Toskana pur: Wo Amerigo Vespucci Chianti schlürfte

Toskana pur: Wo Amerigo Vespucci Chianti schlürfte
Seefahrer Amerigo Vespucci stammte aus Montefioralle – hundert Kilometer vom Meer entfernt. Er entdeckte Amerika, viele Toskana-Urlauber entdecken seine Heimat.

Man findet in Montefioralle vielleicht nicht alles, vor allem aber eines in Überfluss: Ruhe. Die benötigte einst wahrscheinlich der große Seefahrer und Entdecker Amerigo Vespucci, um seine Abenteuer sorgfältig von seinem Heimatort aus zu planen. Montefioralle ist ein idyllisches Nest mitten in der toskanischen Hügellandschaft, umgeben von Weinbergen, das Zentrum bildet eine Burganlage aus dem Mittelalter. Pittoresk, würde man sagen. Genau dort soll sich Signor Vespucci einst gesagt haben, er werde nach Amerika aufbrechen, was er dann im 15. und 16. Jahrhundert auch gemacht hat. Die Vespuccis sind eine der zwei berühmten Familien des kleinen Ortes, der überraschend weit vom Meer entfernt liegt. Auch die Verrazzanos blickten schon damals über den Tellerrand hinaus. Giovanni da Verrazzano entdeckte und erforschte weite Teile der Atlantikküste der heutigen USA und Kanadas, die Statue auf dem Hauptplatz in Greve in Chianti ist ihm gewidmet.

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An Vespucci wiederum erinnert heute in Montefioralle das entzückende Appartement-Haus La Rosa dei Vespucci. Ob er, der später für die Bankiersfamilie Medici arbeitete, wohl in Urzeiten vor dem offenen Kamin saß und genüsslich die eine oder andere Flasche Chianti öffnete? Oder die Wahl hatte zwischen zwei Bade- und Schlafzimmern und sich nicht entscheiden konnte, wo er sich denn die Nacht um die Ohren schlagen sollte? Vermieterin Alice, eine Italienerin, die vor ein paar Jahren ausgezogen war, um in Los Angeles ihren Mann Isaac zu finden, kann dazu keine fundierten und verifizierten Antworten geben. Immerhin versichert sie, dass das Gemäuer stattliche tausend Jahre alt sei. Diese Grundmauern bildeten den Rahmen für das kleine Haus, das gesamte Interieur wurde in der Rekordzeit von einem halben Jahr gebaut. Mit der Hilfe von Freunden und Familienmitgliedern aus der Ortschaft und der Umgebung.

Montefioralle zählt heute rund hundert Einwohner, eine Kirche, zwei sehr gute Restaurants (La Castellana und Il Guerrino), eine Bar, deren Öffnungszeiten von den Launen des Betreibers abhängen, und sehr viele wunderschöne Steingebäude. Der „Monte“ ist bestenfalls ein Hügel, doch in Kombination mit der burgartigen Anlage hat er damals der mittelalterlichen Bevölkerung sicherlich ausreichend Schutz geboten.

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Wenige Autominuten über Serpentinen hinab liegt Greve in Chianti, nicht weniger idyllisch, mit einem Hauptplatz als Treffpunkt des Alltagslebens und mit viel Kulinarik und Einkaufsmöglichkeiten. Hier tummeln sich nicht nur die Einheimischen, wenn an Samstagen der Markt die Pforten öffnet und alles Erdenkliche feilgeboten wird, auch die Touristen mischen sich unters Volk. Vor allem Radfahrer machen gerne Halt, um ihre Wadln zu lockern und in der Sonne einen Espresso doppio zu genießen. Manch einer soll sich sogar das eine oder andere Birra Moretti genehmigen, damit der Flüssigkeitshaushalt nach einer zünftigen Radtour mit dem vielen Auf und Ab im Gelände nicht durcheinander kommt. Zweiräder prägen im Frühjahr und Herbst generell das Landschaftsbild dieser Region, manche sind motorisiert, viele aber werden durch pure Muskelkraft bewegt. Und immer beliebter werden die E-Bikes, die Hobby-Radler Hügel und Berge hinaufzischen lassen. Mit einem Lächeln im Gesicht.

