Romy 05.04.2018

Die Gewinner der Akademie-Romy 2018

© Bild: Rainer Eckharter

Die Akademie-ROMY ging an die Menschen abseits des Rampenlichts. Platin gab es für Christian Kolonovits.

Traditionell zwei Tage vor der ROMY-Gala in der Wiener Hofburg ging im Grand Hotel an der Ringstraße die Feier der Akademie-ROMY über die Bühne – ORF2 zeigt am Freitag, den 6. April ein von Maria Happel präsentiertes "Best of" ab 21.20 Uhr. Diese begehrten Auszeichnungen gehen an die Stars hinter der Kamera und an Nachwuchskünstler. Gewählt werden die Sieger von allen bisherigen Gewinnern des großen österreichischen Film- und Fernsehpreises.

Wie beim "Highlander" konnte es in der Kategorie Bester Film nur einen geben: Adrian Goigingers bereits mehrfach preisgekrönter Streifen "Die beste aller Welten" mit ROMY-Nominee Verena Altenberger und Jeremy Miliker in den Hauptrollen.

Miliker wurde zudem Bester Nachwuchskünstler und damit jüngster ROMY-Sieger aller Zeiten. Sein weibliches Pendant ist "Maria Theresia"-Darstellerin Marie-Luise Stockinger.

Große Namen und einige Premieren finden sich unter den weiteren Siegern: So erhielt Oscar-Gewinner Volker Schlöndorff die Regie-ROMY für seinen ersten TV-Krimi und Vielfach-Preisträger Christian Berger die Statuette für die Bildgestaltung (Kino). Erstmals ausgezeichnet wurden "Die Migrantigen" Petrovic, Rahoma und Riahi mit der ROMY fürs Kino-Buch sowie Walter Köhler und die Terra Mater in der Kategorie TV-Doku. Die erstmals vergebene ROMY für die beste TV-Serie ging an "Hindafing" (BR). Der traditionelle Höhepunkt auch dieser Ehrung, durch die Rudolf John und Verena Scheitz führten, war die Akademie-Platin-ROMY für den Arrangeur, Komponist, Musiker und Dirigenten Christian Kolonovits.

Christian Kolonovits:

Christian Kolonovits
© Bild: Kurier/Jeff Mangione

Alle Gewinner im Überblick:

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©KURIER/Rainer Eckharter

Beste Programmidee

Inga Leschek (RTL) (im Bild), Markus Breitenecker (Puls4): "Ninja Warrior"

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Beste Regie Kino-Film

Lars Montag: "Einsamkeit und Sex und Liebe"

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Beste Bildgestaltung Kino-Film

Christian Berger: "Happy End"

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Bestes Buch Kino-Film

Aleksandar Petrovic, Faris Rahoma, Arman T. Riahi: "Die Migrantigen" 

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Beste/r Produzent/in Kino-Film

Thomas Hroch, Gerald Podgornik, Arnold Heslenfeld: "Arthur  & Claire"

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Beste Kino-Doku

Michael Kitzberger, Wolfgang Widerhofer: "Die Zukunft ist besser als ihr Ruf"

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Beste Regie TV-Film

Volker Schlöndorff: "Der namenlose Tag"

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Beste Bildgestaltung TV-Film

Tomas Erhart: "Der namenlose Tag"

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Beste/r Produzent/in TV-Film

Benjamin Benedict, Markus Brunnemann, Nico Hofmann und Sebastian Werninger, Producerin Henriette Lippold: "Charité"

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Bestes Buch TV-Film

Dorothee Schön: "Kästner und der kleine Dienstag" 

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Beste TV-Doku

Walter Köhler: "Das Gesetz der Löwen"

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Beste TV-Serie

Niklas Hoffmann, Boris Kunz, Florian Kamhuber: "Hindafing" 

©Eckharter Rainer

Akademie Platin-ROMY

Christian Kolonovits

©KURIER/Franz Gruber

Bester Kino-Film

Wolfgang Ritzberger (auf dem Bild), Nils Dünker: "Die beste aller Welten"

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Beste Nachwuchsschauspielerin

Marie-Luise Stockinger: "Maria Theresia"

©KURIER/Rainer Eckharter

Bester Nachwuchsschauspieler

Jeremy Miliker: "Die beste aller Welten"

Details zu den Gewinnern:

Beste Programmidee

Inga Leschek ( RTL), Markus Breitenecker (Puls4): "Ninja Warrior"

Dem martialischen Titel zum Trotz bietet diese Show beste Unterhaltung. Der Kampf der Sportlerinnen und Sportler gegen die Zeit und die oftmals vom Misserfolg gekrönten Versuche, die unüberwindlich wirkenden Hindernisse korrekt zu nehmen, fesselten die Zuschauer – im  Sommer bei RTL, im Herbst beim österreichischen Puls4. Deshalb erhalten beide Sender eine goldene Statuette. Und Kandidaten wie dem Investor Michael Altrichter zeigte es, dass Scheitern stärker macht. Ein Hindernisparcours als Weg zur Selbsterkenntnis.

