Historischer Kern samt Goldenem Dachl sind Hauptmagnet für Touristen

© TVB Innsbruck / Christof Lackner

Reise
12/02/2019

Städte-Rankings: Fluch oder Segen?

Top-Plätze im "Monocle"-Ranking: Mit Innsbruck und Salzburg steht Österreich erneut im Rampenlicht. Über Werbewert und Risiken.

von Stefan Hofer

"Das ist allerbeste Werbung. Und nicht bezahlt." Karin Seiler-Lall ist am Telefon gut gelaunt. Soeben hat die Direktorin von Innsbruck Tourismus vom KURIER erfahren, dass die Tiroler Landeshauptstadt in einem brandaktuellen, globalen Städteranking auf Platz 8 gelistet ist.

Das britische Lifestyle-Magazin Monocle kürt jedes Jahr die lebenswertesten Großstädte der Welt. Vergleichbare, viel beachtete Ranglisten erstellen das Wirtschaftsmagazin The Economist und die Beratungsagentur Mercer, Wien ist stets ganz vorne dabei. Heuer hat sich Monocle der Kleinen angenommen und die Lebensqualität in Städten mit weniger als 200.000 Einwohnern bewertet. Denn die könne man schwer in denselben Topf wie Tokio und Vancouver werfen, so Chefredakteur Jayson Tyler Brûlé. Ergebnis: Lausanne liegt auf Platz 1 (mehr dazu unten), Salzburg schafft es als zweite österreichische Stadt auf Platz 25.

Was bringt das konkret? „Wenn das Medium gut ist, ist der Werbewert enorm“, sagt Seiler-Lall. „Die machen das unabhängig, wir werden nicht eingebunden, können es nicht steuern.“ Man habe auch bereits bei Monocle angefragt, um Details zu erfahren. „Lebensqualität, Infrastruktur und die Nähe zu München und Bozen machen die Anziehungskraft von Innsbruck aus“, so Tyler Brûlé zum KURIER.

„Nur Top 3 relevant“

Auch Bert Brugger, Geschäftsführer von Tourismus Salzburg, sieht eine Erwähnung in Ranglisten dieser Art als Anerkennung und analysiert nüchtern. „Man freut sich, wenn man unter den Top 5 ist. Der Werbewert ist aber nur relevant, wenn man in den Top 3 landet.“ Für Salzburg ist es Alltag. Erst im Oktober kürte der Reisebuchverlag Lonely Planet die Stadt an der Salzach zum besten Ziel 2020. Ein Grund: Das 100-Jahr-Jubiläum der Salzburger Festspiele. Die Getreidegasse in der Mozartstadt wird so schnell nicht verwaisen.

„Je öfter wir genannt werden, desto mehr spüren wir das in Innsbruck.“ Seiler-Lall spricht aber auch Schattenseiten des Ranking-Booms an. „Natürlich kann es zu Problemen kommen, wenn das Verhältnis zwischen Einheimischen und Touristen nicht mehr stimmt.“ Dass man in China das überlaufene Hallstatt vor Jahren nachgebaut hat, sei an dieser Stelle als kurioser Auswuchs erwähnt. Vor allem beliebte Mittelmeer-Metropolen ächzen unter anschwellenden Touristenströmen. In Barcelona wird gegen „overtourism“ und die Verdrängung der Altstadtbewohner durch Vermietungsplattformen demonstriert, in Venedig eine Obergrenze für Tagestouristen eingeführt.

Gefahr, „wenn es kippt“

Wenn das Ankommen von Tausenden Touristen – wie bei großen Schiffen der Fall – in keinem natürlichen Verhältnis zur Einwohnerzahl stehe, sei „das Risiko größer, dass es schneller kippt“, ist sich Seiler-Lall bewusst. Innsbruck liegt bekanntlich an der Nordkette ist somit kein Ziel von Kreuzfahrtschiffen. Marktforschungsergebnisse, die belegen, dass nun mehr Gäste die Stadt Salzburg besuchen, kennt Brugger nicht, „auszuschließen ist es aber nicht“.

Für Seiler-Lall ist das Geheimnis des Erfolgs ein starker Markenkern. Innsbruck bewirbt sich als „alpin-urbane Destination“. Die Nordkette liegt ja vor der Haustüre. Zudem machen die 30.000 Studenten die Stadt „jung und lebendig“. Viele deutsche Studenten bleiben auch nach der Ausbildung in Innsbruck. Tyler Brûlé formuliert es so: „Es ist auch wichtig, ob ich um 6 Uhr in der Früh einen guten Kaffee bekommen kann.“

Berge und Wasser als Erfolgsformel

Lausanne auf Platz 1. Europäische Städte dominieren. Die Top 5 im Mini-Porträt

Beim Monocle-Ranking wurden erstmals die „best small cities“ gekürt. Neben Qualität des öffentlichen Verkehrs, guten Flug- und Zugverbindungen und fortschrittlicher Stadtverwaltung zählen  „harte Fakten wie Kriminalität und Lebenserwartung“, so Tyler Brûlé. Auch kommunales Sozialleben und Natur tragen zum Wohlbefinden bei. Kurz: Familiär soll’s sein, aber groß genug zum Leben. 18 der 25 Top-Destinationen liegen in Europa, viele in den Alpen.  Andere Städte am Meer. Berge und Wasser erhöhen die Lebensqualität spürbar. Die fünf Top-Städte im Porträt:

  • Platz 1: Lausanne Die Schweizer Stadt überzeugt mit ihrer Lage am Genfersee, exzellenten Schulen, Vielsprachigkeit und globalen Konzernen wie dem Internationalen Olympischen Komitee.
  • Platz 2: Boulder An den Ausläufern der Rocky Mountains in Colorado gelegen, ist die Medien-Stadt  Anhängern der Beat-Generation gut bekannt. Laut Studie leben hier die glücklichsten Amerikaner. Es soll nicht nur am frei erhältlichen Cannabis liegen.
  • Platz 3: Bergen Pittoreske Bergkulisse, norwegisches Paradies für Outdoor-Fans. Startpunkt der Schiffe der Hurtigruten. Das Hafenviertel Bryggen ist Weltkulturerbe.
  • Platz 4: Hobart Hauptstadt der Insel Tasmanien. Mildes Klima, süße Wallabies und Ziel der Segelregatta Sydney-Hobart. Australien in a nutshell.
  • Platz 5: Chigasaki Südlich von Tokio, ruhig, sicher und von Bergen und Meer umgeben. Berühmt fürs Surfen.
eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.