Reise
11.03.2018

Eines der schönsten Dreckslöcher der Welt

Namibia ist fast zehnmal so groß wie Österreich, hat aber nur ein Drittel der Einwohner. So bleibt genug Platz für eine der ältesten Wüsten der Welt und eines der wildreichsten Schutzgebiete Afrikas.

Stop! Zurück! Da! – Wo? Da unter dem Baum! Aaahhh. Der graue Fleck, den der Driver-Guide Franke entdeckt hat, ist tatsächlich ein Nashorn. Es versteckt sich gut, aber als es einmal kurz den Kopf hebt, können wir das Horn erkennen. Wir warten, aber es will sich einfach nicht für uns erheben. Siesta. Aber auch, wenn es sich uns nicht präsentieren will, schätzen wir uns glücklich, sind die tonnenschweren Tiere doch in ganz Afrika vom Aussterben bedroht und leider selbst in den geschützten Nationalparks nicht immer vor Wilderern sicher.

Noch mehr Glück haben wir bei einem Löwenpaar, das zwar auch nur faul herumliegt, dafür neben der Straße. Es ist unbeeindruckt von dem Jeep, aus dem es ständig klick-klick macht. Nur einmal erhebt der König der Tiere den Kopf und straft uns mit einem ermahnenden Blick, der sagt, wir sollen bitte ein bisschen leiser fotografieren.

Lebendige Vielfalt

Wir befinden uns im Etosha-Nationalpark, in dem Land, das sich kürzlich stolz alsdas schönste Drecksloch der Erdevermarktet hat, nachdem der US-Präsident es in die Kategorie "Shithole-Country" gepackt hatte. Ein Blick zum Wasserloch gibt Namibia recht, dort tummeln sich gerade Zebras, Gnus, Springböcke, viele Vögel und von Weitem erkennt man die Giraffen, die immer näher kommen. Eigentlich ein großes Glück, denn in der Nacht hat es kurz geregnet. Die Tiere haben also wenig Grund, sich auf den Weg zu den Wasserlöchern zu machen und hätten sich auch in den Tiefen des Nationalparks verstecken können, wo kein Auto hin kommt. Der 22.270 km² große Etosha-Nationalpark verfügt nur über ein Straßennetz von etwa 1000 Kilometern.

Fast wäre das Auto an einer Gruppe Elefanten vorbei gefahren. Zwei erwachsene Elefantenkühe, ein Kalb und zwei Babys, eines davon dürfte erst ein paar Tage jung sein, es purzelt zwischen den Beinen der Mutter umher. Stundenlang könnten wir dem Schauspiel zuschauen.

Seltene Wüstenelefanten

So ergeht es uns auch im trockenen Aba-Huab-Flussbett. Guide Regie sucht den Boden nach Spuren ab und folgt der frischesten Dungfährte. Er findet eine Herde mit sieben Wüstenelefanten. Die Anführerin Rosie ist etwa 40 Jahre alt und beschützt ihr drei Wochen altes Baby, während ihre fünf und 15-jährigen Kälber selbstständig nach Futter suchen. Da die Elefanten im Reservat schon an Autos gewöhnt sind, kommen wir ihnen sehr nahe, bei ihren Kollegen in der Savanne würde das nicht gehen.

Dass Namibia schon sehr lange artenreich ist, erkennt man an den faszinierenden Felsgravuren von Twyfelfontein. Schätzungen zufolge sind die Kunstwerke, die unter anderem Giraffen, Zebras, und Löwen zeigen, zwischen 6000 und mehreren hundert Jahren alt. Ungläubig spazieren wir durch den "versteinerten Wald" mit 50 fossilen Stämmen. Die "Nadelbäume" sollen sogar 260 Millionen Jahre alt sein. Dann stoßen wir auf die berühmte Welwitschia, eine der ältesten Pflanzen der Welt, die bis zu 2000 Jahre alt werden kann und vom österreichischen Botaniker Friedrich Welwitsch entdeckt wurde.

