptung falsch. Denn: Die sowjetische Nationalelf, gegen die Österreich 1988/’89 zweimal antreten musste, war – heute unvorstellbar – mit Dynamo Kiew ident. Gecoacht vom ukrainischen Fußballweisen Walerij Lobanowskyj.

Rund um das Wiener WM-Quali-Retourspiel rankt sich eine – lang geheim gebliebene – Geschichte. Es begab sich in der ersten Septemberwoche 1989 – Marko Arnautovic lag 18 Wochen jung noch in den Windeln – als offenbar auch Lobanowskyj die Hos’n voll, sprich, enormen Respekt vor Toni Polster und Co. hatte.

Im ÖFB-Quartier am Wiener Handelskai wurde Teamchef Pepi Hickersberger – Handys gab’s noch keine – ans Telefon gerufen.

Hickersberger dachte zunächst an einen Ö3-Scherz, stellte sich der Anrufer doch als Lobanowskyj vor. Als jener gegnerische Feldherr, der als großer Schweiger galt.

Lobanowskyj schlug ein Geheim-Treffen vor. Zu dem es mit dem skeptischen Hickersberger in Schönbrunn tatsächlich kam. Das war die erste Überraschung. Die zweite: Lobanowskyj regte an, sich auf ein Remis zu einigen, das beiden am Weg zur WM helfe. In diesem Fall würde er, Lobanowskyj, alles dafür tun, dass sein Team die Türkei bezwingt.

Hickersberger verschwieg den Vorschlag gegenüber seinen jungen Spielern, zumal denen auch bei vollstem Einsatz kaum mehr als Unentschieden zuzutrauen war. Zu dem es letztlich reichte. 0:0.

Lobanowskyj schloss daraus, dass sich Österreich an die Abmachung gehalten hatte. Und stand seinerseits zum Wort, in dem er seinen Spielern vor’m letzten Match gegen die Türkei, als die UdSSR im Gegensatz zum ÖFB-Team schon fix qualifiziert war, drohte: Jeden, der nicht voll spielt, werde er bei der WM daheim lassen. Worauf die Sowjets, pardon Ukrainer, Vollgas gaben, die Türkei 2:0 schlugen, während Österreich dank einem 3:0 gegen die DDR die (nach einem 0:3 in der Türkei ) bereits verloren geglaubte letzte Quali-Chance nutzte.

Somit durfte auch Österreich zur WM 1990 nach Italien fahren. Wo übrigens Experten aktuell von Österreichs Team rein gar nichts halten. „Austria inferiore in tutti reparti!“

Österreich in allen Belangen inferior, urteilt die Gazzetta dello Sport, technische, körperliche und vor allem taktische Defizite bei Franco Fodas Truppe ortend. Mehr noch: Laut der Mailänder Sportbibel seien die Türkei, Österreich und Finnland die drei schlechtesten Teams. Was freilich nicht ausschließt, dass einer der 16 EM-Aufsteiger Österreich heißt. Fürs Achtelfinale würde vermutlich sogar – erraten – ein 0:0 zu reichen. Foda wäre allerdings schlecht beraten, die Taktik darauf anzulegen.

Ein Anruf von Ukraine-Teamchef Andrij Schewtschenko wird sicher nicht erfolgen. Auch wenn erster sportlicher Lehrmeister des Weltfußballers des Jahres 2004 ein gewisser Lobanowskyj war.

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