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Liegst der Gegend du inmitten

Greve in Chianti punktet bei Toskana-Urlaubern auch mit seiner idealen Lage. Zwischen Florenz und Siena gelegen, ist Greve der perfekte Ausgangspunkt für Tagesausflüge, bevorzugt natürlich mit dem Auto, sonst dauert beides doch zu lange, um als Tagesausflug durchzugehen. Innerhalb einer Stunde erreicht man mit mäßig gedrücktem Gaspedal Siena, Florenz oder auch San Gimignano. Für Lucca und Pisa sollte man schon eineinhalb bis zwei Stunden Wegstrecke einrechnen. In Lucca muss man einfach hoch hinaus – auf den Aussichtsturm, der nach atemberaubendem Aufstieg einen eben solchen Blick über die Stadtmauern hinaus bis zum Apennin gewährt. Modeaffine Menschen kommen in der schmucken ummauerten Stadt in diversen Läden auf ihre Kosten – sprichwörtlich. Pisa wiederum hat nicht nur einen schiefen Turm, sondern auch zehn Autominuten entfernt eine wunderschöne Marina anzubieten, mit viel mehr Ruhe als mitten im Stadtzentrum. Und eben auch das Meer.

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Die Tagesfahrten zahlen sich jedenfalls in alle Richtungen aus. Zum Beispiel wegen eines eiskalten Vergnügens. Auf dem Weg von Greve nach Siena empfiehlt, ja befiehlt sich fast ein Stopp in Castellina di Chianti. Denn dort befindet sich am Ortsausgang die Gelateria di Castellina, kein Geheimtipp, vielmehr ein verpflichtender Treffpunkt für alle Liebhaber des italienischen Eises. Nicht nur Mietautos bremsen sich ein und spucken Touristen aus, vor allem Motorrad-Gruppen holen sich auf dem Weg durch die hügelige Gegend mit den vielen kurvigen Strecken die hochverdiente Kühlung ab.

Während Städte wie Siena oder Florenz ob ihrer Sehenswürdigkeiten bekannt und überlaufen sind, findet man in der toskanischen Hügellandschaft Ruhe, Natur und beinahe unzählige Möglichkeiten, sich durch die Facetten des Chianti zu testen. Weinverkostungen und -verkauf werden dermaßen häufig angeboten, dass man nüchtern betrachtet gar nicht daran vorbei fahren kann. Kulinarische Leckerbissen, wohin man blickt. Bleibt nur die Frage: Warum wollte er weg von hier, der Signor Vespucci?

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Marina di Pisa.

Alle laufen geradezu zum schiefen Turm, um sich mit dem immer selben Motiv fotografieren zu lassen. Wie langweilig. Dabei hat man einige Kilometer weiter direkt am Meer seine Ruhe – mit traumhafter Promenade, weißem Steinstrand und vielen Gelati-Sorten. Einfach zum Genießen.

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Das Spektrum ist breit, auf den Landesstraßen radelt der Hobbysportler neben oder besser gesagt hinter dem Triathleten, der sich vor  allem im Frühjahr auf seine Wettkämpfe vorbereitet. Die Hügellandschaft ist auch für echte Bergfahrer eine Herausforderung. Alternativ greift man zum E-Bike.

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Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, in der Chianti-Gegend nicht über eine   Weinverkostung zu stolpern. Angeboten werden die verschiedensten Tropfen, fast alle hochwertig im Geschmack,  serviert mit Wurst und Käse.  Ins Stolpern gerät man auf dem Heimweg. Ein Tipp: Suchen Sie den Winzer ums Eck.

INFOS

Anreise
Direktflug Wien–Florenz mit austrian.com, weiter mit dem Mietwagen

Schlafen
La Rosa dei Vespucci Historic Apartment oder Il Nido Country Chic Home in Montefioralle (beide haben Fotos und Infos auf airbnb.at)

Essen
Il Guerrino
La Castellana, kleines, aber sehr feines Lokal  mit großer Weinauswahl
Enoteca Ristorante il Gallo Nero in Greve in Chianti

Gelateria di Castellina

Radverleih
Officina Ramuzzi, Via Italo Stecchi 23, Greve in Chianti

Mode
Blu Srl – Marilli Abbigliamento, Via Cesare Battisti, Greve in Chianti

Auskunft
Italienischer Tourismus-Verband: enit.at

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