Beste Regie Kino-Film

Lars Montag: "Einsamkeit und Sex und Liebe"

Ein Schuhdiebstahl im Zug gibt in Lars Montags Kinofilm-Debüt "Einsamkeit und Sex und Liebe" nach Helmut Kraussers Bestseller den Startschuss für einen turbulenten, schwarzhumorigen Beziehungsreigen. Ein Kaleidoskop schräger Persönlichkeiten  arbeitet sich am großstädtischen Liebesleben ab. Montag  dirigiert dabei  ein großartiges Ensemble (u.a. Maria Hofstätter) durch die Irrungen und Wirrungen "mit Gefühl für Tempo und Langsamkeit" und eingebettet  in eine "bis ins Detail durchkomponierte Bildsprache", wie Laudator Gregor Bloéb formulierte. 

Beste Bildgestaltung Kino-Film

Christian Berger: "Happy End"

Schauspieler Sabin Tambrea sagte: "Es gibt wenige Menschen in diesem Bereich, die eine derart stilprägende Arbeit geleistet haben ...Seine Bildgewalt gepaart mit der Regie Michael Hanekes hat eine ikonische Wirkung im europäischen Kino." Bei Christian Berger  steht der Name für eine besondere  Technik und  international angesehene Qualität der Bildgestaltung, Die gab es auch in Hanekes jüngstem Film "Happy End" zu erleben. Und so kommt zu den vielen Auszeichnungen, die er schon zwischen L.A., Cannes und Wien erhalten hat, eine ROMY dazu.

Bestes Buch Kino-Film

Aleksandar Petrovic, Faris Rahoma, Arman T. Riahi: "Die Migrantigen

Benny und Marko (Faris Rahoma, Aleksandar Petrovic) sind zwei Freunde mit, wie es heißt, Migrationshintergrund. Obwohl tatsächlich Bobos, geben sie für eine TV-Reihe kleinkriminelle, abgebrühte Migranten. Die Fake-Geschichte, die alle Vorurteile bedient, wird zum großen Erfolg – bis sie kippt. „Die Migrantigen“, unter der Regie von Arman T. Riahi,  machte „aus dem Angstthema der Rechten und des Boulevards  eine Komödie. Das verlangt Können und Mut“, meinte Laudator Andreas Kiendl. Und eine ROMY.  

Beste/r Produzent/in Kino-Film

Thomas Hroch, Gerald Podgornik, Arnold Heslenfeld: "Arthur  & Claire"

Ganz oft, sagte Laudatorin und Schauspielerin Anja Knauer, scheitern großartige Projekte an den berühmten Zu-Argumenten: zu schwierig, zu teuer, zu schräg. Das hätte auch "Arthur & Claire" so ergehen können. Zwölf Finanzierungs- und 14 Projektpartnern in den Niederlanden, Deutschland und Österreich mussten von der Mona Film unter einen Hut gebracht werden, damit dieser Klasse-Film entstehen konnte. Und mit Josef Hader und Hannah Hoekstra wurde er zum Kino-Dauerläufer. Das ist mehr als ROMY-würdig.

Beste Kino-Doku

Michael Kitzberger, Wolfgang Widerhofer: "Die Zukunft ist besser als ihr Ruf"

"Die Welt steht nicht mehr lange" ist ein geflügeltes Wort. Krisen, Katastrophen und Kriege beherrschen  die Nachrichten. Da ist "Pessimismus einfach und mag auch modern sein. Wer jedoch diesen Film sieht, tut sich schwer damit." Damit stellt Elisabeth Auer, Chefin von Dienst der KURIER News bei SchauTV, dieser Kino-Doku das beste Zeugnis aus. Hier geht es um Menschen, die etwas bewegen und damit der Resignation entgegentreten. Und um Regisseure und Produzenten, die dafür das Kino zur Plattform machen.

