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Sport
11/03/2020

Angst im Sport: Ganze Jahrgänge könnten im Lockdown wegbrechen

Durch die Pause aufgrund der Corona-Maßnahmen könnten erneut viele Kinder dem Sport den Rücken kehren.

von Peter Karlik, Alexander Strecha

Der zweite Lockdown in Österreich wird in der Sport-Welt nicht mehr so kritiklos hingenommen wie jener im Frühjahr. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel meldete sich bereits zu Wort, Fußball-Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer ebenfalls.

Peter Wimmer, Nachwuchsreferent des oberösterreichischen Eishockeyverbandes, Vizepräsident bei der oberösterreichischen Eishockey-Akademie und Funktionär beim EC Wels, spricht im KURIER über die Folgen des Lockdowns und über besonders unverständliche Auswirkungen der neuen Regeln. Wimmer stellt die rhetorische Frage: „Die Kinder dürfen den ganzen Tag gemeinsam im Klassenzimmer sitzen, aber warum dürfen sie danach nicht trainieren gehen?“

Schließlich haben die Sportvereine auch eine soziale Aufgabe und betreuen die Kinder, wenn die Eltern noch in der Arbeit sind. „Jetzt werden ihnen wieder die sozialen Kontakte genommen. Wir zerstören eine Generation“, ärgert sich Wimmer. Auch der Vergleich mit anderen Lebensbereichen im Lockdown verärgert den Nachwuchs-Funktionär: „Beim H&M soll jeder Kunde zehn Quadratmeter Platz haben. Aber wir dürfen nicht mit 40 Kindern auf 1.800 Quadratmetern Eis trainieren.“

Nicht verhältnismäßig

Da stimme die Verhältnismäßigkeit nicht. „Sollte es eine Übereinkunft geben, dass Eishockey wegen der Zweikämpfe in der Pandemie zu gefährlich bzw. ansteckend sei, dann soll man die Spiele absagen und die Kinder wenigstens weiter trainieren lassen.“

Schon der erste Lockdown habe katastrophale Auswirkungen im Eishockey gehabt. „30 bis 40 Prozent der Kinder haben aufgehört. Bei Wels sind von 80 Spielern nur 45 geblieben“, erzählt Wimmer, der gesellschaftliche Folgen befürchtet. „Für den E-Sport ist das eine super Sache, aber das wird uns noch ziemlich teuer kommen.“

Kurios sollten die Lockdown-Regeln für die U18- und die U16-Mannschaft der oberösterreichischen Akademie werden. 17 der 46 Spieler galten bis zur Klärung durch den Verband am Montag nicht als Spitzensportler und hätten daher nicht mehr  trainieren dürfen. Erst ein offizielles Schreiben von OEHV-Geschäftsführer Friedrich Nikolaus sorgte für Klarheit. Die Mannschaften unterhalb der österreichischen U16-Meisterschaft liegen aber auf Eis. Den Trainingsrückstand können die Kinder kaum aufholen. „In ein paar Jahren werden wir uns fragen, was mit diesen Jahrgängen los war“, ärgert sich Wimmer und fügt hinzu: „Das gilt natürlich für andere Sportarten genauso.“

Unverständnis

Auch für die Fußball-Mädchenteams der Vienna ging am Montag auf der Hohen Warte der Rollbalken runter. Für die Blau-Gelben ertönte von der Kampfmannschaft bis runter zu den Jüngsten der Pausenpfiff. Einige Kinder meinten verwundert: „In die Schule dürfen wir, aber nicht im Freien Sport machen.“

Improvisation ist nunmehr wieder gefragt, manche von den Jung-Kickerinnen weichen auf öffentliche Wiesen aus, um wenigstens ein Individualtraining abzuhalten. Doch wie viele Kinder haben tatsächlich die Gelegenheit dazu, wenn der Sport nicht im geregelten Betrieb eines Teams abläuft?

Alle Sportarten berücksichtigen muss Sport Austria, ehemals Bundessportorganisation. Deren Präsident Hans Niessl trägt die Maßnahmen der Politik mit, verweist aber auf das Paradoxon, dass mitten in einer Gesundheitskrise der gesunde Bereich, der Sport, großteils geschlossen wird. Um die Breiten- und Amateursportvereine durch die Krise zu führen, muss die Vereinsunterstützung des Bundes („NPO-Unterstützungsfonds“) so lange fortgesetzt werden, solange das Virus den Sportbetrieb einschränkt, so die Forderung des Präsidenten in seinem Sechs-Punkte-Plan.

PK "EIN BRIEF AN ZWEI MILLIONEN (SPORTVEREINSMITGLIEDER): NIESSL

Wünsch’ dir was

Den Vereinen müssen für die Zeit der massiven Einschränkungen auch tatsächliche Einnahmenausfälle entschädigt werden. Im „professionellen Ligabetrieb“ muss den Vereinen ebenso der tatsächliche Einnahmenverlust abgegolten werden und dies, so lange sich die Vereine an ZuseherInnen- und Gastronomie-Beschränkungen halten müssen.

Die Kosten für Coronatests müssen auch im Bereich des Sports übernommen werden. Außerdem ist eine Genehmigung zur Verwendung von Antigenschnelltests im Sport notwendig.

Für die Zeit nach der Krise muss es, so Sport Austria, seitens der Regierung ein gemeinsames Aktivierungsprogramm für den organisierten Sport geben. Gebraucht wird ein Wieder-Hochfahren des Sportbetriebes nach einem vorhersehbaren Plan mit Perspektiven. Alle Sportvereine, ganz gleich ob Amateure oder Profis, benötigen Planungssicherheit.

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