Vielfältige Kulturen

Einer faszinierenden Sprache mit Klicklauten lauschen wir im nahen Damara Living Museum. Dort lernen wir die Kultur der Damara kennen, die aufgrund fehlender kriegerischer Ambitionen weitgehend verloren ging und im Museum für Touristen nachgestellt wird. Eine Medizinfrau arbeitet an Heilsalben, Werkzeug wird geschmiedet, es wird gesungen und getanzt. Sie gelten gemeinsam mit den San als Ureinwohner Namibias, in dem zwölf verschiedene Bevölkerungsgruppen leben. Auch die Himba, ein Stamm der Herero und die letzten Nomaden Namibias, können Touristen in einem Dorf besuchen und neben ihren einfachen Hütten, Kleidung und Handwerk auch die prächtigen Zöpfe der Frauen bewundern.

Sagenhaftes Nichts

Von all dem Leben und der Zivilisation sind wir im Namib-Naukluft-Park ganz weit weg. Letzte Tankstelle und eine Bäckerei vor der Wüste Namib: Solitaire. Dort hängt eine Tafel, auf der mit Kreide der Regen seit 2009 dokumentiert wird. Im ersten Jahr waren es etwa 223 Millimeter, die gefallen sind, 2016 waren es nur 68 Millimeter. Alte Autowracks sind kunstvoll in Szene gesetzt. Sonst ist da nichts.

Noch mehr Nichts sehen wir auf dem Weg nach Sossusvlei, eine von Sanddünen umgebene Salzpfanne. Es ist wunderschön. Uns beeindrucken tote und lebendige Bäume, Sträucher und Oryxantilopen, die trotz der unwirtlichen Landschaft immer noch überleben.

Aber nichts ist so schön wie das Spiel von Licht und Schatten auf den Sanddünen in den frühen Morgenstunden. Die perfekte Zeit, um eine Wanderung zu machen, der Sand ist noch kühl und beim Gehen wird uns ohnehin schnell genug warm. Hier befinden sich einige der höchsten Dünen der Welt. Big Daddy (bis 350 Meter) lassen wir links liegen und erklimmen die minimal weniger bedrohliche Big Mama.

Kampf dem Sand

Je steiler die Kante, desto anstrengender wird der Marsch. Um gegen den rutschigen Sand anzukämpfen, versuchen die einen ihr Glück barfuß, andere bewegen sich auf allen vieren weiter. Auf dem Gipfel wartet ein traumhafter Blick über die Namib. Mit geschätzten 80 Millionen Jahren liegt uns eine der ältesten Wüsten der Welt und einer der trockensten Orte dieser Erde zu Füßen. Fantastisch. Wir bleiben, bis es uns zu heiß wird, und füllen roten Sand in Flaschen ab. Dabei bräuchten wir gar kein Andenken, diesen Augenblick werden wir ohnehin nicht vergessen.

Anreise Nachtflug mit Qatar: WienDohaWindhoek.qatarairways.com

Sicherheit/Gesundheit Namibia gilt als eines der sichersten Reiseziele Afrikas. Impfempfehlungen und Malariaprophylaxe variieren je nach Reiseroute und Saison. Fachkundige medizinische Auskunft ist ratsam.

Währung 1 €= ca. 14,50 NAD (Namibische Dollar)

Beste Reisezeit Zw. Ende Mai und Ende September kaum Regen, Temperaturen am angenehmsten. August/ September eignet sich hervorragend für eine Safari.

Essen & Trinken Fleischlastige Küche, unbedingt das gegrillte Wild probieren (z. B. Kudu, Oryx, Springbock, Zebra), an der Küste Fisch, Meeresfrüchte, Austern. Eine Spezialität ist das luftgetrocknete Fleisch "Biltong". An den Bieren ist der deutsche Einfluss zu spüren, es gibt auch gute namibische Weine. Beliebt: Creme-Likör Amarula.

Angebot Raiffeisen Reisen bietet mehrere Namibia-Varianten an: Geführte individuelle Touren ab 2 Personen, Selbstfahrertouren wie auch Gruppenreisen.

Beispiel: 13 Tage ab/bis Wien ab 2990 €/P im DZ. inkl. Flüge, 10 N/F in guten Mittelklassehotels oder landestypischen Lodges, 1 x Mittagessen, 10 x Abendessen, Ausflüge laut Programm, deutschsprachige Reiseleitung.

Termine 2018 12.– 24. Mai., 12.–24. Juni., 9.– 21. August., 16.– 28. Oktober.

Buchung Raiffeisen Reisebüro, Rotenturmstrasse 27, 1010 Wien ☎ 01/ 533 77 82, rotenturmstrasse@raiffeisen-reisen.at