© EPA/KIMIMASA MAYAMA

Sport

Das dicke Ende: der beste Sumoringer der Welt tritt zurück

Hakuho Sho beendet nach 1.187 Siegen seine zwanzigjährige Karriere. Der 36-Jährige war Aushängeschild des Sports.

von Silvana Strieder

10/03/2021, 05:00 AM

Sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins … so viele Sekunden dauert in etwa ein durchschnittlicher Sumokampf. Davon errang der beste Sumoringer der Welt unglaubliche 1.187 Siege. Doch nach über zwanzig Jahren ist jetzt Schluss, Hakuho Sho ist vor wenigen Tagen zurückgetreten. Weil er "auseinanderfalle" und zu wenig Kraft für die 15-tägigen Turniere habe, erklärte der 36-Jährige nach seinem letzten Sieg im Juli 2021. Erst wenige Monate zuvor im März war er am rechten Knie operiert worden.

Der gebürtige Mongole heißt eigentlich Mönchbatyn Dawaadscharga und war zwischenzeitlich neun Jahre lang ungeschlagen. Er ist einer von gerade einmal zwei Sumotoris im höchsten Rang im Sumoringen (Yokozuna). Der 45-fache Champion erhielt 2019 die japanische Staatsbürgerschaft und wird in Zukunft wohl als Trainer im Miyagino-Stall arbeiten.

Sumo ist in Japan seit dem achten Jahrhundert ein traditioneller Ringkampf. Ziel eines Kampfes ist es, den Gegner aus dem Ring zu schieben oder ihn dazu zu bringen, mit einem anderen Körperteil als den Füßen den Boden zu berühren.

Ernährung

Ein Kämpfer wiegt durchschnittlich 160 Kilogramm. Dafür verdrücken sie täglich zwischen 5.000 und 6.000 Kalorien, vor Turnieren auch 8.000. Das Mittag- und Abendessen kochen sie selbst: einen proteinreichen Eintopf (Chankonabe) mit Reis, gebratenem Zeug oder frittiertem Huhn.

Haare

Markenzeichen der Sumoringer ist ihr Dutt, der ursprünglich von den Samurai stammt. Die japanische Regierung schrieb vor, dass nur Sumoringer diese Frisur tragen dürfen. Täglich kommt ein speziell ausgebildeter Friseur und bindet ihnen mithilfe verschiedener Holzkämme, einem Faden aus Papierstreifen sowie Wachs und gehärtetem Kamillenöl den Dutt.

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Training

Sumotoris müssen über ein hohes Körpergewicht und einen nach unten verlagerten Schwerpunkt verfügen. Trainiert wird in der Früh auf nüchternem Magen. Dabei liegt der Fokus nicht nur auf bestimmten Techniken und Krafttraining, sondern vor allem auf einer hohen Explosivität, Standfestigkeit und Beweglichkeit. Viele Athleten können einen Spagat.

Gürtel und Kleidung

Im Ring tragen die Athleten einen sogenannten Mawaschi. Dieser Gürtel wiegt zwischen vier und fünf Kilogramm. Er ist in etwa neun Meter lang und circa 60 Zentimeter breit. Sumotoris im niedrigeren Rang tragen schwarze Baumwoll-Gürtel, während Athleten im höheren Rang ihn aus Seide tragen. Gebunden werden die Gürtel am Rücken. Der Mawaschi sollte früher zeigen, dass die Sportler unbewaffnet sind. Die Tradition sieht es vor, dass der Gürtel nicht gewaschen, sondern nur im Freien gelüftet werden darf. In der Öffentlichkeit müssen Sumoringer traditionelle japanische Kleidung und Holzsandalen tragen.

Ring

Der Kampfring hat einen Durchmesser von 4,55 Metern. Bevor gekämpft wird, präparieren die Sumotoris den Ring aus Sand. Seit Jahrhunderten gibt es eine Betretungszeremonie, bei der die Athleten den Mund mit einem "Kraftwasser" ausspülen und sich für die symbolische Reinigung Salz auf die Beine und in den Ring werfen. Salz wird in Japan auch verwendet, um Böses abzuwenden. Ein Ringrichter leitet den Kampf, unterstützt von fünf Außenrichtern. Die Kampfdauer ist auf drei Mal vier Minuten beschränkt.

Doch meistens ist alles nach Sekunden vorbei.

1996 kontaktierte der japanische Sumo-Verband erstmals österreichische Kampfsportverbände im Ringen und Judo. Sie erkundigten sich, ob Interesse an einer Teilnahme bei der Amateur-Weltmeisterschaft bestehe. "Wir wurden dann zu einem Trainingslager nach Japan eingeladen und sind mit einer Mannschaft hin", sagt Josef Schnöll, Sumo-Referent und Vizepräsident des österreichischen Ringsportverbands.

"Es gab Turniere, österreichische Meisterschaften mit 25 bis 30 Startern und drei Gewichtsklassen – Leichtgewicht bis 85 kg, bis 115 kg und über 115 kg. Selbst in den Medien war Sumoringen relativ populär, und einige Turniere wurden übertragen", erklärt Schnöll. 

Tradition und Moderne Der japanische Verband wollte Sumoringen in den 90ern olympisch machen, aber keine Frauen im Sport zulassen – das ging gegen ihre Tradition. "Die Europäer haben das trotzdem angestrebt, im Amateurbereich gibt es inzwischen  Frauen-Sumo", sagt Schnöll und erzählt, dass aus Europa fast nur noch Kämpfer aus dem Ostblock zu Europa- und Weltmeisterschaften gesendet werden. Das liegt am ukrainischen Präsidenten beim europäischen Sumo-Verband.

"Seit er an der Macht ist, hat der Osten das Ganze an sich gerissen und der Großteil der westlichen Nationen hat sich zurückgezogen." Bis 2010 wurde Sumo hierzulande relativ stark betrieben, aber ab 2012 ist kein Nachwuchs mehr nachgekommen, "weil sie gesagt haben, sie sind Ringer und keine Sumo-Ringer", betont Schnöll. Frauen haben den Sport in Österreich nie betrieben. 
 

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