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Special KURIERClub
09/03/2012

Sri Lanka: Jenseits von Ayurveda

Der Inselstaat vor der Südspitze Indiens hat mehr als lange Strände und Ayurveda-Kuren. Im Land, wo der Pfeffer wächst, versucht man nach dem Ende des Bürgerkrieges den Tourismus wieder auf solide Beine zu stellen.

von Horst Bauer

W elche Vielfalt die gern als Indien für Anfänger bezeichnete Insel zu bieten hat, kann sie jetzt auch wieder zeigen.

Nachdem die Spuren des Tsunami von 2004 weitgehend beseitigt sind und der jahrelang tobende Konflikt mit separatistischen Tamilen im Norden beendet wurde, kommen auch jene Touristen zurück, die das so abwechslungsreiche Land bereisen und nicht nur aus der Perspektive des anonymen Strandhotels sehen wollen.

Die beste Form, dies zu tun, ist die Fahrt mit einem privaten Chauffeur, der zugleich Reiseleiter ist. In einer Woche lässt sich so das Land in all seinen Facetten bequem erkunden.

Sigiriya

Gleich der erste volle Tag bringt einen der Höhepunkte jeder Sri-Lanka-Tour. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Bis hinauf zur Festungsanlage auf dem 200 Meter aus der Ebene aufragenden Sigiriya-Felsen sind es 1202 Stufen – der ideale Ausgleich zum Langstreckenflug.

Apropos: Dass am Flughafen von Colombo nicht das sonst in Asien übliche Chaos von Zimmer-Keilern und illegalen Taxlern herrscht, sondern in einer abgesperrten Zone die Abholer in aller Ruhe mit ihren Namensschildern stehen, war die erste positive Überraschung nach der Ankunft.

Für die zweite sorgte dann Shelton, der Chauffeur für die nächsten Tage, als er stolz sein Gefährt präsentierte. Es wartete nicht der übliche gut abgehangene Toyota, sondern ein blitzsauberer Honda Insight mit Hybridantrieb. Und die Auswirkungen des Jet-Lags erleichterten die Gewöhnung an die sehr speziellen Verkehrsverhältnisse Sri Lankas während der dreistündigen Fahrt nach Sigiriya.

Zurück zum Aufstieg. Am Vormittag liegt dieser im Schatten, was die Sache (später hat’s dann 34 Grad) erleichtert. Dass die auf halber Höhe in einer Höhle gelegenen 1500 Jahre alten Wandmalereien von barbusigen "Wolkenmädchen" dann nicht ganz so strahlen wie in der Nachmittagssonne, nimmt man gerne in Kauf.

Ganz oben angekommen (teilweise über noch von den Briten gebaute Wendeltreppen und Metallstege, die keinen Tag jünger aussehen) eröffnet sich ein toller Panoramablick über die Ebene und den Dschungel.

Nach dem Abstieg wartet der Chauffeur bereits im gut vorgekühlten Honda für die Weiterfahrt zum nächsten kulturellen Höhepunkt. Die weitläufige Tempelanlage von Polonnaruwa ist ein Fixpunkt der klassischen Sri-Lanka-Runde durch das kulturelle Dreieck. Die Reste eines Palastes und mehrerer buddhistischer Tempel breiten sich jedoch erfreulicherweise in der Ebene aus.

Nach der Rückkehr ins Hotel und dem ersehnten Sprung in den Pool sorgt eine in den Garten einfallende Meute von Affen für Erdung nach all der Kultur. Einer klaut einem Gast sogar die Flasche mit dem Sonnenöl – und wirft sie erst nach ernüchternder Verkostung von der Spitze des hohen Baumes wieder herunter.

Kandy

Ausgeschlafen und zeitlich schon fast umgestellt (Unterschied + 4,5 Stunden), nimmt man die haarsträubenden Verkehrsverhältnisse genauer zur Kenntnis. Selbst fahren wäre sehr anstrengend. Vor allem an der stoischen Gelassenheit beim Überholen trotz Gegenverkehrs müsste man als Europäer lange arbeiten.

Woher dieser Glauben an die eigene Unverwundbarkeit am Steuer kommen mag, ahnt man dann in Drambula bei den Höhlen der liegenden Buddhas. Wer glaubt, dass er immer wieder auf die Welt kommt und durch gute Taten im Leben (z. B. einhalten des Fahrplanes als Busfahrer?) beim nächsten Mal auf der Sozial-Leiter nach oben klettert, den können die Gefahren des Straßenverkehrs offenbar nicht so schrecken wie einen katholisch geprägten Europäer, der ja nur einen irdischen Durchgang hat.

Vom Disney-Kitsch am Aufgang zu den Höhlen mit den zahllosen Buddhastatuen (darunter die älteste Sri Lankas) sollte man sich jedenfalls nicht abschrecken lassen.

Auf dem Weg von Drambula hinauf nach Kandy warten bei Bedarf noch ein paar Touri-Stopps (Batikfabrik, Holzschnitzer). Dabei bringt der Besuch im Gewürz-Garten dann doch noch etwas Ayurveda ins Leben. Denn es geht hier weniger um Küchenkräuter (immerhin sind wir im Land, in dem der Pfeffer wächst), sondern um ayurvedische Heilkräuter.

