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Sport
10/31/2021

Allein unter Männern: Eine Salzburgerin und ihr blutiges Handwerk

Katharina Lürzer ist die erste Cutwoman Österreichs. Ein traumatisches Erlebnis brachte sie zum Boxsport und einer unerwarteten Karriere.

von Silvana Strieder

"Vor sechs Jahren wurde ich in der Stadt nach dem Ausgehen mit meiner Freundin überfallen." Sachlich, aber bestimmt erzählt Katharina Lürzer ihre Geschichte. Weder Verunsicherung, noch ein Zittern ist in ihrer Stimme zu hören. Dieses Erlebnis war die Geburtsstunde der ersten Cutwoman Österreichs – jener Person, die in den Rundenpausen Wunden des Kämpfers versorgt.

Die Salzburgerin hat die Vergangenheit längst verarbeitet, doch Erinnerungen bleiben: "Es waren viele Leute da, die nur zuschauten, doch mir half keiner", sagt die 32-Jährige. Trotz Verteidigungskursen konnte sich die Physiotherapeutin damals nicht aus den Griffen des Täters befreien.

"Wenn ein Mann da ist, der auch noch Muckis hat, dann musst du den Mut haben, dem ins Gesicht zu schlagen – doch den hast du einfach nicht. Damit das nicht noch einmal passiert, entschied ich mich, Boxen zu lernen", erzählt Lürzer.

Rocky und Creed

Der Weg in einen Boxklub war zugleich ihr erster Schritt in eine unerwartete Karriere. Schritt Nummer zwei folgte beim Besuch des Therapeuten Roland Aicher. "Wir blieben danach in Kontakt. Er erzählte mir von seinen Cutman-Kursen und fragte, ob ich mal den Anatomie-Unterricht halten möchte. Ich hatte keine Ahnung, was ein Cutman ist, aber ich sagte zu. Überraschenderweise gefiel es mir so gut, dass ich 2020 selbst einen Kurs absolvierte", sagt Lürzer, die damals die erste und einzige Frau war.

Roland Aicher ist der bekannteste Cutman des Landes und lernte sein Handwerk bei Jacob "Stitch" Duran – einem weltbekannten Cutman, der sogar in Hollywood-Filmen wie "Creed (1-3)", "Rocky Balboa" und "Das Schwergewicht" auftrat. Sein Motto: "Always giving the fighters one more round!" (zu Deutsch: den Kämpfern immer eine weitere Runde geben). Heute bemüht sich auch Katharina Lürzer, den Kampfsportlern diese weitere Runde zu ermöglichen.

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Als Cutwoman ist es ihre Aufgabe, die Hände der Athleten vor einem Kampf zu bandagieren und Wunden in den Rundenpausen zu versorgen. Wenn das Blut einer Wunde nicht in weniger als 60 Sekunden weitestgehend gestillt wird, kann dies das vorzeitige Ende (TKO) für den Kämpfer bedeuten.

Es gibt aber noch mehr zu beachten. "Die Bandagen müssen sitzen. Da dürfen die Finger nicht einschlafen, es darf nicht zu eng und nicht zu locker sein, die müssen aber auch in den Handschuh reinpassen. Das Bandagieren dauert zehn Minuten pro Hand", erklärt Lürzer. Nachdem die ihr zugeteilten Kämpfer versorgt sind, bereitet sie ihren Arbeitsplatz am Boxring vor. "Unser Equipment besteht aus Tüchern, Eis- und Kühlbeuteln, Enswell (ein spezielles Metall, mit dem Schwellungen gekühlt werden, Anm.), Vaseline, Handschuhen, Wristbands und Swabs." Letztere sind die großen Wattestäbchen zum Blutstillen. Das Eis nimmt Lürzer zuvor bei einer Tankstelle mit, denn "bei Kampfevents ist Eis immer Mangelware."

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Vaseline und Watte

Bevor ein Kämpfer den Ring betritt, schmiert Lürzer ihm Vaseline ins Gesicht. Dadurch wird die Haut weicher und das Risiko von Platzwunden geringer. Anschließend wird kontrolliert, ob der verpflichtende Mund- und Tiefschutz vorhanden ist und nirgendwo etwas Hartes oder Gefährliches eingearbeitet wurde, das den Gegner verletzen könnte. Wenn alles passt, erfolgt die Freigabe für den Kampf – und ihre eigentliche Arbeit beginnt.

Während des Kampfes beobachtet die Cutwoman die Schläge des Gegners und schaut, wo Schwellungen entstehen. "In der Rundenpause versuchen wir, diese mit dem Enswell runterzukühlen. Nebenbei versorgen wir andere Platzwunden und tragen frische Vaseline auf."

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Wie beim Boxenstopp in der Formel 1 werden die Athleten vom Team versorgt und anschließend wieder in die Einsamkeit des Kampfes entsandt. Viele Kämpfe enden ohne große Verletzungen, doch immer wieder müssen Athleten auch nach dem Wettkampf betreut werden.

"Manchmal besuchen wir sie im Krankenhaus oder erkundigen uns nach ihrem Wohlergehen. Erst wenn ich weiß, dass es jedem gut geht, kann auch ich meinen Arbeitstag endlich beenden."

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