Beste Regie TV-Film

Volker Schlöndorff: "Der namenlose Tag"

Er ist Filmregisseur, Produzent, Drehbuchautor und ein Gigant des deutschsprachigen wie internationalen Films. Mit "Der namenlose Tag" schloss Volker Schlöndorff die wohl letzte kleine Lücke in seiner beruflichen Vita: die Regie bei einem TV-Krimi. Wobei die Einschränkung gilt: Es ist ein etwas anderer Krimi, was auch der von ihm selbst bearbeiteten Vorlage von Friedrich Ani geschuldet ist. Dunkler, tiefergehend und sehr viel langsamer, als  die TV-Konvention heute vorsieht, steht am Ende ein bemerkenswerter Film eines bemerkenswerten Filmkünstlers.

Beste Bildgestaltung TV-Film

Tomas Erhart: "Der namenlose Tag"

Burg-Mimin und Laudatorin Petra Morzé brachte es auf den Punkt: "Schweigen kann man per Definition nur schwer in Worte fassen, aber sehr gut in Bilder. Wenn man’s kann." Dass es Tomas Erhart kann, hat er schon oft bewiesen, das zeigt sich in vielen Auszeichnungen  – und nun auch mit einer ROMY. In "Der namenlose Tag" macht Erhart die innere Zerrissenheit des Kommissars sichtbar. Er spielt mit allen erdenklichen Dunkeltönen und fesselt mit langen, stillen, für sich sprechenden Einstellungen, die den Zuseher einfach nicht loslassen.

Beste/r Produzent/in TV- Film

Benjamin Benedict, Markus Brunnemann, Nico Hofmann und Sebastian Werninger, Producerin Henriette Lippold: "Charité"

Es ist wortwörtlich zu nehmen und auch angebracht: Chirurg Dr. Peter Jiru sang ein Loblied auf dieses Serienevent, das in Deutschland und Österreich die Zuseher fesselte: "Charité", übrigens von ROMY-Preisträgerin  Dorothee Schön (siehe rechts)  geschrieben. Diese Krankenhaus-Serie vereint Spannung, Fiktion, reales Leben   zur Kaiserzeit  und Wissenschaft, komprimiert und  doch von erstaunlicher  Authentizität. "Charité" ist wie eine Medizin, die wirkt und schmeckt.

Bestes Buch TV-Film

Dorothee Schön: "Kästner und der kleine Dienstag" 

Erich Kästner schrieb: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es." Dorothee Schön hat dies mit ihrer Geschichte über die  historisch verbriefte Freundschaft zwischen dem  großen Literaten und Dichter Kästner und seinem kleinen, größten Fan während der Nazi-Zeit getan. Nicht nur in qualitativer Hinsicht. Schön hat, von Regisseur Wolfgang Murnberger bestens umgesetzt, die Fallstricke eines Biopics gekonnt ausgelassen, sich die bedrückende Historie zum Werkzeug gemacht und  die Ambivalenz des großen Kästner erhalten. Eine hoch verdiente ROMY. 

Beste TV-Doku

Walter Köhler: "Das Gesetz der Löwen"

Sieben Jahre war Regisseur und Kameramann Owen Prümm im Ruaha-Nationalpark und drehte 300 Stunden Rohmaterial. Elf Monate dauerte es, bis etwas Sendefertiges vorlag. Eine lange Zeit, die andere zweifeln  hätte lassen. Walter Köhler, Chef der Terra Mater, nicht. Und so konnte etwas entstehen, das ungewöhnlich in der  Art und neu in der Erzählform ist. 

Beste TV-Serie

Niklas Hoffmann, Boris Kunz, Florian Kamhuber: "Hindafing

"Hindafing" ist eine  schon sehr spezielle Heimat-Serie  mit einem korrumpierbaren Bürgermeister (Maximilian Brückner), einer abgewirtschafteten Gemeinde, mit Erpressung und Drogen und viel  bayerischem Amigo. Absurd, schwarzhumorig und  unkorrekt  geht es zu in dem Mikroskosmos, wo viele Provinz-Klischees (und mehr) freudig in die Luft gejagt werden. "Ein echtes Meisterwerk", lobte Laudator und Schauspieler Helmfried von Lüttichau. Zu sehen war die NeueSuper-Produktion im Bayerischen Fernsehen ( BR) – früher hätt’s das alles nicht gegeben … 

 

