Reise
04.07.2018

Voll mobil und alles inklusive

Moderne Reisemobile machen den einstigen Billig-Urlaub zur leistbaren Luxusreise.

Routiniert erklärt die Mitarbeiterin der Firma Gebetsroither die Funktion des Miet-Reisemobils, in dem wir – gemeinsam mit einer kleinen Gruppe – eine fünftägige Reise unternehmen.

Da geht es um einen Kühlschrank, den man von Gas- auf Elektrobetrieb umschaltet, LED-Leuchten, die bei Berührung angehen, Dunstabzugshaube, Dusche und WC. Die Nasseinheit mit Dusche, WC und Schminkspiegel wirkt erstaunlich geräumig in dem sechs Meter langen Gefährt, das mit einem besonderen Detail schon bald den Neid anderer Camper auf sich ziehen soll: Das Bett, das sich auf Knopfdruck wie ein Balkon einen Meter weit aus dem Heck des Fahrzeugs schraubt.

Dann kann es losgehen. Der Start durch den Wiener Vormittagsverkehr fordert ordentlich Konzentration – besonders, wenn man an einen Kleinwagen gewöhnt ist. Der gut sechs Meter lange Wagen beschleunigt wie ein Pkw, ist mit seinem Sechsganggetriebe angenehm zu fahren und reagiert lediglich ein wenig mehr auf kräftigen Seitenwind. Auch über den Semmering schlägt sich das Gefährt trotz Regengüssen und Sturm prächtig. In Kärnten, kurz vor der Grenze treffen alle Teilnehmer zusammen und bilden einen Konvoi.

Wenige Stunden später rollen wir auf den Campingplatz Marina di Venezia. Welch unterschied zu den steinigen Terrassen in meiner Erinnerung, auf denen ich kaum die Zeltheringe in den Boden brachte und die einzige Duschkabine mit allen anderen teilen musste.

Open-Air-Luxus

Zurück in die Gegenwart: Die Einfahrt – samt Blumenhügel, auf dem der geflügelte Löwe thront – erinnert eher an jenen eines Luxushotels. Hochmotivierte, gut gelaunt wirkende junge Leute in Firmen-Shirts legen jedem Gast ein Armband an, ohne das es keinen Einlass gibt.

Dann fährt man durch eine ganze Stadt aus Wohnmobilen und geräumigen Mobile-Homes (stationäre Campingfreunde) mit einem 15.000 Quadratmeter großen Aquapark, Einkaufsstraße und Sternerestaurant – bis der geeignete Stellplatz in der Fünfstern-Anlage nahe dem gepflegten Traum-Sandstrand gefunden ist.

„Wir reservieren nur einen kleineren Teil der Stellplätze, damit man immer auch spontan anreisen kann. Das ist es, was unsere Gäste wünschen“, erklärt später der aus Südtirol stammende Marketingleiter Massimo Battaglio, der mit so mancher Überraschung aufwartet. Etwa, dass auch diese 80 Hektar große Anlage mit ihren 3600 Stellplätzen und 400 Mobilheimen nach 60 Jahren immer noch ein Familienbetrieb ist. Dazu ein reiches Umland: Vom quirligen Treiben in der – 20 Fährminuten entfernten – Lagunenstadt Venedig bis zum Vogelparadies der Lagune mit ihren Weltkriegs-Musseen in frisch renovierten Festungen.

Ungern nehmen wir Abschied vom Meer, fahren nordwärts. In Kärnten erwartet uns ein ganz anderer Stil: Am Millstätter See hat die Bauernfamilie Burgstaller aus der einstigen sauren Pferdewiese einen Top-Campingplatz gemacht, dessen Gestaltung das Thema Piraten durchzieht. „Ich wäre gern als Kind einer geworden“, erzählt Inhaber Dieter Burgstaller, dessen Gäste durch Dschungel-Landschaften zu Bad und WC wandern und stündlich die Kanone des Freibeuterschiffes hören, das an der Decke hängt. Das alles bringt dem Platz Jahr für Jahr Top-Bewertungen.

Serpentinen

Am Morgen rollen wir über die kurvige Nockalmstraße, machen Station im Biosphärenpark-Haus Nockberge mit tollem 3-D-Kino. Die letzte Reisenacht darauf verbringen wir auf dem Campingplatz im Salzburger Mauterndorf, der sich unspektakulär und souverän gastfreundlich präsentiert. Er punktet mit praktischen Familien-Waschräumen, sowie der Lage direkt am Lift und der Nähe zur großartig renovierten Burg. Dort darf man bei schmackhaftem Ritteressen den inneren Fürsten oder das Burgfräulein ausleben. An diese Art von Camping kann man sich echt gewöhnen. Bei jedem Wetter.

www.gebetsroither.com

www.marinadivenezia.it

www.burgstaller.co.at

www.camping-mauterndorf.at