Sport
10.12.2017

Die lange Tradition des Missbrauchs

Macht wird auch im Skisport und Fußball mit Gewalt durchgesetzt und geduldet - seit Jahren.

Machtmissbrauch. Ein Wort, das die Klammer bildet für die Geschichten über grausame Vorfälle im Sport. Sei es sexualisierte Gewalt wie jene Vergewaltigungsvorwürfe der ehemaligen Rennläuferinnen Nicola Werdenigg und Helen Scott-Smith im österreichischen Skisport, oder das abartige Ritual des Pasterns im Fußball.

Das systematisierte Quälen eines neuen Mitspielers wurde vom KURIER bereits im August 2002 aufgedeckt, als sich ein 15-jähriger GAK-Nachwuchsspieler an die Öffentlichkeit wandte. Bei den Grazern war nicht nur das Gesäß des neuen Spielers mit einer brennenden Salbe oder mit Schuhpasta eingerieben,wie Generationen von Kickern ihre Neuankömmlingeim herkömmlichen Sinne "gepastert" hatten.

Beim GAK-Nachwuchs kamen zumindest in zwei nachgewiesenen Fällen Klobesen zum Einsatz, die mit Gels, Salben und Pasten präpariert in den After eingeführt wurden. Ein damals 13-Jähriger erlitt Darmverletzungen.

Ex-Teamspieler und KURIER-Kolumnist Paul Scharner schrieb in der Samstag-Ausgabe: "Bei mir selbst war es so, dass ich bei meinem ersten Trainingslager mit den Austria-Profis ein unauffälliger Mitläufer war. Beim zweiten Trainingslager bin ich den Arrivierten schon auf die Zehen gestiegen – aber nur sportlich, in der täglichen Auseinandersetzung auf dem Trainingsplatz. Die Antwort war, dass ich gepastert wurde."

Juristische Drohung

Im Interview mit dem Profil spricht auch Ex-Bundesliga-Spieler Peter Hackmair über die Übergriffe, die Jahre nach den ersten KURIER-Geschichten über das Pastern beim GAK passierten. Hackmair konnte bei Ried der Qual entgehen: "Ich hatte richtig Angst davor und sprach mit meinem damaligen Mentaltrainer darüber. Wir kontaktierten einen Rechtsanwalt, der den Verein mit möglichen juristischen Konsequenzen konfrontierte. Zunächst gab es ein Mords-Tamtam, doch schließlich hat der Verein das Pastern verboten. ... Auf unsere Initiative hin wurde es meines Wissens dann in allen Klubs unterbunden. Das war vor etwa zehn Jahren. Ich hoffe, dass das heute auch noch so ist." Doch erst in diesem Sommer kam es im Trainingslager des Wiener Sportclub zu einem Vorfall, bei dem ein Jugendlicher von mehreren Mitspielern mit Badeschlapfen geschlagen und das Video im Internet veröffentlich wurde.

Am Samstag äußerte sich auch Toni Innauer im Mittagsjournal auf Ö1 zu den Missbrauchsvorwürfen im Skisport. Dem Skisprung-Olympiasieger von 1980, der den ÖSV 2010 verlassen hat, war zumindest ein Fall aus den 70er Jahren aus dem Vorarlberger Skiverband bekannt. "Da wurden sogar Mädchen mit Schuhcreme am Hintern, im Genitalbereich eingeschmiert. Diese Sache wurde aber ruchbar und wurde von der Verbandsführung des Vorarlberger Skiverbandes auch geahndet." Die Täter wurden von den Rennen und den Trainings ausgeschlossen.

Getroffen habe es beinahe jemanden aus Innauers engstem Umfeld. "Einer meiner besten Freunde aus dem Skisprunglager hätte im Skigymnasium auch gepastert werden sollen. Er hat sich durch einen waghalsigen Sprung aus dem Fenster in Sicherheit gebracht."