Akademie Platin-Romy

Christian Kolonovits

Der  Arrangeur, Komponist, Musiker und Dirigent ist eine der prägendsten Figuren der heimischen Musik und formte den Austropop in dessen Blütejahren entscheidend mit: Christian Kolonovits (66) arbeitete u.a. mit Wolfgang Ambros am "Zentralfriedhof", mit Rainhard Fendrich an "zwischen eins und vier", mit Georg Danzer, Ludwig Hirsch und Maria Bill. Er arrangierte Popmusik für die Wiener Symphoniker und "Christmas in Vienna" für Carreras (für den er später auch eine Oper schrieb), Domingo und Pavarotti.  Später arbeitete Kolonovits dann viel für den ORF und für Filme, dirigierte Musical und punktete zuletzt mit zwei erfolgreichen Bühnenprojekten für die Wiener Volksoper. „Ich habe mich immer als Musikant gefühlt, der für Menschen spielen wollte", sagte der nunmehrige Gewinner der Platin-ROMY der Akademie im KURIER-Interview. "Unbedingte Freiheitsliebe und mein 'Hans im Glück'-Instinkt" haben die außergewöhnliche Karriere des Musikers geprägt: "Ich habe eine große, allgemeine Dankbarkeit für so vieles, was in meinem Leben passiert ist und wie das von den Menschen aufgenommen wurde."

Bester Kino-Film

Wolfgang Ritzberger, Nils Dünker: "Die beste aller Welten"

Lautdatorin Irena Flury hatte völlig  recht, als sie sagte: "Es war ein  Highlander-Jahr. Es konnte nur einen geben".  Die Rede ist von "Die beste aller Welten". Regisseur Adrian Goigingers  Spielfilm-Erstling  war im ROMY-Jahr der Abräumer bei Publikum, Kritikern und Preisen – wie  auch diese ROMY zeigt. Sein autobiografischer Film  über (s)eine drogensüchtige Mutter und deren Liebe zu ihrem Kind ließ auch dank starker Schauspielerleistungen (Verena Altenberger als Mutter, Jeremy Miliker als Sohn) niemanden kalt. Möglich gemacht haben das mutige Produzenten: Wolfgang Ritzberger und Nils Dünker, die die Statuette übernahmen.

Beste/r Nachwuchsschauspieler/in

Marie-Luise Stockinger: "Maria Theresia"

Robert Dornhelms Zweiteiler über die junge Maria Theresia erreichte ein Millionen-Publikum in Österreich – und darüber hinaus. In der Hauptrolle begeisterte Burgtheater-Ensemblemitglied und Jungstar Marie-Luise Stockinger. Und das so nachhaltig, dass die 25-Jährige nun von den Mitgliedern der ROMY-Akademie zur Besten Nachwuchs- Schauspielerin gekürt wurde.

Jeremy Miliker: "Die beste aller Welten"

Die unglaublich intensive und innige Beziehung zwischen Mutter (Verena Altenberger) und Sohn (Jeremy Miliker) steht im Mittelpunkt von "Die beste aller Welten". Der damals noch Siebenjährige beeindruckte mit einer Leistung wie ein Großer – egal ob in den tristen Szenen oder auch in verspielten Momenten. Das sah auch die Akademie so – und machte Miliker zum jüngsten  Preisträger aller Zeiten bei der ROMY.

Info zur Akademie-ROMY

Die Akademiker

Die ROMY-Akademie besteht aus allen bisherigen Gewinnern der ROMY, die heuer zum 29. Mal stattfindet. Allein diese etwa 400 Personen sind bei den Preisen der Akademie stimmberechtigt. 

Die Jury

Die Vorauswahl trifft eine Jury aus Fachjournalisten: ROMY-Gründer Rudolf John (Jury-Vorsitz Akademie- und Publikumspreise), Julia Pühringer (tele, Skip), Angelika Hager (Ressortleiterin Gesellschaft bei profil), Frido Hütter (Kleine Zeitung, Graz), Horst-Günther Fiedler (Chefredaktion von tv-media), Johannes Bruckenberger (stv. Chefredakteur APA), Christoph Hirschmann (Chefredakteur der Tageszeitung Österreich), Dietmar Pribil (Leitung kurier.tv), Christoph Silber (KURIER).

TV und Streaming

Erstmals berichtet ORF2 in einem "Best of" (Freitag, 6. April ab 21.20 auf ORF2), durch das ROMY-Nominee Maria Happel führt, von den Akademiepreisen. Die Feierlichkeiten im Grand Hotel wurden von Rudolf John und Verena Scheitz präsentiert. Das "Best of" ist im Anschluss via ORFTVthek abrufbar, aber nur in Österreich. Live und ohne Geo-Protection ist die ROMY-Gala am Samstag zu streamen.

( kurier.at ) Erstellt am 05.04.2018