Kandy liegt auf 550 Meter Seehöhe, ist mit einer halben Million Einwohner die zweitgrößte Stadt Sri Lankas und war durch Jahrhunderte ein vom dichten Dschungel geschütztes Königreich, das weder Portugiesen noch Holländer und zunächst auch nicht die Briten knacken konnten.

Am späten Nachmittag wartet dort die "Cultural-Dance-Show" im Saal einer Schule. Die einstündige Darbietung, die kein Tour-Unternehmer seinen Gästen vorenthalten will, wiederholt sich dann am Abend im Mahaveli-Reach-Hotel als Dinner-Show mit den identen Protagonisten. Fazit: Wenn man es nicht gesehen hätte, würde man fälschlicherweise glauben, etwas versäumt zu haben.

Unbedingt besuchen sollte man jedoch den großen Tempel-Komplex mit dem Allerheiligsten des Buddhismus in Sri Lanka (ein Zahn Buddhas), zumal wenn der Zeitplan einen Mittwoch dafür vorsieht, an dem ab 9.30 Uhr die Opferzeremonie ansteht. Auch wenn sich an diesen Tagen viele Gläubige samt Opfergaben mit Touristen mischen, die nicht immer ganz von der Heiligkeit des Geschehens erleuchtet wirken, hat der etwas sensiblere Reisende doch die Möglichkeit, die spezielle Aura dieses für Buddhisten so speziellen Ortes zu erspüren.

Für Erdung sorgt danach wieder die Tierwelt, diesfalls in Gestalt von Elefanten, deren Waisenhaus in Pinnawela sich zum Fixpunkt jeder Sri-Lanka-Tour entwickelt hat.

Nuwara Eliya

Am nächsten Tag steht dann Natur auf dem Programm. Zunächst mit einem Stopp im Botanischen Garten von Kandy. Angelegt von den Briten vor 150 Jahren und der größte in Sri Lanka ist er eine Art exterritoriales Gebiet der Ruhe in dem Wirbel der Stadt.

Dann geht es hinauf ins Hochland nach Nuwara Eliya (sprich: Nureliya) mitten in den Teeplantagen, die von den Briten hier angepflanzt wurden. Viele der Teefabriken am Wegesrand können besucht werden und von Führungen bis zu Ausschank und Shop ist alles vorhanden. Dort bietet sich auch eine der wenigen Gelegenheiten in Sri Lanka, echten Ceylon-Tee zu trinken. Da praktisch die gesamte Ernte in den Export geht, ist die Enttäuschung bei Teeliebhabern groß, wenn sie selbst in Luxus-Hotels nur Tee-Sackerln bekommen.

Nuwara Eliya hat erst auf den zweiten Blick jenes kolonial-britische Flair zu bieten, das in Reiseführern beschrieben wird. Im Zentrum selbst ist kaum etwas davon zu merken, zu herb sind die übrig gebliebenen alten Fassaden durch Geschäftsportale aufgebrochen worden. Erst hinter dem viktorianischen Postamt findet man mit dem Klubhaus des Golfplatzes und einigen Villen sowie dem alten Grand-Hotel dieses "Britain away from Home"-Flair. Das verstärkt sich auf dem Weg aus der Stadt vorbei an der Pferderennbahn und dem Stausee samt Uferpromenade.

Die frische Bergluft auf fast 2000 Meter Seehöhe ist ein willkommener Kontrast zur Schwüle an der Küste – auch wenn es in der Nacht empfindlich kalt wird und die Morgensonne das Thermometer auch nur knapp über 10 Grad klettern lässt.

Yala

Von Nuwara Eliyas schlängelt sich die Straße in Serpentinen hinunter in die Ebene. Ziel ist mit dem Hotel "The Safari" in Tissa der ideale Ausgangspunkt zur Geländewagentour durch den Yala Nationalpark, dessen Hauptattraktion die Leoparden sind. Nach viel geschlucktem Staub und tollen Landschaftspanoramen samt Lagunen mit tauchenden Wasserbüffeln, über die Piste laufenden Elefanten, Leguanen und Mungos, mit offenem Maul in Kühlposition verharrenden Krokodilen, bunten Vögeln und einem im Baumgeäst schlafenden Jaguar, schaukeln wir bei Sonnenuntergang zurück ins Hotel.

Galle

Nach einer Nacht im wieder künstlich heruntergekühlten Zimmer geht’s via Galle hinauf an die touristisch am besten erschlossene Westküste. Hier melden sich erstmals die Tsunami-Bilder im Kopf zurück. Die Stadt selbst wurde damals schwer getroffen, nur das höher gelegene alte holländische Fort auf der Halbinsel am Hafen und die darin eingeschlossene Altstadt hat wenig abgekriegt. Das Viertel innerhalb der Festung mit engen, gepflegten und ruhigen Gassen zwischen niedrigen Häusern wirkt wie aus einem anderen Jahrhundert herübergerettet.

Bis nach Wadduwa stößt man immer wieder auf Spuren des Tsunami, sofern man darauf hingewiesen wird. Oberflächlich betrachtet fährt man nur entlang einer landschaftlich sehr reizvollen Küstenstraße mit tollen Ausblicken auf den Indischen Ozean und lange, weiße Sandstrände.

An so einem liegt in Wadduwa das Ziel der Tour, deren vielfältige Eindrücke dann in ein paar ruhigen Tagen unter Palmen mit Blick aufs Meer verarbeitet werden können.

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